Fabio Paretta: Die Kraft des Bösen

Die Kraft des Boesen von Fabio ParettaDank Elena Ferrante ist Neapel momentan mit einem dicken Kreuz auf der literarischen Landkarte vermerkt. Auch in „Die Kraft des Bösen“, dem aktuellen Kriminalroman eines unter dem Pseudonym (eine weitere Parallele zu Ferrante) Fabio Paretta schreibenden deutschen Autors mit Wahlheimat Italien, spielt die Hauptstadt der Region Kampanien eine tragende Rolle. Eigentliche Hauptfigur der Geschichte ist zwar der mitten in einer ernsthaften Ehekrise steckende Commissario Franco de Santis, Leiter der Mordkommission IV, aber Neapel mit all seinen Gegensätzen, Widersprüchen und Eigenheiten gibt unzweifelhaft den Ton des Buches vor. Gekonnt zeichnet Paretta in der schwülen Hitze des neapolitanischen Sommers das oft triste Bild einer Stadt, die hin- und hergerissen ist zwischen bezaubernder Schönheit und großem Traditionsbewusstsein (natürlich samt der Erinnerung an die glorreichen Zeiten, in denen der große Diego Maradona beim SSC Neapel glänzte) auf der einen und wirtschaftlichem Niedergang sowie der Gewaltherrschaft der Camorra auf der anderen Seite. Vetternwirtschaft und Verstrickungen zwischen Amtsträgern und dem organisierten Verbrechen sind an der Tagesordung. Selbst de Santis ältester Freund Bruno arbeitet für einen der mächtigen Mafia-Clans (worin genau der Job besteht, fragt der Kommissar lieber nicht) und gerade in den tristen Hochhaussiedlungen am Stadtrand gilt die Omertà mehr als das Vertrauen in Polizei und Rechtsstaat.

In einer dieser grauen Trabantenstädte wird Don Sebastiano, ein engagierter Gemeindepfarrer, erhängt im Glockenturm seiner Kirche gefunden. Auf den ersten Blick deutet alles auf einen Suizid hin, doch kleine Unstimmigkeiten wie der allzu sorgsam platzierte Abschiedsbrief lassen de Santis und seine Kollegen am Freitod des Seelsorgers zweifeln. Hat sich Don Sebastiano mit der Camorra angelegt oder hängt das überstürzte Verschwinden seiner Haushälterin Natascha, zu der er angeblich ein intimes Verhältnis pflegte, mit dem gewaltsamen Tod zusammen?

Wie bereits erwähnt, ist es vor allem Neapel als Kulisse zu verdanken, dass „Die Kraft des Bösen“ ein lesenswerter und erfreulicherweise nicht übertrieben gewalttätiger Krimi ist. Allerdings sind auch die Story, die einige doch halbwegs überraschende Wendungen nimmt und nur gegen Ende ein klein wenig unübersichtlich zu werden droht, sowie die sympathisch gezeichneten Mitglieder des Ermittlerteams, durchaus gelungen. „Franco de Santis erster Fall“ verspricht das Buchcover, was auf eine Fortsetzung der Reihe hindeutet — dagegen wäre nichts einzuwenden.


Fabio Paretta: Die Kraft des Bösen. Penguin Verlag; ISBN: 978-3-328-10050-8; 416 Seiten; 10 Euro.

Advertisements

2 Kommentare zu “Fabio Paretta: Die Kraft des Bösen

  1. Halloechen,
    ich lese es momentan und bin sehr begeistert. Einer Fortsetzung wäre ich zum jetzigen Zeitpunkt (ca. 80 Seiten liegen noch vor mir) auch nicht abgeneigt.:-)
    Viele Grüße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s