Veit Bronnenmeyer: Tod Steine Scherben

Erfolg ist manchmal ein zweischneidiges Schwert. Findet zum Beispiel eine Krimireihe ein halbwegs ansehnliches Publikum, führt das nicht selten dazu, dass die Verfasserin oder der Verfasser — sicher auch auf den sanften Druck eines Verlages — künftig im Jahresrhythmus einen neuen Band der Reihe auf den Markt wirft. Die Kasse klingelt, die eingefleischten Fans sind begeistert, aber meist geht die Quantität zu Lasten der Qualität. Die erhöhte Schlagzahl hat eben oftmals fast zwangsläufig die Folge, dass Geschichten nur noch nach Schema F am Fließband produziert werden und sich Figuren kaum mehr weiterentwickeln dürfen, sondern mehr und mehr zu Abziehbildern verkommen. Diesen Weg wollte Veit Bronnenmeyer mit den Kriminalromanen um seine beiden Nürnberger Ermittler Renan Müller und Alfred Albach nicht gehen und gönnte ihnen zwischen „Gesünder sterben“  und dem aktuellen, fünften Fall „Tod Steine Scherben“  eine mehr als vier Jahre dauernde Pause, die er im Nachwort zum Buch allerdings nur teilweise dem Missverhältnis von Quantität und Qualität zuschreibt:

Aber es ist tatsächlich so, dass sich meine Bücher überwiegend selbst schreiben und ich als Medium nur geringen Einfluss auf die zeitliche Entwicklung nehmen kann. Dazu kommt, dass die anhaltende „Inflation“ von regionalen Kriminalromanen mich eher defensiv als offensiv macht.

DSC_0250Ohne an dieser Stelle viel über die Handlung von „Tod Steine Scherben“  verraten zu wollen, darf festgehalten werden, dass sich die längere Pause durchaus bezahlt gemacht hat. Bedienen allzu viele Regionalkrimis nämlich nur althergebrachte Klischees (zum Beispiel die des Franken als maulfaulem Miesepeter, der höchstens dann halbwegs zufrieden ist, wenn er vor seinem Seidla sitzt), kommt Veit Bronnenmeyer zum Glück ohne Folklore aus. Der regionale Bezug erschließt sich demnach in seinem vollen Umfang auch nur den ortskundigen Leserinnen und Lesern. Welcher Stadtteil im Nürnberger Westen Pate stand für das fiktive Konradshof, wo die Leiche eines gegen die zunehmende Gentrifizierung des Viertels kämpfenden Aktivisten in einem ausgebrannten Auto gefunden wird, dürfte schnell klar sein und überhaupt ploppen beim Lesen immer wieder Bilder real existierender Orte und Erinnerungen an Zeitungsberichte zu Ereignissen der letzten Jahre in besagtem Stadtteil auf. So ist „Tod Steine Scherben“  ein Regionalkrimi, wie er im besten Fall sein sollte: Klischeefrei, verwurzelt in der Gegend, in der er spielt und gleichzeitig interessant genug, um auch Ortsfremden ein paar spannungsreiche Lesestunden zu bereiten.


Veit Bronnenmeyer: Tod Steine Scherben. Albach und Müller: Der fünfte Fall. ars vivendi Verlag; ISBN: 978-3-86913-727-8; 291 Seiten; 14 Euro.

Mit einem Kurzkrimi ist Veit Bronnenmeyer außerdem in der Ende April ebenfalls bei ars vivendi erscheinenden Anthologie „Das Gewissen ist ein ewig Ding. 13 Kirchenkrimis aus Franken“  vertreten. Die Geschichten aus dem Sammelband, zu dem unter anderem auch Tessa Korber, Sigrun Arenz, Tommie Goerz, Elmar Tannert und Theobald Fuchs beisteuerten, stehen im Mai im Zentrum des an verschiedenen Orten im Landkreis Fürth stattfindenden Kirchenkrimi-Festivals (die dem 500. Jubiläum der Reformation angepasste Nachfolgeveranstaltung des im letzten Jahr äußerst erfolgreichen Bierkrimi-Festivals — wobei Martin Luther gegen Bier ja auch nichts einzuwenden hatte).

Termine Kirchenkrimi-Festival:
7. Mai — Obermichelbach, Hl. Geist Kirche (mit Sigrun Arenz und Killen McNeill)
10. Mai — Seukendorf, St. Katharina (mit Thomas Kastura und Susanne Reiche)
12. Mai — Cadolzburg-Zautendorf, St. Johannes (mit Johannes Wilkes und Tessa Korber)
19. Mai — Wilhermsdorf, Spitalkirche (mit Tommie Goerz und Theobald Fuchs)
20. Mai — Roßtal, St. Laurentius (mit Petra Nacke und Veit Bronnenmeyer)

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