Neue Platten im April

East Cameron Folkcore: Kingdom of Fear (Grand Hotel van Cleef) — Wenn East Cameron Folkcore „Folk“ sagen, dann meinen sie nicht den immer weiter ausfransenden Genre-Begriff, unter dem sich vollbärtige Zausel, verhuschte junge Frauen und Bands mit einer Vorliebe für Tweed und Mandolinen seit einigen Jahren mit großem Erfolg versammeln, sondern vielmehr das Vermächtnis von Künstlern wie Lead Belly, Pete Seeger oder Woody Guthrie. Kurzum: Dem Oktett aus Austin ist eine kritische Haltung deutlich wichtiger als die Wahl des richtigen Karohemds. Dementsprechend nimmt sich „Kingdom of Fear“, das etwas großspurig in vier canti gegliederte neue Album der Band, praktisch aller Probleme an, an denen die USA (und letzten Endes die ganze westliche Welt) momentan kranken. Umweltzerstörung, Finanzkrise, wachsende soziale Ungleichheit, Gentrifizierung — kaum ein großes Thema haben East Cameron Folkcore ausgelassen und all das wird mit viel Wut im Bauch irgendwo zwischen Heartland-Rock, Americana und Punk bzw. Bruce Springsteen und Social Distortion inbrünstig besungen. Ganz neu und originell mag das zwar nicht unbedingt sein, aber allein das großartige Titelstück und das nicht minder gelungene „Into Hells Sea“ sind schon eine Wucht. Apropos Wucht: Der Besuch eines der vielen anstehenden Konzerte der Amerikaner dürfte sich bestimmt lohnen — auch auf die Gefahr hin, dass man von der unbändigen Energie dieser Musik im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Saal geblasen werden könnte.- Termine: 23.5. Beverungen — Orange Blossom Special, 24.5. Mannheim — Maifeld Derby Festival, 26.5. Saarbrücken — Garage, 27.5. Bielefeld — Forum, 28.5. Hamburg — Hafenklang, 29.5. Husum — Speicher, 30.5. Berlin — Magnet, 31.5. Jena — Rosenkeller, 2.6. Dresden — Groovestation, 3.6. Leipzig — Werk 2, 4.6. Erlangen — E-Werk, 5.6. (A) Wien — B 72, 6.6. Ulm — Ulmer Zelt, 7.6. München — Ampere, 8.6. (A) Dornbirn — Conrad Sohm (+ Frank Turner), 9.6. (A) Innsbruck — Weekender (+ Frank Turner), 10.6. (A) Salzburg — Rockhouse (+ Frank Turner), 16.6. Köln — Underground, 17.6. Trier — Ex-Haus, 18.6. Wiesbaden — Schlachthof, 19.6. Scheeßel — Hurricane Festival, 20.6. Neuhausen ob Eck — Southside Festival, 21.6. Duisburg — Traumzeit Festival.


Villagers: Darling Arithmetic (Domino Records) — Noch mehr als der Protest gegen die herrschenden Zustände ist natürlich die Liebe in all ihren Facetten eine nie versiegende Inspirationsquelle für Songs jeglicher Art. Conor O’Brien alias Villagers hat diesem Dauerbrennerthema — genauer gesagt dem Ende einer Liebesbeziehung —  mit „Darling Arithmetic“ nun sein komplettes drittes Album gewidmet und sich beim Arrangement der neun neuen Stücke im Vergleich zum sehr experimentellen, manchmal arg verschwurbelten Vorgänger „{Awayland}“ wohltuend zurückgehalten. Nicht die schlechteste Idee, denn dank des spärlichen, erlesen gewählten Instrumentariums bleibt mehr Raum für die Texte und die einnehmende Stimme des Iren. Oft ist „Darling Arithmetic“ näher am Jazz als am Pop, manchmal auch nicht weit entfernt von der Grenze zur Langeweile, aber das sehr schöne Titelstück sowie „Dawning On Me“ und das tolle „Hot Scary Summer“ lassen einen locker über die wenigen Schwächen dieses recht kurzen, aber ziemlich gelungenen Albums hinwegsehen.- Termine: 10.5. Heidelberg — Karlstorbahnhof, 12.5. Hamburg — Kulturkirche Altona, 13.5. Köln — Gebäude 9, 14.5. Berlin — Babylon.


Demnächst: Calexico — Edge of the Sun

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