John Verdon: Die Unbarmherzigkeit des Augenblicks

John VerdonZu Beginn dieses Blog-Eintrags erst einmal ein Geständnis: Ja, ich mag Filme mit Nicolas Cage in der Regel ganz gerne. Natürlich nicht, weil es sich bei ihnen um ganz große Kunst handelt, oder weil Herr Cage (der immerhin einmal einen Oscar gewonnen hat) der beste Schauspieler weit und breit ist, sondern, weil sie meist genau das halten, was sie versprechen — knappe zwei Stunden gute Unterhaltung. Zu diesem Zweck darf dann meinetwegen gerne auch einmal etwas zu dick aufgetragen werden.

Was das nun mit „Die Unbarmherzigkeit des Augenblicks“, dem neuen Thriller des Amerikaners John Verdon, zu tun hat? Nun, das Buch könnte ich mir wunderbar als Verfilmung mit Nicolas Cage in der Hauptrolle vorstellen. Dieser würde dann Dave Gurney spielen, einen brillanten Mordermittler der New Yorker Polizei, der sich trotz seiner erst 49 Jahre bereits im Ruhestand befindet (die genaueren Umstände dafür erfährt man wohl in den drei früheren Romanen der Gurney-Reihe, die man allerdings gar nicht kennen muss, um Spaß an diesem Band zu haben) und mit seiner Frau Madeleine in einem idyllischen Landhaus weitab vom Schuss lebt. So ganz hat er sich mit der vielen Freizeit und dem beschaulichen Landleben sehr zum Verdruss seiner Ehefrau jedoch noch nicht angefreundet, weshalb er nicht unglücklich ist, als sein alter Kollege, der raubeinige, mittlerweile als Privatdetektiv wirkende Jack Hardwick, auftaucht und ihn um Hilfe bei einem Fall bittet, an dem er gerade arbeitet. Hardwick vertritt zusammen mit einem Anwalt Kay Spalter, die wegen des Mordes an ihrem Mann, dem ebenso reichen wie zwielichtigen Immobilienunternehmer und Gouverneurs-Kandidaten Carl Spalter, im Gefängnis sitzt. Obwohl sie — wie jede Menge andere Menschen auch — ein Motiv gehabt hätte, den unangenehmen Millionär aus dem Weg zu schaffen, glaubt Hardwick an von korrupten Polizisten manipulierte Beweise und setzt alles daran, dass das Gerichtsverfahren gegen Kay Spalter neu aufgerollt wird. Gurney ist schnell mit im Boot, überprüft den angeblichen Tathergang — Spalter wurde während der Beerdigung seiner Mutter mit einem Scharfschützengewehr aus einem weit entfernten Gebäude erschossen — und findet natürlich schnell heraus, dass weder die Ehefrau noch die meisten anderen vagen Verdächtigen als Schuldige in Frage kommen. Bei den weiteren Ermittlungen kommt er einem skrupellosen Auftragsmörder auf die Schliche, der ebenso gewissenhaft wie verrückt zu sein scheint und schnell auch Gurney und seine Mitstreiter im Visier hat.

Obwohl es John Verdon nicht ganz vermeiden kann, auf einige altbekannte Thriller-Zutaten und ein paar holzschnittartige Charaktere (wie zum Beispiel Hardwicks Informantin beim Bureau of Criminal Investigation, die nicht nur über einen scharfen Verstand verfügt, sondern auch noch eine exotische Schönheit mit einer Vorliebe für knapp geschnittene Freizeitoutfits ist) zurückzugreifen, ist „Die Unbarmherzigkeit des Augenblicks“ in seiner Gesamtheit doch ein empfehlenswertes Buch, das rund 570 Seiten spannende Unterhaltung bietet. Dave Gurney ist ein äußerst sympathischer Ermittler, dessen Handlungen und oft kluge Gedankengänge man gerne mitverfolgt, und über weite Strecken ist der Roman ein nicht allzu effekthascherischer Whodunit mit ein paar überraschenden Wendungen. Das Finale schließlich mag dann in seiner ganzen Krachigkeit vielleicht ein paar Nummern zu groß ausgefallen sein, dient aber letztlich doch der Sache. Das ist bei John Verdon eben nicht anders als in einem Film mit Nicolas Cage.


John Verdon: Die Unbarmherzigkeit des Augenblicks. Deutsch von Friedrich Mader. Heyne Verlag, 576 Seiten, ISBN 978-3-453-41830-1, € 9,99.

Weitere Romane der Dave-Gurney-Reihe:
♦ Die Handschrift des Todes (2010)
♦ Schließe deine Augen (2011)
♦ Gute Nacht (2012)

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