{Buch & Film} Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski

Bisher habe ich es leider nicht geschafft, mir die Verfilmung von Daniel Kehlmanns Roman „Ich und Kaminski“ im Kino anzusehen, aber immerhin haben mich die vielen guten Kritiken zum Streifen von Regisseur Wolfgang Becker („Good Bye, Lenin!“) mit Daniel Brühl und Jesper Christensen in den Hauptrollen dazu gebracht, das Buch in die Hand zu nehmen.

Ich_und_Kaminski

Protagonist des im Jahr 2003 und damit vor Daniel Kehlmanns ganz großem Durchbruch mit „Die Vermessung der Welt“ (2005) erschienenen Romans ist Sebastian Zöllner, ein unglaublicher Unsympath. Der Kulturjournalist und Kunstkritiker ist, obwohl er weder als Kunstkenner noch als Autor eine besonders große Nummer ist, äußerst eitel, sehr von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt und stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Vor diesem Hintergrund verwundert es auch kaum, dass er sofort auf das Angebot eines zwielichtigen Verlegers eingeht, der möglichst bald nach dem in nicht allzu ferner Zukunft zu erwartenden Ableben des blinden und recht gebrechlichen Malers Manuel Kaminski eine Biographie über den ehemaligen Matisse-Schüler auf den Markt werfen und schnelles Geld verdienen möchte.

Der „Biograph“ Zöllner reist also in das abgelegene Bergdorf, in dem Kaminski, betreut  und mit strengem Blick bewacht von seiner Tochter Miriam, seit Jahren zurückgezogen lebt, wobei er es sich schon auf dem Weg dorthin mit allerlei Menschen verscherzt. Auch die Gespräche mit dem Maler selbst, der ein ähnlich eigensinniger und schwieriger Mensch ist, laufen nicht so wie erwartet, weshalb Zöllner einen letzten Trumpf aus dem Ärmel zieht, um sein Buch doch noch zu retten: Er will Kaminski zu dessen Jugendliebe Therese bringen, die er seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat und über die er trotz allem niemals hinweggekommen ist. Auf dem abenteuerlichen Weg entwickelt sich zwischen den beiden ungleichen, in ihrem Weltekel aber gewissermaßen miteinander verbundenen Männern dann doch so etwas wie eine Freundschaft…

„Es ist seltsam“, sagte er, „Sie in meinem Leben zu wissen. Seltsam und nicht angenehm.“

Mit „Ich und Kaminski“ ist Daniel Kehlmann ein sehr lesenswerter früher Roman geglückt, der fast zu gleichen Teilen Satire auf den oft sehr oberflächlichen Kunstbetrieb, Roadtrip und Porträt einer merkwürdigen Männerfreundschaft ist. Obwohl weder Zöllner noch Kaminski noch die vielen Nebenfiguren auch nur annähernd sympathische Züge haben, gewinnt man die ruppigen Eigenheiten während der Lektüre doch ein wenig lieb. Sollte es der mit mehr als zwei Stunden Laufzeit recht langen Verfilmung des eher kurzen Romans gelungen sein, den Charakteren ihre Ecken und Kanten zu lassen, ohne allzu sehr in die Schrulligkeit abzugleiten (was zumindest der Trailer ein wenig befürchten lässt) dürfte sich ein Kinobesuch allemal lohnen.

Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski
Suhrkamp Taschenbuch, ISBN 978-3-518-45653-8, 174 Seiten, 7,99 Euro.

Die Verfilmung von „Ich und Kaminski“ (Regie: Wolfgang Becker; mit Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar, Geraldine Chaplin, Jördis Triebel, Denis Lavant und anderen) läuft seit dem 17. September in den Kinos.

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