Ian Fisher: Nero

Ian_FisherNicht zuletzt dank seiner Auftritte bei TV Noir und als Teil der „Tour of Tours“ hat sich der Songschreiber Ian Fisher in seiner deutschen Wahlheimat einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielt. Mit „Nero“ legt er nun ein hinreißend schönes Country-Album vor, das deutlich mehr nach seiner Heimat Missouri (wo er, wie es sich für einen Countrymusiker ja fast schon gehört, auf einer Farm aufgewachsen ist) denn nach seinem aktuellen Wohnsitz Berlin klingt.

Bereits der eröffnende Titelsong, ein ausladender Sechsminüter, der sich auch auf „Cold Roses“, dem grandiosen Country-Doppelalbum von Ryan Adams & The Cardinals, nicht hätte zu verstecken brauchen, setzt ein erstes großes Ausrufezeichen. Danach breitet Ian Fisher eine Sammlung äußerst facettenreicher Songs aus, die mal eher spärlich instrumentiert, mal von Piano, Fiedel und Lap Steel unterstützt werden und ganz oft vom einnehemden Backgroundgesang von Alexia Peniguel zusätzliche Tiefe bekommen. „Too Bad“ weckt mit seinem gesprochenen Intro und dem treibenden Bumm-Tschikka-Rhythmus Erinnerungen an Johnny Cash, „Invisible Cities“ ist eine schmachtende Ballade, „Again & Again“ und „Comin‘ Down“ sind etwas abgründiger ausgefallen, während sich das beschwingte „Almost Darlin'“ auch ganz gut in einer Trucker-Raststätte an irgendeinem Highway machen würde. Nachdenklich geht es schließlich im dunklen „Just Like a Stranger“ zu, in dem der Amerikaner sein bisheriges, trotz seines noch jungen Alters erstaunlich bewegtes Leben Revue passieren lässt.

Alles in allem eine wunderbar abwechslungsreiche und zeitlose, dabei aber keineswegs altmodische oder gar angestaubt wirkende Platte — „country music without a country“ eben, wie es Ian Fisher selbst nennt. Im Februar und März ist er ausgiebig auf Tournee, ein Konzertbesuch lohnt sich sicher.

Ian Fisher: Nero
Snowstar Records, erscheint am 29. Januar.

Konzerte: 13.2. München — Milla, 19.2. Freiburg — The Great Räng Teng Teng, 20.2. Darmstadt — Bedroomdisco, 23.2. Mainz — Schon schön, 24.2. Stuttgart — Café Galao, 26.2. Offenburg — Kulturbüro, 28.2. Leipzig — Cammerspiele, 2.3. Nürnberg — MUZclub, 3.3. Dresden — Beatpol, 4.3. Berlin — Postbahnhof, 5.3. Köln — Die Wohngemeinschaft, 7.3. Wuppertal — Hutmacher, 8.3. Haldern — Haldern Pop Bar, 9.3. Oberhausen — Druckluft, 10.3. Düsseldorf — Kassette, 11.3. Bielefeld — Falkendom, 12.3. Hamburg — kukuun.


Außerdem neu im Plattenladen:

Bonnie_Prince_BillyEs ist gar nicht so einfach, bei all den Neuveröffentlichungen, Nebenprojekten, neu eingespielten Versionen älterer Sachen und Kollaborationen Schritt zu halten mit dem immensen Output von Bonnie „Prince“ Billy. Für die Durchschnittshörerin und den Durchschnittshörer ist „Pond Scum“ sicherlich eher zu vernachlässigen, für den Fan ist die Platte, die ein Dutzend spärlich arrangierter Stücke aus drei Besuchen bei den legendären „Peel Sessions“ aus den Jahren 1994 bis 2002 vereinigt, dagegen ein echtes Schatzkästchen, allein wegen des bisher unveröffentlichten „Beezle“ und dem Prince-Cover „The Cross“. Ansonsten ist „Pond Scum“ vor allem ein spannendes Zeitdokument, das Will Oldham in verschiedenen Verfassungen zeigt: Mal wirkt er hoch konzentriert — nachzuhören etwa im wunderbaren „Jolly One (2/15)“ — mal eher fahrig, mit wegbrechender Stimme und einem ganz großen Schuss der Kauzigkeit, für die er zu Recht so verehrt wird.

Bonnie „Prince“ Billy: Pond Scum
Domino Records, erscheint am 22. Januar.

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