Am Kiosk: stern Crime

Crime Cover

Die Unterzeile „Wahre Verbrechen“  mag zwar unschöne Erinnerungen an billig produzierte und hastig synchronisierte US-Dokus wecken, in denen Polizisten mit abenteuerlichen Frisuren und scheußlichen Krawatten allerlei Schauriges über ihre spektakulärsten Fälle berichten, aber zum Glück kommt „Crime“, der neue, alle zwei Monate erscheinende stern-Ableger, deutlich subtiler daher als die reißerischen Sendungen aus dem Privatfernsehen.

Die Geschichte eines Verbrechens ist immer auch eine Geschichte über das Land, in dem wir leben, über die Gesellschaft, die uns geprägt hat, sie ist eine Geschichte über uns. Wir begegnen unserer eigenen Schwäche, unserer eigenen Lust, unseren eigenen Ängsten, auch denen vor uns selbst. Was muss passieren, damit ein Mensch zum Täter wird? Wann ist ein Verbrechen gerechtfertigt? Darf man mit dem Falschen das Richtige tun?

Diese Sätze aus dem einleitenden Essay von Frauke Hunfeld bringen im Prinzip recht gut auf den Punkt, worum es in dem ansprechend und zeitgemäß aufgemachten Magazin gehen soll. Dementsprechend ist „Crime“ vor allem in seinen ruhigeren, eher differenzierten Auseinandersetzungen mit dem Thema „Verbrechen“ stärker als in den längeren Reportagen über spektakuläre, oft in Nordamerika angesiedelte (Mord-) Fälle. Sehr gut gelungen ist zum Beispiel das Psychogramm eines eigentlich grundanständigen, gebildeten älteren Mannes, den eine fatale Mischung aus Einsamkeit, Naivität und Gutmütigkeit letzten Endes zum Bankräuber werden lässt. Oder auch das Interview mit einem Kriminalhauptkommissar, der auf sympathische Art und Weise mit den aus Fernsehen und Literatur bekannten Klischees über Verhörmethoden aufräumt. Apropos Literatur: In einem weiteren, ebenfalls interessanten Interview verrät der vielfach preisgekrönte Autor Friedrich Ani, wie man einen guten Krimi schreibt.

Insgesamt also eine gelungene erste Ausgabe eines über weite Strecken wohltuend unaufgeregten Magazins, in das vor allem Krimi-Freundinnen und -Freunde gerne einen Blick werfen dürfen.

Crime Inhaltstern Crime erscheint im Gruner + Jahr Verlag. Die erste Ausgabe ist bereits am Kiosk erhältlich, hat 138 Seiten und kostet 4,80 Euro. Das nächste Heft kommt am 8. August heraus.

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3 Kommentare zu „Am Kiosk: stern Crime

  1. Hört sich recht brauchbar an. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Friedrich Ani weiß, wie man einen guten Krimi schreibt. Jedenfalls hat es der alte Langweiler bisher nie unter Beweis gestellt.
    Viele Grüße,
    Gerhard

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