Krimi: Helene Tursten — Jagdrevier

Jagdrevier

Mit ihrer erfolgreichen, zehn Bände umfassenden Reihe um die Göteborger Kommissarin Irene Huss hat sich Helene Tursten eine große Fangemeinde erschrieben, die dank der TV-Verfilmungen mit Angela Kovács noch deutlich weiter gewachsen sein dürfte.

Mit „Jagdrevier“, seit Anfang des Jahres auch in deutscher Übersetzung erhältlich, beginnt die Schwedin eine neue Krimireihe, in deren Mittelpunkt die 28 Jahre alte Polizistin Embla Nyström und ihre Kollegen von der Göteborger Sondereinheit MEB stehen — aufmerksame Tursten-Leserinnen und -Leser kennen die neue Ermittlerin sicher bereits aus ihrem Gastauftritt im Huss-Krimi „Das Brandhaus“. In ihren ersten Fall schlittert die Hobbyboxerin und Tochter eines Hippie-Paares eher durch Zufall. Als Gast ihres verwitweten Onkels Nisse, der in den Wäldern um Göteborg einen Bauernhof bewohnt, nimmt sie während ihres Urlaubs wie jeden Herbst an der Elchjagd teil. Normalerweise eine Routineangelegenheit ohne nennenswerte Vorfälle, doch diesmal ereignen sich bereits zu Beginn der Jagdwoche seltsame Dinge. Als dann auch noch ein Mitglied der Jagdgesellschaft tot aufgefunden wird und ein weiteres spurlos verschwindet, ist es mit der Ruhe endgültig vorbei — erst recht, als herauskommt, dass die beiden seit ihrer Jugend befreundeten, sehr einflussreichen Männer mit mysteriösen Postsendungen bedroht wurden und der tödliche Autounfall eines dritten Freundes im Vorjahr womöglich doch kein tragisches Unglück war. Der Täterkreis scheint angesichts der nur gut ein Dutzend Personen umfassenden Jagdgesellschaft überschaubar, wobei vor allem der etwas mysteriöse Neuling Peter Hanssen, in den sich Embla Nyström dummerweise sofort verguckt hat, Verdacht erregt.

Helene Tursten ist mit „Jagdrevier“ ein solider, wenn auch nicht überragender Auftakt zu ihrer neuen Reihe gelungen: Die herbstlichen Wälder Schwedens bilden einen Handlungsort mit viel Atmosphäre und die überschaubare Zahl an möglichen Verdächtigen auf recht eng begrenztem Raum bietet die besten Voraussetzungen für ein Kammerspiel mit immer neuen Wendungen und überraschendem Ausgang. Leider steuert der Roman — mit etwas mehr als 250 Seiten eine erfreulich kompakte und schnell zu lesende Abwechslung zu all den Krimi-Wälzern mit 500 und mehr Seiten — nach seinem ruhigen und vielversprechenden Einstieg auf ein doch ziemlich vorhersehbares und letztlich recht banales Ende zu. Die Protagonistin Embla Nyström selbst bleibt ebenfalls ein wenig blass, die kurzen Rückblenden in ihre bewegte Vergangenheit lassen aber auf eine spannende Entwicklung in den nächsten Fällen hoffen. Auch ihre beiden Kollegen, der väterlich-gemütliche Göran Krantz und der leicht überforderte junge Familienvater Hampus Stahre, sind durchaus Figuren, von denen man gerne mehr lesen möchte. So sieht man dem Nachfolger trotz der etwas zwiespältigen Gefühle nach der Lektüre von „Jagdrevier“ dennoch mit Vorfreude entgegen — bei ihrem nächsten Auftritt sollte sich Embla Nyström dann aber schon ein wenig steigern.


Helene Tursten: Jagdrevier // Deutsch von Lotta Rüegger und Holger Wolandt, btb Verlag, ISBN 978-3-442-71313-4, 256 Seiten, € 12,99.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s