Sven Regener: Magical Mystery

Magical MysteryEin Überbleibsel vom weihnachtlichen Gabentisch: Die Trilogie um Frank Lehmann habe ich mit großem Vergnügen gelesen, weshalb mir nicht ganz klar ist, warum ich mir mit „Magical Mystery“ doch so lange Zeit gelassen habe. Aber sei’s drum – nun ist das Ding ja ausgelesen!

Sven Regeners vierter Roman – zwischendurch erschienen mit „Angulus Durus“ (mit Germar Grimsen) und der Blogartikel-Sammlung „Meine Jahre mit Hamburg Heiner“ zwei weitere Bücher – widmet sich einem Nebendarsteller aus „Herr Lehmann“, nämlich Frank Lehmanns bestem Freund Karl Schmidt, der nach mehreren durchwachten Nächten just am Tag des Mauerfalls in die Psychiatrie eingewiesen werden musste. Rund fünf Jahre sind seit diesem Vorfall vergangen und Karl, der inzwischen sein Dasein als Nachwuchskünstler in Berlin hinter sich gelassen hat, lebt in einer therapeutischen Wohngruppe für ehemalige Drogenkranke in Hamburg-Altona. Er hat allen schädlichen Suchtmitteln abgeschworen (wobei sein Kaffee-Konsum bedenkliche Ausmaße erreicht hat), beteiligt sich fleißig an den „Plenums oder Plena oder gar Plenata“ von Gruppenleiter Werner und geht pflichtbewusst seiner Arbeit als Aushilfshausmeister eines Kinderheims nach.

Auf einmal aber wird Karl von seiner Berliner Vergangenheit eingeholt: Seine alten Freunde Raimund und Ferdi, als Technopioniere, Clubbetreiber und Begründer der Plattenfirma „Bumm Bumm Records“ zu beträchtlichem Reichtum gekommen, planen ihren nächsten großen Coup, nämlich eine an den „Magical Mystery“-Flop der Beatles angelehnte Club-Tour. Für diese benötigen sie noch einen Fahrer, der die Horde verpeilter DJs von Auftritt zu Auftritt fahren und möglichst nüchtern bleiben soll; ein Job wie gemacht für Karl, der ja – wie Ferdi nicht müde wird zu betonen – „nichts nehmen darf“. Kurzentschlossen nimmt er an, bricht alle Regeln der Wohngruppe von „Sozpäd-Titan“ Werner und stürzt sich in ein Abenteuer, das vom ersten Tag an in Chaos ausartet…

Wie die „Herr Lehmann“-Romane, auf die immer mal wieder Bezug genommen wird (deren Kenntnis aber fürs Verständnis dieses Buches nicht unbedingt nötig ist), lebt auch „Magical Mystery“ weniger von der eher überschaubaren Handlung als von Sven Regeners grandios lakonischem Schreibstil. Die Charaktere sind allesamt schrullige Gestalten, zwischen denen sich immer wieder oft seitenlang herrlich sinnfreie Dialoge entspinnen. Neben dem Protagonisten selbst sind vor allem der dampfplaudernde Ferdi, gleichermaßen 68er wie Raver sowie der chronisch verwirrte DJ Schöpfi besonders liebenswert geraten. Nach den gut 500 Seiten legt man das Buch jedenfalls etwas wehmütig aus der Hand. Gut nur, dass das Ende geradezu nach einer Fortsetzung schreit und auch Frank Lehmanns weiterer Werdegang, der ganz kurz angerissen wird, sicher ebenfalls ein lesenswertes Buch abgeben würde…

Sven Regener: Magical Mystery oder: Die Rückehr des Karl Schmidt. Verlag Galiani Berlin, 512 Seiten, € 22,99.

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