Sher-Blog (Folge 1)

sherlock_holmes

Die Abenteuer von Sherlock Holmes und Dr. Watson begleiten mich schon seit mehr als zwei Jahrzehnten. Bereits in der dritten oder vierten Klasse habe ich mit Vergnügen kindgerechte Versionen der Geschichten um den berühmten Detektiv aus der 221B Baker Street verschlungen, später kamen diverse Erzählungen, Fortsetzungen aus der Feder anderer Schriftsteller und natürlich allerlei Verfilmungen hinzu. Das von Sir Arthur Conan Doyle verfasste Gesamtwerk in seiner chronologischen Reihenfolge dagegen habe ich bisher noch nicht gelesen — höchste Zeit, das zu ändern! Noch ein lausiges Wortspiel als Titel dazu und fertig ist der „Sher-Blog“.

Heute: Eine Studie in Scharlachrot
„Eine Studie in Scharlachrot“ (Originaltitel „A Study in Scarlet“) ist der erste von nur vier Holmes-Romanen und wurde erstmals im Jahr 1887 in „Beeton’s Christmas Annual“ veröffentlicht, ein Jahr später erschien die erste Buchfassung. Zentrale Elemente der Geschichte sind natürlich die erste Begegnung zwischen Sherlock Holmes und seinem Gefährten Dr. John Watson sowie die Vorstellung der Eigenheiten und Fähigkeiten des ebenso genialen wie schrulligen Detektivs, die Watson folgendermaßen zusammenfasst:

Geistiger Horizont und Kenntnisse von Sherlock Holmes:

  1. Literatur — Mit Unterschied.
  2. Philosophie — Null.
  3. Astronomie — Null.
  4. Politik — Schwach.
  5. Botanik — Mit Unterschied. Wohlbewandert in allen vegetabilischen Giften, Belladonna, Opium und drgl. Eigentliche Pflanzenkunde — Null.
  6. Geologie — Viel praktische Erfahrung, aber nur auf beschränktem Gebiet. […]
  7. Chemie — Sehr gründlich.
  8. Anatomie — Genau, aber unmethodisch.
  9. Kriminalstatistik — Erstaunlich umfassend. Er scheint alle Einzelheiten jeder Gräueltat, die in unserem Jahrhundert verübt worden ist, zu kennen.
  10. Ist guter Violinspieler.
  11. Ein gewandter Boxer und Fechter.
  12. Ein gründlicher Kenner der britischen Gesetze.

Außerdem lernen wir Leserinnen und Leser Sherlock Holmes‘ Straßenjungennetzwerk sowie die später regelmäßig auftauchenden Inspector Lestrade und Tobias Gregson kennen, denen der Mann aus der Baker Street — wie allen Ermittlern des Scotland Yard — ermittlungstechnisch und intellektuell selbstredend haushoch überlegen ist.

Das liest sich alles sehr kurzweilig und vergnüglich, der eigentliche Kriminalfall ist dagegen nicht ganz so aufregend. Zwei Tote Amerikaner gibt es, einer davon wurde vergiftet, was Holmes ebenso schnell herausfindet wie die Identität des Mörders. Die Vorgeschichte des Verbrechens führt über den Großen Teich nach Utah, das Land der Mormonen, und lässt sich kurz zusammengefasst als eine Mischung aus Beziehungsdrama und Rachewestern beschreiben. Gerade die Passagen, die in den USA spielen und einen nicht unerheblichen Teil des Romans ausmachen, sind leider ein wenig zäh ausgefallen, was „Eine Studie in Scharlachrot“ zu einem etwas zwiespältigen Lesespaß macht. Zum Kennenlernen der Charaktere und der Welt des Sherlock Holmes sicherlich okay, aber nicht das große Glanzstück der Reihe.

Dieser — und auch die noch folgenden Blog-Beiträge — beziehen sich auf die im Anaconda Verlag erschienene, dreibändige Gesamtausgabe. „Eine Studie in Scharlachrot“ wurde ins Deutsche übersetzt von Margarete Jacobi, eine Neuübersetzung des Romans erscheint im März 2016 bei S. Fischer.

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4 Kommentare zu „Sher-Blog (Folge 1)

  1. Tolle Idee, der Sher-Blog! Die Studie in Scharlachrot habe ich noch nicht gelesen. Aber vor kurzem ist mir meine Ausgabe des Hound of the Baskervilles wieder in die Hände gefallen und ich hab mir schon vorgenommen, die Geschichte demnächst wieder zu lesen. Sherlock geht eben immer bzw. immer wieder!
    Dir weiterhin viel Spaß bei deinen Sherlocktüren (auch ich kann lausigen Wortspielen nicht widerstehen… 😉 ). LG, Stefanie

    1. Mal sehen, wann es bei mir weitergeht mit der Sherlocktüre :-).

      Auf „Die Hunde von Baskerville“ freue ich mich aber schon jetzt — zumindest in meiner Erinnerung war das immer ein ganz besonders spannender und grusliger Fall…

      1. Ja, so geht es mir auch. Ich erinnere mich, dass ich beim ersten Mal richtig überrascht war, WIE gruselig die Geschichte ist!

  2. Ach ja, Sherlock Holmes. Ich habe gerade eine Kurzgeschichten-Sammlung gelesen und war angetan. Auch wenn das Englisch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Die Romane werde ich mir auch noch zu Gemüte führen.

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