Hop Along: Painted Shut

Foto: PR
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Längere Zeit war es eher ruhig um Saddle Creek, die legendäre Plattenfirma aus Omaha, Nebraska, die in den Nullerjahren mit Bands wie Bright Eyes, Cursive, Neva Dinova oder Azure Ray ordentlich für Wirbel sorgte. Aktuell stehen wieder ein paar neue Veröffentlichungen an, die vielversprechendste davon ist sicherlich „Painted Shut“, das zweite Album des aus Philadelphia stammenden Quartetts Hop Along.

Ursprünglich von der Folk-Sängerin Frances Quinlan als Soloprojekt gegründet, wuchs Hop Along dank der Unterstützung von Joe Reinhart (Gitarre), Tyler Long (Bass) und Mark Quinlan (Schlagzeug) schnell zu einer vollwertigen Band an, orientierte sich in erster Linie am Indie-Rock der 90er Jahre und verschaffte sich zunächst in der lokalen Musikszene, später unter anderem als Vorgruppe von The War On Drugs landesweite Aufmerksamkeit. Mit „Painted Shut“ stößt die Band nun in ganz neue Sphären vor, ohne dafür großartig vom gewohnten Pfad abzuweichen. Ohnehin ist es wohl die größte Stärke von Hop Along, dass sie das Rad nicht neu erfinden wollen, solange der Karren rollt. Vorwiegend inspiriert vom Indie-Rock der vergangenen zwei Dekaden, preschen die meisten der zehn neuen Songs ordentlich nach vorne und setzen lieber auf verzerrte Gitarren denn auf zur Zeit allgegenwärtiges schmückendes Beiwerk wie Streicher oder Bläser. Dass sich auf „Painted Shut“ am Ende nicht nur Stücke wie das furios lärmende „Waitress“ finden, sondern auch eher akustisch Gehaltenes wie „Happy to See Me“ und „Well Dressed“, sowie das großartige „Horseshoe Crabs“ (ein heißer Kandidat für den Titel „Song des Jahres“), das diese beiden Pole auf beeindruckende Art und Weise vereint, liegt sicher auch an Frances Quinlans Folk-Vergangenheit. Von dieser zeugen auch die Texte — ein immer wiederkehrendes Thema ist das tragische Leben der beiden Musiker Buddy Bolden und Jackson C. Frank –, die in ihrer Schonungslosigkeit und der Beschäftigung mit dem ländlichen Amerika vergangener Zeiten an Schriftsteller wie John Steinbeck und nicht zuletzt an aktuelle Musikerkollegen wie die Two Gallants erinnern. Auffälligstes Merkmal von Hop Along ist allerdings zu jedem Zeitpunkt die Stimme Frances Quinlans, die vom zärtlichen Säuseln über verzweifeltes Flehen bis hin zu wütendem Geschrei die ganze Bandbreite so gekonnt abdeckt, dass es eine wahre Freude ist.

Kurz gesagt: Großartige Sängerin, tolle Band, hervorragendes Album!


♦ Hop Along: Painted Shut. Saddle Creek Records, erscheint am 8. Mai, eine Deutschland-Tour der Band ist für Herbst 2015 geplant.  

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