Harald Martenstein: Im Kino

martensteinDas Kino, so lernen wir ganz zu Beginn dieses Sammelbandes, war Harald Martensteins erste Liebe. Einerseits, weil er seine Laufbahn als Schreibender unter anderem mit dem Verfassen von Filmkritiken für ein kleines Lokalblatt begann, andererseits aber auch aus ganz pragmatischen Gründen:

Ein langweiliger oder schlecht gemachter Film ist besser auszuhalten als schlechtes Theater oder schlechte Literatur. Ich mochte das Kino auch als Ort, weil ich schüchtern war und es mir gefiel, im Dunkeln zu sitzen und anderen Leuten zuzusehen.

Später widmete sich Harald Martenstein dem Thema Film in erster Linie in seiner Berlinale-Kolumne für den „Tagesspiegel“ — ausgewählte und teilweise leicht veränderte Texte aus den letzten gut 20 Jahren liegen nun in gebündelter Form in „Im Kino“ vor, dessen Erscheinungstermin praktischerweise so gewählt wurde, dass man sich mit dem Büchlein gleich auf die am 9. Februar mit dem Film „Django“ von Etienne Comar beginnende 67. Auflage des Berliner Filmfestivals einstimmen kann. An sich hätte diese kurzweilig und unterhaltsam wegzulesende Kolumnensammlung auch gut und gerne „Auf der Berlinale“ getauft werden können, drehen sich die Texte doch mindestens genauso stark um das Festival und das ganze Drumherum wie um Filme und das Kino an sich. Das ist natürlich auf der einen Seite nachvollziehbar, auf der anderen Seite aber auch ein wenig schade, weil dadurch einige der Kolumnen gerade für die Leserinnen und Leser, die die Berlinale während der vergangenen beiden Jahrzehnte nicht ganz so aufmerksam verfolgt haben, unter Umständen ein wenig angestaubt und reizlos wirken dürften. Außerdem sind gerade die Texte, in denen sich Harald Martenstein Gedanken um das Kino an sich macht oder ganz bestimmte Filme empfiehlt bzw. von ihnen abrät, die gelungensten dieses Buches.

Als Filmkritiker bewegt sich der Autor nämlich auf Augenhöhe mit seiner nicht unbedingt aus allwissenden Cineasten bestehenden Leserschaft und legt auch gerne Streifen ans Herz, die manch ein Vertreter der Kritiker-Kaste als zu „gefällig“ oder gar „mainstreamig“ abtun würde. So hat man dank dieser unprätentiösen Empfehlungen am Ende der Lektüre von „Im Kino“ eine kleine Liste von Filmen zusammen, die man unbedingt so bald wie möglich auch einmal sehen möchte. Die Neugierde wecken auf Filme und aufs Kino — mehr kann ein Buch wie dieses eigentlich gar nicht leisten.


Harald Martenstein: Im Kino. C. Bertelsmann Verlag; ISBN: 978-3-570-10278-7; 208 Seiten; 16,99 Euro.

Lesungen im Februar und März:
♦ 2. Februar — Berlin, Hotel Morgenland
♦ 21. Februar — München, Literaturhaus
♦ 7. März — Kirchheim, Buchhaus Zimmermann
♦ 8. März — Wolfratshausen, Buchhandlung Rupprecht
♦ 9. März — Eichstätt, Buchhandlung Rupprecht
♦ 10. März — Bad Mergentheim, Buchhandlung Rupprecht
♦ 14. März — Bad Vilbel, Stadtbibliothek
♦ 15. März — Bonn, Thalia
♦ 16. März — Essen, Medienforum des Bistums Essen
♦ 17. März — Koblenz, Deinhard’s
♦ 26. März — Berlin, Kabarett-Theater Distel (Sonntag-Talk „Missverstehen Sie mich richtig!“ mit Gregor Gysi)
♦ 28. März — Berlin, Verlagshaus „Der Tagesspiegel“

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