Filmtipp: „Liberal Arts“

Die Fußball-EM ist vorbei und für die nächsten Tage ist ein Wetter vorhergesagt, das nicht unbedingt zum Biergartenbesuch oder zum endlosen Sitzen auf dem heimischen Balkon bzw. im Garten einlädt. Ideal also, um wieder einmal einen Film anzuschauen.

Liberal ArtsEher durch Zufall bin ich über „Liberal Arts“ (2012), die zweite Regiearbeit des vor allem durch seine Rolle als Ted Mosby in der Erfolgs-Sitcom „How I Met Your Mother“ bekannten Josh Radnor, gestolpert, und war sehr positiv überrascht von der liebenswert erzählten, ebenso berührenden wie klugen Tragikomödie, die trotz ihrer prominenten Besetzung (unter anderem sind Elizabeth Olsen, Richard Jenkins, Elizabeth Reaser und Zac Efron in weiteren Rollen zu sehen) leider nicht allzu viel Beachtung fand und es hierzulande seinerzeit nicht einmal in die Kinos schaffte. Josh Radnor selbst spielt darin den Mittdreißiger Jesse, der an der Zulassungsstelle eines New Yorker Colleges ein sicheres Auskommen hat, aber trotz allem noch nicht so recht im Erwachsenenleben angekommen ist. Am liebsten verbringt er seine Zeit in Buchläden oder trauert den Chancen hinterher, die sich ihm nach dem Uni-Abschluss boten und die er allesamt verpasst hat. Als er zur Verabschiedungsfeier seines ehemaligen Professors Peter Hoberg (Richard Jenkins) an seinen alten Campus zurückkehrt, sind die vergangenen Zeiten auf einmal noch präsenter als ohnehin schon. Ausgerechnet der 16 Jahre jüngeren Studentin Zibby (Elizabeth Olsen) gelingt es, dass Jesse seinen Blick nicht mehr nur auf die Vergangenheit richtet, sondern auch etwas mehr in der Gegenwart ankommt.

Fürchterlich originell mag die Handlung von „Liberal Arts“ zwar nicht unbedingt sein, zumal es ja Dutzende mehr oder weniger gelungene Streifen nach einem ähnlichen Strickmuster gibt und es gerade in Independent-Komödien geradezu zu wimmeln scheint vor etwas verwirrten und linkischen, meist gar nicht mehr ganz so jungen Männern (und gelegentlich auch Frauen), die mit ihrem Leben hadern. So sind es eher die Details, die Josh Radnors bis in die Nebenrollen exzellent besetzten Film positiv von der Masse abheben: Die Hauptfiguren treffen sich gerne in Buchläden und kleinen Coffeeshops, haben ein Faible für handgeschriebene Briefe, diskutieren mit viel Inbrunst, aber wenig Fachwissen über klassische Musik und wirken allesamt so sympathisch, dass man am liebsten selbst mit ihnen befreundet wäre. Wer genau hinschaut, entdeckt zudem jede Menge popkulturelle Anspielungen, nicht zuletzt auf Josh Radnors Paraderolle des Ted Mosby — eigentlich hätte sich das Ende von „Liberal Arts“ auch wunderbar (oder sogar noch besser) als Schlusspunkt für „How I Met Your Mother“ angeboten…

Den wohl schönsten Dialog des Films liefert sich Jesse mit der Buchhändlerin Ana (Elizabeth Reaser):

Ana: „I just started to feel like reading about life was taking time away from actually living life, so I’m trying to accept invitations to things, say ‚hi‘ to the world a little more.“
Jesse: „That sounds scary. It’s going well?“
Ana: „It’s…okay. I keep thinking I’d be so much happier in bed with a book, and that makes me feel not super cool. I still read tons. I just feel like I’m more aware of a book’s limitations. Does that make sense?“
Jesse: „Yeah, totally.“

Advertisements

3 Kommentare zu „Filmtipp: „Liberal Arts“

    1. Gerne doch!

      Ich finde es wirklich sehr schade, dass der Film scheinbar fast komplett durchs Raster gefallen ist — aber Streifen, die keine Fortsetzungen sind und noch nicht einmal auf Superheldencomics basieren, haben es leider offenbar immer schwerer.

      1. Ja, da ist was dran :/ Ich finde es auch immer sehr schade, wenn gute Filme gar keine Chance bekommen.
        Aber ich werde bei Gelegenheit mal schauen,wie ich an Liberal Arts komme 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s