Ein Buch, 300 Wörter: Wolf Haas — Junger Mann

Haas

Für einen 13-jährigen Jungen ist das Leben eh immer eine Zumutung. Wenn er außerdem pummelig ist, einen unmöglichen Haarschnitt hat und bei seinem Nebenjob an der Tankstelle von den Kunden als „Fräulein“ angesprochen wird, erschwert das die Situation zusätzlich. Und wenn er sich dann auch noch in eine deutlich ältere (also knapp 20 Jahre alte) Frau verguckt, die ausgerechnet mit dem Tscho verheiratet ist, dem größten Stenz des Ortes, dessen „Oberlippe allein sich wortlos erkundigte, ob man eine Watschn möchte“, ist das Fiasko komplett.

Obwohl die Aussichten, bei seinem Schwarm Elsa zu landen, für den Protagonisten von Wolf Haas‘ autobiographisch geprägtem, im Sommer 1973 spielenden Roman „Junger Mann“ also denkbar schlecht sind, lässt er nicht locker und fasst einen kühnen Entschluss: Während der Sommerferien will er etliche Kilo und seine Unschuld verlieren. Die Kilo mit einer dubiosen TV-Abmagerungskur, die Unschuld natürlich an die Elsa, in deren Nähe er immer auftaucht, wenn der Tscho gerade mit seinem LKW nach Teheran oder sonstwohin unterwegs ist. Dummerweise ist Elsa weniger an Zärtlichkeiten interessiert als daran, dass ihr der Erzähler Englisch beibringt.

Als Tscho ihm dann schließlich in der letzten Ferienwoche das Angebot macht, ihn als Übersetzer in einer „Zollangelegenheit“ auf eine Fahrt nach Griechenland zu begleiten, ist sich nicht nur die hysterische Mutter des Protagonisten sicher, dass es sich um eine Reise ohne Wiederkehr handelt, sondern auch er selbst. Auf das Angebot geht er natürlich trotzdem ein. Immerhin hat er sonst sowieso nichts zu tun und die Antwort auf die Frage, wo, wann und wie der Tscho seinen Nebenbuhler beseitigen möchte, interessiert ihn brennend.

Ob es tatsächlich Tote gibt oder ob sogar doch noch jemand seine Unschuld verliert, muss die Leserin oder der Leser selbst herausfinden. Bis zum Ende dranzubleiben, fällt bei diesem kurzweiligen, humorvollen Roadnovel mit viel Schmäh ja auch nicht schwer…

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