Kurz notiert (1)

Lesen:
Arno Geiger — „Selbstporträt mit Flusspferd“ (Hanser Verlag) // Vorneweg: Eine allzu tragende Rolle spielt das im Titel erwähnte (Zwerg-) Flusspferd in Arno Geigers aktuellem Roman gar nicht unbedingt. Es ist halt einfach da und bekommt mit stoischer Ruhe mit, wie der 22 Jahre alte Julian, Student der Veterinärmedizin und im Sommer 2004 Aushilfspfleger des sich im Besitz des von einer schweren Krankheit gezeichneten Professors Beham befindlichen Tieres, nach der Trennung von seiner Freundin Judith langsam wieder zurück ins Leben findet und sich in eine von vornherein zum Scheitern verurteilte Affäre mit Behams geheimnisvoller Tochter Aiko stürzt. Das liest sich recht vergnüglich, vor allem, weil Julian ein sympathischer Romantiker und Zauderer ist, der vor lauter Grübeleien und Weltschmerz kaum etwas auf die Reihe bekommt, zieht sich aber hin und wieder doch ein wenig in die Länge. Trotzdem ein lesenswerter Roman, mit dem sich sehr gut die ersten wärmeren Frühlingstage im Stadtpark herumbringen lassen.

Sehen:
„Still Alice — Mein Leben ohne Gestern“ (Regie: Richard Glatzer, Wash Westmoreland) // Völlig zurecht wurde Julianne Moore Ende Februar mit dem Oscar als beste weibliche Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Wie sie die an einer besonders aggressiven, frühzeitig auftretenden Art von Alzheimer erkrankte Linguistik-Professorin Alice Howland spielt, die sich vergeblich mit aller Macht gegen das Vergessen und letztlich auch den damit verbundenen Verlust der eigenen Identität stemmt, ist ebenso beeindruckend wie ergreifend. Keine leichte Kost, aber ein äußerst sehenswerter Film. Regisseur Richard Glatzer hat den Erfolg seines Streifens noch mitbekommen dürfen, mittlerweile ist er im Alter von 62 Jahren leider seiner schweren ALS-Erkrankung erlegen.

Hören:
Seed To Tree — „Wandering“ // Bands wie Noah & The Whale und The Kooks haben sich über die Jahre nicht nur eine treue Fanschar erspielt, sondern auch zahlreiche Nachahmer auf den Plan gerufen. Viele davon kann man sich getrost sparen, aber einige verdienen dann doch etwas mehr Beachtung. Letztes Jahr zum Beispiel veröffentlichten All the Luck in the World ein ziemlich gelungenes Album für laue Sommerabende, und auch dem aus Luxemburg stammenden Quintett Seed To Tree darf man gerne Gehör schenken. Sicher, fürchterlich originell mag „Wandering“ nun nicht sein, aber die Songs darauf sind allesamt sehr gefällig und eingängig ausgefallen. Besonders gut gelungen: Der leichtfüßig tänzelnde Indie-Pop von „Until It Gets Better“ und das eher folkig angehauchte, ausladende Titelstück.

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