Paula Hawkins: Into the Water

Mit dem inzwischen verfilmten „Girl on the Train“  ist der britischen Autorin Paula Hawkins vor gut zwei Jahren ein internationaler Beststeller gelungen und wie bei vielen Bands, die sich nach einem erfolgreichen Debüt mit dem viel zitierten „schwierigen zweiten Album“  herumplagen, stellt sich auch hier die Frage, wie so ein großer Wurf denn noch zu toppen sein könnte. Immerhin soll einerseits die Erwartungshaltung der begeisterten Leserinnen und Leser des ersten Buches nicht enttäuscht oder durch etwas völlig Neues irritiert werden, andererseits soll das Zweitwerk aber eben auch kein lauwarmer Aufguss des Vorgängers sein.DSC_0089
Mit  „Into the Water“  (das in nicht allzu ferner Zukunft ebenfalls verfilmt werden wird) ist Paula Hawkins der Spagat zwischen Bewährtem und Neuem recht ordentlich geglückt. Ganz ähnlich wie in  „Girl on the Train“  lässt die Autorin die Handlung auch diesmal wieder von unterschiedlichen, mehr oder weniger zuverlässigen Stimmen erzählen, so dass sich beim Lesen erst nach und nach ein schlüssiges Gesamtbild ergibt. Allerdings ist das Tableau der erzählenden Figuren diesmal deutlich erweitert und umfasst ein gutes Dutzend Personen, was gerade zu Beginn nicht gerade der Übersichtlichkeit dient. Mit zunehmender Dauer findet man sich zwar ganz gut zurecht, aber nach längeren Lesepausen muss man sich schon immer wieder überlegen, welche Person denn nun welche Rolle in den Geschehnissen einnimmt. Die größere Anzahl der Charaktere, die im Vergleich zu den leicht holzschnittartigen Figuren des Vorgängers etwas vielschichtiger gezeichnet sind, hat aber auch ihre Vorteile, wird doch die Spannung durch die vielen Szenen- und Perspektivwechsel bis zum Schluss beibehalten.

Auch die gesamte Handlung ist in  „Into the Water“  etwas opulenter als im recht überschaubaren  „Girl on the Train“. Im Zentrum stehen die ungeklärten Todesfälle der alleinerziehenden Fotografin und Autorin Nel Abbott und der jungen Katie Whittaker (die beste Freundin von Nels fünfzehnjähriger Tochter Lena), die kurz hintereinander im  Drowning Pool, einer Untiefe im Fluss des nordenglischen Örtchens Beckford, in dem im Laufe der Jahrhunderte viele Frauen mehr oder weniger freiwillig ihr Leben gelassen haben, ertrunken sind. Nel hat sich mit ihren hartnäckigen Recherchen zu einem Bildband des mythenumrankten Ortes unter der Dorfbevölkerung nicht nur Freunde gemacht und auch Katie trug ein unangenehmes Geheimnis mit sich herum. Mehr soll von der Handlung an dieser Stelle nicht verraten werden, aber wie schon bei der Fülle der erzählenden Figuren hat auch die mit einem leichten Mystery-Touch versehene und aus vielen Strängen bestehende Geschichte ihre Vor- und Nachteile. Einmal mehr trägt die größere Bandbreite an möglichen Auflösungen zur Spannung bei der Lektüre bei, aber andererseits verheddern sich die vielen losen Fäden ganz gerne einmal ineinander. Ein wenig mehr Geradlinigkeit hätte der Geschichte jedenfalls an manchen Stellen nicht geschadet.

Trotz der vorhandenen Schwächen ist  „Into the Water“  ein kurzweiliger und spannender Thriller. Dass ein Buch beim Lesen „einen Sog entwickelt, dem man sich nur schwer entziehen kann“,  mag in Rezensionen eine mittlerweile arg abgedroschene Floskel sein, aber angesichts der Thematik dieses Romans ist sie durchaus zutreffend.


Paula Hawkins: Into the Water. Traue keinem. Auch nicht dir selbst. Deutsch von Christoph Göhler. Blanvalet Verlag; ISBN: 978-3-7645-0523-3; 480 Seiten; 14,99 Euro.

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Ein Kommentar zu „Paula Hawkins: Into the Water

  1. Habe heute „Girl on the train“ beendet und bin begeistert. Hätte ich nicht einen Stapel ungelesener Bücher hier liegen, würde ich mir „Into the water“ sofort zulegen. So liegt es jetzt erstmal auf meiner Wunschliste.😊
    Viele Grüße

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