Alexander Häusser: Zeppelin!

Zeppelin

Die Zeit vor dem 2. Weltkrieg scheint mich in diesem Herbst nicht loslassen zu wollen, denn auf die Lektüre von „Deutscher Meister“ ließ ich gleich Alexander Häussers bereits 1998 erstmals erschienenen und vor einer Weile beim Bielefelder Pendragon Verlag neu aufgelegten Kurzroman „Zeppelin!“ folgen. Anders als in Stephanie Barts Buch um den Boxer Johann Rukelie Trollmann ist der Nationalsozialismus in Alexander Häussers fiktiver Geschichte aber nur eine Randnotiz, geht es auf den knapp 140 Seiten doch in erster Linie um eine drei Generationen umspannende Familiengeschichte und ein faszinierendes Kapitel der deutschen Luftfahrt.

Der namenlose Erzähler von „Zeppelin!“ ist ein junger Mann, der als Angestellter eines Museums versucht, die Lebensgeschichte seines Großvaters Robert Silcher zu rekonstruieren. Dieser war, nachdem er als kleiner Junge im Jahr 1909 erstmals einen Zeppelin am Himmel erblickt hatte, zu einem schier fanatischen Anhänger der Luftschifffahrt geworden und setzte fortan alles daran, eines Tages eine Arbeitsstelle in den Zeppelin-Werken in Friedrichshafen zu finden. Selbst, als dieser große Traum in Erfüllung gegangen war, ließen die Ruhelosigkeit und der Fanatismus allerdings nicht nach, sondern steigerten sich im Laufe der Zeit sogar noch in bedenkliche Sphären. So war Robert für seine Frau Thea und den gemeinsamen Sohn Jakob — der Vater des Erzählers und eine ebenso ruhelose, aber deutlich blassere und erfolglosere Gestalt — eher ein Phantom als ein liebender Familienvater. Am 6. Mai 1937 löste sich Robert Silcher dann im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auf, als er bei der mysteriösen — übrigens bis heute ungeklärten — Explosion der gigantischen „Hindenburg“ im amerikanischen Lakehurst unter den knapp 40 Todesopfern war. Im Laufe seiner Recherchen wächst beim Erzähler zunehmend der Verdacht, dass sein Großvater unter Umständen gar nicht das Opfer eines tragischen Unfalls war, sondern die Katastrophe vielmehr selbst herbeigeführt hat…

Alexander Häusser erzählt die kunstvoll verschachtelte Familiengeschichte, die in ihrem Verlauf immer mehr zum Kriminalstück wird, in einer ruhigen und unaufgeregten Sprache, schafft es aber trotzdem immer wieder, seinen Leserinnen und Lesern die Faszination der Luftschifffahrt sehr anschaulich und beeindruckend näherzubringen. Der wahre Hintergrund der Geschichte verbietet natürlich ein abgeschlossenes Ende, aber dennoch liefert „Zeppelin!“ — im Jahr 2008 verfilmt von Gordian Maugg — eine durchaus schlüssige Erklärung für den Absturz der „Hindenburg“. Dass sich die Erzählung zudem noch äußerst spannend liest, ist ein weiterer guter Grund, diese hübsch aufgemachte Neuauflage in die Hand zu nehmen.


Alexander Häusser – Zeppelin!, Pendragon Verlag, 154 Seiten, ISBN 978-3-86532-420-7, 10,99 Euro.

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