Stephen Collins: Der gigantische Bart, der böse war

Der gigantische Bart, der böse warBis zum 19. Juni kann noch über den Max & Moritz-Publikumspreis abgestimmt werden und bis dahin werde ich versuchen, mich durch alle für mich interessanten Vertreter auf der Longlist zu lesen. Heute also nach „Hilda und der Mitternachtsriese“ der zweite Teil: „Der gigantische Bart, der böse war“ von Stephen Collins.

Dave, die Hauptfigur des großformatigen Bandes, lebt auf einer Insel namens „Hier“, die sich in erster Linie durch ihre Aufgeräumtheit auszeichnet – nichts ist am falschen Platz, keine Überraschungen stören das geordnete Leben und niemand stellt kritische Frage (so wissen zum Beispiel weder Dave noch seine Arbeitskollegen, wofür die Firma, für die sie jeden Tag schuften, eigentlich zuständig ist). Der Motor, der die Gesellschaft von „Hier“ antreibt, ist die panische Angst vor Zuständen wie in „Dort“, jenem gefürchteten Land jenseits des Meeres, wo angeblich Chaos und Anarchie herrschen sollen.

So gut man sich in „Hier“ auch abzuschotten vermag: Eines Tages kommt das „Dort“ ganz unversehens ein Stückweit auf die Insel der Ordnung. Aus dem widerspenstigen Haar auf der Oberlippe des ansonsten kahlen Dave sprießt auf einmal ein stattlicher Bart. Stutzen oder abrasieren hilft nichts, denn nach jedem Versuch wächst der Bart in Windeseile nur umso störrischer nach und entwickelt mit der Zeit ein Eigenleben, das das öffentliche Leben in „Hier“ nachhaltig zu zerstören droht.

Mit seinem Debüt „Der gigantische Bart, der böse war“ ist dem 1980 geborenen Engländer Stephen Collins eine beeindruckende Graphic Novel gelungen, die von vielen Kritikern mit Werken von Franz Kafka und George Orwell verglichen wurde. Und in der Tat entwirft auch „Der gigantische Bart, der böse war“ ein düsteres Szenario (wobei die Frage offen bleibt, ob eher die durchreglementierte Gesellschaft von „Hier“ oder das Chaos, das der Bart anrichtet, gruseliger ist) und geht existenziellen Fragen auf dem Grund. Bei aller Bedrohlichkeit betont Stephen Collins allerdings auch, dass ein wenig Unordnung das Leben durchaus bereichern kann, was seiner wundervoll gezeichneten Graphic Novel eine sehr tröstliche Note verleiht.

Unbedingt lesen!

Stephen Collins: Der gigantische Bart, der böse war. Atrium Verlag, 240 Seiten, 29,99 Euro.

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