Mit Adele Brand bei den Füchsen

brown and white fox on green grass land

Bereits als Kind entdeckte Adele Brand ihre Leidenschaft für Füchse und hielt ihre Beobachtungen in einem Tagebuch fest. Später leitete die britische Ökologin Forschungsprojekte in verschieden Ländern, zog verwaiste Fuchswelpen groß und kümmerte sich um verletzte Exemplare. Klar, dass man sich von solch einer Expertin nur allzu gerne mitnehmen lässt zu „unseren wilden Nachbarn“, wie es im Untertitel des von Beate Schäfer ins Deutsche übersetzten Buches „Füchse“ so treffend heißt.

Wie viele Wissenschaftler*innen gerade aus dem angloamerikanischen Raum beherrscht es auch Adele Brand äußerst gekonnt, Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse auch für Laien verständlich darzustellen und nicht zuletzt mithilfe persönlicher Anekdoten sowie einer leichtgängigen Sprache für eine ebenso kurzweilige wie lehrreiche Lektüre zu sorgen. Der zentrale Punkt ist für die Autorin dabei vor allem die Beziehung zwischen Fuchs (das Buch dreht sich fast ausschließlich um den nahezu weltweit verbreiteten Rotfuchs, lat. vulpes vulpes) und Mensch, die gerade in den letzten Jahren immer näher aneinandergerückt sind. Sogar durch die Millionenmetropole London streifen zahlreiche Füchse und nutzen als blinde Passagiere mitunter Sightseeing-Busse oder die U-Bahn.

Dieses Buch will vor allem eine Frage ergründen: Wie hat es der Rotfuchs, ein Wildtier, das sich vorzeiten in unberührten Wäldern entwickelt hat, geschafft, sich derart erfolgreich an die moderne Welt anzupassen?

Trotz dieser konkreten Fragestellung und des eher schmalen Umfangs von weniger als 200 Textseiten bringt Adele Brand den Leser*innen den Fuchs auf umfassende Art und Weise näher. Neben einer kurzen Kulturgeschichte des Fuchses, der in Fabeln, Märchen und der Mythologie vieler Kulturkreise eine Rolle spielt, geht es um Grundlegendes wie eine Einordnung des Fuchses, der trotz seiner katzengleichen Bewegungen zu den Caniden (also den Hundeartigen) gehört, ins Tierreich oder um die Frage, warum der Rotfuchs an verschiedenen Orten mit ganz unterschiedlichen Bedingungen problemlos überleben kann. Es ist die vergleichsweise geringe Spezialisierung des Fuchses, die ihn extrem anpassungsfähig macht — sowohl an die Bedingungen der indischen Thar-Wüste als auch an den Bialowieza-Urwald in Polen oder die Prärie Südkanandas und das 1.300-Seelen-Dorf der Autorin in der englischen Grafschaft Surrey.

Füchse1

Neben allerlei Fakten fehlt auch Kurioses nicht, wie etwa die Vermutung, dass Füchsen bei der Jagd ein am Magnetfeld der Erde orientierter „innerer Kompass“ zugute kommt, oder der Umstand, dass bei der Londoner Polizei jede Woche mehrere Notrufe von besorgten Bürger*innen eingehen, die Fuchsschreie mit den Hilferufen von Verbrechensopfern verwechselt haben. Zum Ende ihres Buches rät Adele Brand ihrer Leserschaft, selbst aktiv zu werden und gibt allerlei Tipps zum Beobachten und Fotografieren von Füchsen, zum Führen eines Naturtagebuchs und — wohl eher für diejenigen, die ganz tief in die Materie einsteigen wollen — Anregungen für Forschungsprojekte und Dissertationen.

Einziger Kritikpunkt an diesem ansonsten empfehlenswerten Buch ist der Umstand, dass die Ausführungen zur zentralen Frage „Beziehung zwischen Mensch und Fuchs“ sehr auf Großbritannien bezogen sind. Gerade in London scheint es in den letzten Jahren einige Vorfälle gegeben zu haben, die — befeuert von Berichten in der Boulevardpresse und Diskussionen in den Sozialen Medien — zu erbitterten Schlagabtauschen zwischen „Fuchshassern“ und Tierschützer*innen geführt haben. Solch emotional geführte Debatten kennt man in Deutschland wohl eher beim Wolf…


Adele Brand: Füchse. Unsere wilden Nachbarn (C.H. Beck Verlag; 208 Seiten mit 28 Abbildungen; 22 Euro). #supportyourlocalbookstore

Zum Weiterlesen und -entdecken empfiehlt sich auch Adele Brands Blog „A Walk with Wildlife“, in dem es nicht ausschließlich um Füchse geht.


📷 Fuchsbild von monicore via pexels.com, Coverfoto von mir

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