[Krimi] Rainer Doh: Mordkap

Mordkap

Wenn in Kriminalromanen immer alles so wäre, wie es auf den ersten Blick erscheint, wären die meisten schon nach 20 Seiten zu Ende. Auch „Mordkap“ von Rainer Doh, würde da keine Ausnahme darstellen, denn schließlich ist der Fall recht eindeutig. Ein deutscher Tourist wird auf der „MS Midnatsol“, einem Kreuzfahrtschiff der Hurtigruten, während der Passage durchs nördlichste Norwegen tot in seiner Kabine aufgefunden. Offensichtlich ein Selbstmord, weshalb die routinemäßige Klärung der genaueren Umstände dem Kleinstadtpolizisten Arne Jakobson überlassen wird. Während dieser, schwer geplagt von der Seekrankheit, also die vornehmlich älteren, teils recht schrulligen Passagiere befragt und langsam zu der Erkenntnis gelangt, dass womöglich doch jemand nachgeholfen haben könnte beim vermeintlichen Suizid, rotieren auf dem Festland bereits diverse Geheimdienste, denn natürlich ist auch in diesem Krimi wieder einmal nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Rainer Doh, selbst ein begeisterter Hurtigruten-Passagier, hat mit „Mordkap“ ein gelungenes Krimi-Debüt irgendwo zwischen Agatha Christie (man denke nur an „Tod auf dem Nil“ oder „Mord im Orientexpress“) und Polit-Thriller vorgelegt. Die Idee, die Handlung auf das größtenteils abgeschlossene System eines Kreuzfahrtschiffs zu verlegen, mag zwar nicht ganz neu sein, verleiht der Handlung aber nicht zuletzt dank der kenntnisreichen Beschreibung der Örtlichkeiten eine gewisse Dichte und Überschaubarkeit. Angesichts des etwas komplexeren Überbaus mit Geheimdiensten, internationalen Verstrickungen und dergleichen, stellt dieses klassische Krimi-Szenario mit dem sympathischen, gerne ein wenig überfordert wirkenden Arne Jakobson einen wohltuenden Kontrast dar. Überhaupt ist das Personal von „Mordkap“ größtenteils lebensnah und glaubwürdig gezeichnet, wobei einige Figuren schon ein wenig klischeehaft wirken. So ist etwa der emeritierte Professor ein sehr von sich eingenommener Wichtigtuer, die Ärztin im Ruhestand eine burschikose ältere Dame, die ohne zu zögern anpackt, und der russische Agent ein undurchschaubarer Finsterling. Der Spannung, die sich nach dem eher gemächlichen ersten Drittel bis zum rasanten Höhepunkt kontinuierlich steigert, tut dies aber natürlich keinen Abbruch.

Insgesamt ein lesenswerter Krimi, nicht nur für Norwegen-Freundinnen und -Freunde!


Rainer Doh: Mordkap. Divan Verlag, ISBN 978-3-86327-026-1, 256 Seiten, € 16,90. Auch als E-Book erhältlich.

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