Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenschwur

WolfJedes Frühjahr erscheint ein neuer Fall für Ann Kathrin Klaasen, die ebenso scharfsinnige wie sympathische Hauptkommissarin aus dem ostfriesischen Städtchen Norden — danach kann man schon beinahe die Uhr stellen. Mit „Ostfriesenschwur“ feiert die immens erfolgreiche Krimireihe von Klaus-Peter Wolf ihr zehntes Jubiläum und für Nachschub ist auch schon gesorgt: Am Ende dieses Buches findet sich nämlich bereits eine Leseprobe zu „Ostfriesentod“, dem elften Band, der dann pünktlich im Februar 2017 in die Buchhandlungen kommen soll.

Wie das nun einmal so ist mit Reihen, die bereits eine ganze Weile mit großem Erfolg laufen, haben auch die Krimis von Klaus-Peter Wolf eine gewisse Eigendynamik entwickelt und ziehen ihren Charme zu einem nicht unerheblichen Teil aus stets wiederkehrenden Motiven, den über die Jahre gepflegten Eigenheiten der Figuren und diversen Insiderwitzen. Keine Sorge, „Ostfriesenschwur“ eignet sich auch problemlos für Neueinsteigerinnen und -einsteiger, Verständnisprobleme beim für sich alleine stehenden zehnten Fall gibt es keine. Allerdings dürften für die Neulinge einige Passagen des mehr als 500 Seiten langen Romans beinahe ein wenig zu ausschweifend ausgefallen sein, vor allem die einmal mehr slapstickhaften Auftritte des sehr überzeichneten, zwischen machohaftem Gehabe und schierer Begriffsstutzigkeit pendelnden Kommissars Rupert muss man nach wie vor nicht gut finden. Da aber auch diese Figur über die Zeit ihre Fangemeinde gefunden hat, muss ihr halt ebenso Platz eingeräumt werden wie ein paar Impressionen von den schönsten Nordseeinseln, dem Lob auf den ostfriesischen Tee und den Teambesprechungen im Gasthaus „Smutje“. Manchmal droht der eigentliche Fall darüber fast ein wenig in Vergessenheit zu geraten, aber letzten Endes gelingt es Klaus-Peter Wolf dann doch immer wieder, die Handlung voranzutreiben: Ubbo Heide, der mittlerweile pensionierte ehemalige Chef der ostfriesischen Kriminalpolizei und Ziehvater von Ann Kathrin Klaasen, ist inzwischen unter die Autoren gegangen und hat mit einem schonungslosen Rückblick auf die Misserfolge seiner an sich sehr erfolgreichen Kriminalisten-Laufbahn einen echten Bestseller gelandet und zahlreiche Bewunderer gefunden. Bei einem davon geht die Verehrung allerdings so weit, dass er Ubbo Heides ungelöste Fälle in Eigenregie neu aufrollt und die nicht überführten Mörder ihrer vermeintlich gerechten Strafe zuführt. Ein Paket mit einem abgetrennten Kopf auf dem Frühstückstisch des Ehepaars Heide ist der geschmacklose Auftakt zu einer ganzen Reihe von Racheakten…

Für die Fans von Ann Kathrin Klaasen und Co. ist dieser Jubiläumsband bestimmt wieder ein wahres Fest. Für alle anderen ist „Ostfriesenschwur“ immerhin ein sehr solider, kurzweiliger und rasant zu lesender Krimi, der in einer Zeit, in der immer mehr Bürger das Vertrauen in den Rechtsstaat zu verlieren drohen und darüber nachdenken, sich selbst zu „schützen“, den so genannten kleinen Waffenschein beantragen oder Bürgerwehren für eine gute Idee halten, zumindest in seinen Grundmotiven von bedrückender Aktualität ist.

Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenschwur
S. Fischer Verlag, ISBN 978-3-596-19727-9, 528 Seiten, € 9,99.

→ Klaus-Peter Wolf liest in den kommenden Monaten im ganzen Land aus seinem neuen Kriminalroman, unter anderem am 2. Mai in München (Hugendubel am Stachus, im Rahmen des Münchner Krimifestivals) und am 2. Juni in Dillingen (Buchhandlung Drachenwinkel).

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