Ein Buch, 300 Wörter: David Nicholls — Sweet Sorrow

David_Nicholls

Bitte nicht vom Glitzercover und dem schmalzigen Untertitel „Weil die erste Liebe unvergesslich ist“ abschrecken lassen: „Sweet Sorrow“, der mittlerweile fünfte Roman des britischen Bestseller-Autors David Nicholls, ist kein Kitsch, sondern eine bittersüße, witzige und kluge Coming-of-Age-Geschichte.

Im Mittelpunkt steht der 16 Jahre alte, schwer vom Leben gebeutelte Schluffi Charlie, der sich im Sommer 1997 in die coole Fran verguckt und sich plötzlich wider Willen als Ensemblemitglied einer Amateurtheaterinszenierung von Shakespeares „Romeo und Julia“ wiederfindet.

So charmant die eigentliche Handlung auch sein mag, liegt die wahre Meisterschaft von David Nicholls darin, dass er in seinem Buch ein Gefühl heraufbeschwört, das wir vermutlich alle aus unserer Jugend kennen. Es geht – siehe oben – natürlich um die erste Liebe, aber vor allem um diesen einen, schier endlos anmutenden Sommer, in dem auf einmal alles anders ist und alles möglich scheint. Aller Euphorie zum Trotz steht aber auch in diesem Sommer die Zeit nicht still (im Roman markiert der Unfalltod Prinzessin Dianas den Endpunkt) und schon bald macht sich nicht nur der nahende Herbst – erst nur mit kleinsten Veränderungen, dann aber mit aller Kraft – bemerkbar, sondern auch all die Zukunftssorgen und die bange Frage: „Was, wenn es nie besser wird als das hier?“

Ähnlich wie mit dem Sommer verhält es sich letztlich auch mit diesem an popkulturellen Anspielungen reichen Roman: Man eilt in einem Hochgefühl durch die 500 Seiten und möchte, dass die Geschichte niemals aufhört oder zumindest ein zauberhaftes Ende nimmt, sieht aber schon die dunklen Gewitterwolken am Horizont aufziehen. Einen versöhnlichen Schluss hat sich David Nicholls aber dennoch einfallen lassen, so dass man „Sweet Sorrow“ zwar mit etwas Wehmut, aber einem guten Gefühl aus der Hand legt.

Und danach? Geht man zum Plattenschrank und kramt die alten Sachen von früher heraus – am besten natürlich „His ’n‘ Hers“ von Pulp mit dem überragenden „David’s Last Summer“.

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