kuerbis

Vermutlich dachte Anne Shirley, die Hauptfigur aus Lucy Maud Montgomerys vor allem im englischsprachigen Raum äußerst beliebter Kinderbuchreihe, bei ihrer Liebeserklärung an den Oktober an die paar wenigen sonnigen Tage, an denen alles in ein wunderbares Licht und satte Farben getaucht ist, das Laub beim Spaziergang durch den Wald oder Park so schön raschelt und es sich beim Kaffeetrinken und Zeitunglesen in der Nachmittagssonne fast noch ein wenig sommerlich anfühlt, ehe beim Heimkommen in den schon kühleren Abendstunden eine wärmende Kürbissuppe wartet.

Dass die Realität meistens ganz anders aussieht, weiß jeder, der schon morgens auf der Fahrt mit dem Rad zur Arbeit frierend feststellen muss, dass Handschuhe eine gute Idee gewesen wären, als Brillenträger mit ewig beschlagenen Gläsern oder hartnäckigem Nieselregen zu kämpfen hat und der beim Heimkommen in der Dunkelheit nicht von einer warmen Suppe, sondern von einer kalten Wohnung erwartet wird. Aber auch diesen schmuddeligen Tagen lässt sich ja durchaus etwas Positives abgewinnen: Wenn die Abende länger werden und man beim besten Willen keine Lust hat, sich länger als nötig im Freien aufzuhalten, bleibt schließlich wieder genug Zeit für Bücher, Serien und Filme (*) — und das ist doch auch gar nicht so schlecht.

In diesem Sinne: Ein geruhsames Herbstwochenende!


(*) Für alle, die ein paar Heimkino-Empfehlungen wünschen, hier noch zwei Tipps:
1) The Casual Vacancy — Ein plötzlicher Todesfall (2015); In der britischen Mini-Serie (drei Folgen á jeweils knapp 60 Minuten) nach J.K. Rowlings gleichnamigem Roman — dem ersten unter ihrem eigenen Namen, in dem es nicht um Harry Potter geht — löst der überraschende Tod des jungen Gemeinderatsmitglieds Barry Fairbrother in der Kleinstadt Pagford ein wahres Erdbeben aus. Beim Ringen um die Neubesetzung des freien Postens stellt sich nämlich schnell heraus, dass es in dem Städtchen längst nicht so idyllisch zugeht, wie es den Anschein macht und dass selbst die angesehensten Gemeindemitglieder ihre Leichen im Keller haben. Manchmal ein wenig überdreht inszeniert, aber dank des überzeugenden Ensembles und der feinen Balance zwischen Ernsthaftigkeit und britischem Humor durchaus sehenswert.
2) Monuments Men (2014); Der fünfte Spielfilm unter der Regie von George Clooney handelt von einer alliierten Sondereiheit, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von den Nazis geraubte Kunstwerke aufspürt. So heiter der Streifen — nicht zuletzt dank Bill Murray und John Goodman — stellenweise auch sein mag, so ernst sind die Fragen, die er aufwirft: Gibt es Kunstwerke, die von so unschätzbarem Wert sind, dass man für ihren Schutz Menschenleben riskieren darf? Was bleibt von einer Gesellschaft, wenn man sie ihrer Vergangenheit und ihrer Kultur beraubt? Ein toller Film und eine lohnende Ergänzung zu Anthony Doerrs Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“, der größtenteils zur gleichen Zeit spielt und sich einer ganz ähnlichen Thematik widmet.

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