Marcel Ruijters: Hieronymus Bosch

BoschSchon bei meiner ersten Begegnung mit Hieronymus Bosch im Kunstunterricht war ich begeistert von den farbenprächtigen, phantasievollen Gemälden des Mannes aus ’s-Hertogenbosch, dessen Todestag sich in diesem August zum 500. Mal jährt. Die beißende Kritik an der verrohten, bigotten Gesellschaft und dem Klerus des 15. und frühen 16. Jahrhunderts verstand ich damals natürlich noch nicht so recht, aber die Detailverliebtheit von Werken wie „Das Narrenschiff“, „Der Heuwagen“ oder „Der Garten der Lüste“ beeindruckte mich nachhaltig — besonders cool fand ich selbstverständlich die vielen gruseligen Monster.

Während das Noordbrabants Museum in ’s-Hertogenbosch und der Prado in Madrid dem berühmten Niederländer, der 1450 als jüngster Spross einer Malerfamilie als Jheronimus van Aken geboren wurde, im Jubiläumsjahr große Ausstellungen widmen, wirft Marcel Ruijters in seiner Graphic Novel einen Blick auf das Leben und Wirken des Meisters. In dem farbenfrohen Band lernen wir Hieronymus Bosch als einen genauen, aufmerksamen Beobachter kennen, dessen widersprüchliche Begegnungen mit Auftraggebern aus Adel und Geistlichkeit (einerseits sichern sie ihm und der Malerwerkstatt, die er mit seinen beiden Brüdern betreibt, das Auskommen, andererseits ist er oft abgestoßen von ihrem dünkelhaften Verhalten) ihn zu einem kritischen Geist erziehen und der auf den Straßen und Plätzen seiner Heimatstadt genug reale Vorbilder für seine Darstellungen der Hölle findet. So wird er zu einem über die Grenzen der Niederlande hinaus gefragten Künstler, doch die Missstände, mit denen er sich in seiner Arbeit täglich beschäftigt, machen ihn auch zu einem furchtsamen, getriebenen Mann.

Der 1966 geborene, vielfach ausgezeichnete Marcel Ruijters, der bereits Dantes „Inferno“ als Comic adaptiert hat, entwirft in seiner Graphic Novel nicht nur die Biographie eines Künstlers, von dessen Privatleben so gut wie nichts bekannt ist, sondern zeigt auch das harte, oft von Entbehrungen, Krankheit und Armut geprägte Leben in einer mittelalterlichen Stadt. Dass er sich bei seinen Darstellungen hinsichtlich Stilistik und Farbgebung an der Kunst dieser Zeit orientiert, macht „Hieronymus Bosch“ gleich noch ein wenig aufregender und lesenswerter.

Bosch

Marcel Ruijters: Hieronymus Bosch
Deutsch von Katrin Herzberg.
avant-verlag, ISBN 978-3-945034-36-1, 160 Seiten, € 24,95.

→ Die große Bosch-Ausstellung im Noordbrabants Museum in ’s-Hertogenbosch ist noch bis zum 8. Mai zu sehen, vom 31. Mai bis zum 11. September gastiert sie im Museo del Prado in Madrid. Für Daheimgebliebene empfiehlt sich eine interaktive Erkundungstour durch den „Garten der Lüste“.

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