Neu im Plattenladen, Folge 5

Sufjan Stevens — Carrie & Lowell

Sufjan Stevens
Foto: Asthmatic Kitty Records

„Entschleunigung“ ist ein fürchterliches Wort, das höchstwahrscheinlich von findigen Marketingexperten erdacht wurde, um gestressten, unzufriedenen Menschen allerlei teuren Wohlfühl-Tand zur zu verkaufen. Im Kern hat aber auch dieser Gruselbegriff etwas Wahres, das durchaus auf das neue Album des geschätzten Sufjan Stevens zutrifft, nämlich der Wunsch nach der Besinnung auf das Wesentliche. Statt also nach dem opulenten, ausufernden „The Age of Adz“ noch eins draufzusetzen oder sich mal wieder dem von Beginn an etwas allzu größenwahnsinnigen 50-Staaten-Projekt zu widmen, schaltet der Amerikaner gleich mehrere Gänge zurück, packt das Banjo seiner früheren Tage wieder aus und legt mit „Carrie & Lowell“  (Asthmatic Kitty Records, erscheint am 27. März) — das sind die Namen seiner Mutter und seines Stiefvaters — eine Sammlung von elf ruhigen, zurückgenommenen und vor allen Dingen sehr persönlichen Liedern vor. Keine ellenlangen Songtitel, keine komplex verschachtelten Arrangements und keine Stücke, die sich allzu weit über die Fünfminutengrenze wagen. Stattdessen Schlaglichter aus Sufjan Stevens‘ Kindheit und Jugend, hier die Erinnerung an den Schwimmlehrer, der am Vornamen seines Schützlings scheiterte, dort eine Momentaufnahme von dem Tag, als er von der Mutter in der Videothek vergessen wurde. Zentrales Thema ist und bleibt aber (natürlich) die Liebe, meist irgendwo zwischen Sehnsucht, einer kurzen Phase des Glücks und schließlich gefolgt von Verlust, Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit.

Dass das in seiner ganzen Reduziertheit sehr gut gelungen ist — letzten Endes ähneln die meisten der neuen Stücke dem grandiosen „To Be Alone With You“ — versteht sich fast von selbst. „Death With Dignity“ oder „The Only Thing“, in dem es darum geht, dass es manchmal die ganz kleinen Lichtblicke sind, die uns am Leben festhalten lassen, sind dabei ebenso schön und berührend ausgefallen wie die letzten Zeilen von „Eugene“:

What’s left is only bittersweet
For the rest of my life, admitting the best is behind me
Now I’m drunk and afraid, wishing the world would go away
What’s the point of singing songs
If they’ll never even hear you?


Außerdem neu:

The Elwins — Play For Keeps.- Das musikalische Gelände, auf dem sich das Quartett The Elwins bewegt, wurde vor knapp anderthalb Jahrzehnten bereits von Formationen wie Everclear, Fountains of Wayne oder dem One-Hit-Wonder Wheatus beackert und später von Phoenix oder Vampire Weekend auf recht gewitzte Art und Weise neu interpretiert. Dementsprechend ist „Play For Keeps“ (Affairs of the Heart, bereits erschienen), das zweite Album der Kanadier, nun nicht unbedingt ein Feuerwerk der Originalität, wovon überdies etwas abgegriffene Phrasen wie „you get me high like a bubble“ oder „it ain’t over ‚til it’s over“ zeugen. Allerdings ist der quirlige, pastellfarbene Bubblegum-Pop der Elwins dennoch so eingängig und liebenswert, dass er — in der richtigen, nicht allzu hohen Dosis genossen — jede Menge Spaß macht.

Konzerte: 27.03. Dortmund — Sissikingkong, 28.03. Erfurt — Franz Mehlhose, 31.03. Köln — Blue Shell, 14.04. (A) Salzburg — Rockhouse, 15.04. (A) Innsbruck — Livestage, 16.04. Reutlingen — franz.k (Burning Eagle Festival Warm-Up), 17.04. (A) Aflenz — Sublime, 18.04. (A) Linz — Posthof, 19.04. Regensburg — Heimat, 20.04. (A) Wien — Chelsea, 21.04. München — Milla (mit Rah Rah), 22.04. Erlangen — E-Werk (mit Rah Rah), 23.04. Leipzig — Moritzbastei (mit Rah Rah), 24.04. Dresden — Beatpol (mit Rah Rah), 25.04. Berlin — Privatclub (mit Rah Rah), 26.04. Hamburg — Knust (mit Rah Rah).

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