Miroslav Nemec: Die Toten von der Falkneralm

Die Toten von der Falkneralm von Miroslav Nemec
Bild: Knaus Verlag

Manche Schauspieler verschmelzen über die Jahre so eng mit einer Rolle, dass man irgendwann gar nicht mehr weiß, wo die Privatperson aufhört und die fiktive Figur beginnt. Ein gutes Beispiel ist da wohl Miroslav Nemec, der seit einem Vierteljahrhundert den Kommissar Ivo Batic im Münchner „Tatort“ gibt und gar nicht mehr so recht zu trennen ist von seinem Alter Ego oder seinem langjährigen Serienpartner Udo Wachtveitl alias Franz Leitmayr, dem er über die Jahre auch optisch immer ähnlicher geworden ist. So gesehen ist es nur konsequent, dass Miroslav Nemec für seinen ersten Kriminalroman „Die Toten von der Falkneralm“ gar keinen neuen Protagonisten ersonnen hat, sondern einfach die Figur in einen Kriminalfall stolpern lässt, die ohnehin allen bereits hinlänglich vertaut ist, nämlich sich selbst.

Als prominenter Gast eines „Mörderischen Wochenendes“ in einem Berghotel in Berchtesgaden soll die Romanfigur Miroslav Nemec, die dem „echten“ Miroslav Nemec natürlich sehr ähnlich ist, aus einem Krimi von Henning Mankell lesen und außerdem bei einem Kamingespräch ein wenig aus dem Nähkästchen eines berühmten TV-Kommissars plaudern. Dummerweise verhindert ein aufziehender Sturm, dass alle angemeldeten Gäste pünktlich zum nur per Seilbahn zu erreichenden Hotel anreisen können, weshalb sich am Vorabend der Veranstaltung nur ein kleines Grüppchen eingefunden hat, aus dessen Mitte ein Herr bald tot im hoteleigenen Swimmingpool treibt. Ein tragischer Unfall, wie es zunächst aussieht — als sich aber kurz darauf ein zweiter und ein dritter Todesfall ereignen, steht fest, dass es jemand mit dem „mörderischen Wochenende“ wohl etwas zu genau genommen hat.

Eine fiktive Krimihandlung, vermischt mit etwas Schwank aus dem eigenen Leben als bekannter Schauspieler und „Tatort“-Kommissar — mit seinem Romandebüt wagt sich Miroslav Nemec zugegebenermaßen auf recht dünnes Eis, zumal bei so einer Mixtur durchaus die Gefahr besteht, dass am Ende nichts Ganzes und nichts Halbes herauskommt. Umso erfreulicher ist es da, dass „Die Toten von der Falkneralm“ tatsächlich ein natürlich in erster Linie für Freundinnen und Freunde der Münchner „Tatort“-Episoden unterhaltsames und lesenswertes Buch geworden ist. Der Kriminalfall an sich ist zwar weder schrecklich originell noch fürchterlich spannend, insgesamt aber völlig in Ordnung, da er sich mit Agatha Christie und Patricia Highsmith immerhin an Vorbildern orientiert, mit denen man so gut wie nichts verkehrt machen kann. Der große Pluspunkt des Romans ist sowieso der Tonfall, in dem er geschrieben ist. Der sympathische Plauderton und die große Portion Selbstironie, mit denen Miroslav Nemec die Geschichte erzählt und dabei immer wieder Anekdoten aus seinem wirklichen Leben einstreut — die Verwechslungsgefahr mit dem Kollegen Udo Wachtveitl und der TV-Figur Ivo Batic inklusive — macht viel Spaß und lässt locker darüber hinwegsehen, dass „Die Toten von der Falkneralm“ keine neuen Maßstäbe im Krimi-Genre setzt.

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Miroslav Nemec: „Die Toten von der Falkneralm“. Knaus Verlag; ISBN 978-3-8135-0702-7; 256 Seiten; 19,99 Euro.

Im Rahmen des Münchner Krimifestivals stellt Miroslav Nemec seinen Roman am Samstag, 10. September, im Circus Krone vor. Weitere Lesungen folgen im Lauf des Herbstes — die Termine finden sich hier.

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