Norwegisches Trio, Teil 1

In diesem Herbst erscheinen gleich drei neue Bücher des norwegischen Krimi- und Thriller-Autors Jørn Lier Horst auf Deutsch. In zweien davon gibt es ein Wiedersehen mit dem seit Jahren bekannten und geschätzten Ermittler William Wisting („Wisting und der Atem der Angst“, Teil drei der Cold-Case-Reihe, steht ab Ende November in den Buchläden), das gemeinsam mit Thomas Enger verfasste „Blutzahl“ dagegen ist der erste Band einer neuen Thriller-Serie.

Hintergrundfoto von mir, Coverbild © Droemer Verlag

Den Auftakt zu diesem „norwegischen Trio“ macht mit „Blindgang“ der zehnte reguläre Wisting-Fall, der im Original bereits 2015 erschienen ist. Dementsprechend spielt die Handlung eine ganze Weile vor den beiden bislang auf Deutsch erhältlichen Cold-Case-Büchern. Bei den höchst unterschiedlichen Veröffentlichungsterminen der beiden Reihen — noch dazu in verschiedenen Verlagen — ist es zuweilen gar nicht so einfach, den Überblick über den zeitlichen Rahmen der Geschehnisse zu behalten. Zur zeitlichen Einordnung für diejenigen, die mit den Krimis um William Wisting bereits vertraut sind: Zu Beginn von „Blindgang“ ist Wistings Tochter Line im achten Monat schwanger und gerade in die Nachbarschaft ihres Vaters gezogen — in den Cold-Case-Fällen schlüpft Opa William ja dann bereits regelmäßig in die Rolle des Babysitters.

Im Zentrum von „Blindgang“ stehen zwei Kriminalfälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Zum einen die Suche nach einem spurlos verschwundenen Taxifahrer, zum anderen der Mord an einer Studentin, die in der Neujahrsnacht bei einem vermeintlich missglückten Raubüberfall erschossen wurde. Als das Taxi des Verschwundenen zusammen mit einem nicht unbeträchtlichen Vorrat an Drogen in einer Scheune entdeckt wird und sich herausstellt, dass die Studentin mit einem Revolver aus dem Safe des jüngst verstorbenen „Schmugglerkönigs“ Frank Mandt ermordet wurde, kommt Bewegung in die Sache und ein Zusammenhang zwischen den beiden Fällen scheint auf einmal wahrscheinlich. Wisting wittert natürlich sofort die richtige Fährte, aber zunächst gibt es allerlei Ungereimtheiten und Mosaiksteinchen, die sich erst nach und nach zu einem stimmigen Bild zusammenfügen.

Einmal mehr macht es großen Spaß, Wisting, seiner Tochter Line und seinen durchweg sympathischen und für Krimiverhältnisse erfreulich „normalen“ Kolleg*innen mehr als 450 Seiten bis zur endgültigen Aufklärung des Falles zu folgen. Hartgesottenen Thriller-Leser*innen könnte „Blindgang“ zu gemächlich und wenig actionreich sein, aber wer — wie ich — eher ein Faible für saubere Ermittlungsarbeit und differenziertere Töne abseits vom eindimensionalen „Gut-Böse-Schema“ hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Anderswo tropft das Blut zwischen den Buchseiten hervor, bei Wisting dagegen darf es auch schon einmal menscheln. Und das ist gut so.

  • Jørn Lier Horst: Blindgang (deutsche Übersetzung von Andreas Brunstermann; Droemer Taschenbuch; 464 Seiten; 10,99 Euro). — VIELEN DANK AN DEN VERLAG FÜR DIE BEREITSTELLUNG DES REZENSIONSEXEMPLARS!

~ BESPRECHUNGEN DER BEIDEN ANDEREN NEUEN BÜCHER VON JØRN LIER HORST FOLGEN IM LAUF DER NÄCHSTEN MONATE. ~

2 Kommentare zu „Norwegisches Trio, Teil 1

  1. Nun bist Du aber viel schneller als ich. An dem Norweger komme ich dann wohl auch wieder nicht vorbei. Ich bin gespannt, zumal ich die früheren mehr schätze als die neue Wisting-Reihe. Ich hatte „Winterfest“, ein früherer Roman, lieber gemocht und gelesen als den ersten Teil der neuen Reihe. Viele Grüße

    1. Das Buch hat sich aber auch sehr fix gelesen. Etwas eigenwillig finde ich übrigens die Covergestaltung — die verschneite Landstraße passt zwar an sich gut zu Skandinavien, aber hier spielt die Handlung größtenteils im Hochsommer. 😉

      „Winterfest“ habe ich noch vor mir — das steht weiter auf meiner Liste.

      Viele Grüße zurück!

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