Sieben Bücherschau-Fundstücke

Gestern öffnete die diesjährige Münchner Bücherschau ihre (virtuellen) Pforten. Obwohl das haptische Erlebnis und das Gewusel im Gasteig diesmal sehr fehlen, lohnt sich auch die gelungene Online-Variante. Noch bis zum 29. November kann man nach Herzenslust herumstöbern und Entdeckungen machen. Ich werde auf jeden Fall einige weitere Male vorbeischauen — ein paar Lesungen möchte ich „besuchen“ und auch die Sonderausstellungen stehen auf meinem Programm. Einstweilen habe ich mich bereits durch die Angebote der Verlage geklickt und aus der Masse der Veröffentlichungen sechs lohnenswerte Bücher und einen Kalender fürs kommende Jahr herausgepickt.

Vielleicht ist ja etwas für Euch dabei. Und falls nicht: Selbst auf die Suche zu gehen macht ja sowieso am meisten Spaß!

Coverbilder v.l. © Carlsen Verlag, Allitera Verlag, Droemer Knaur

Melanie Garanin: Nils

Den tragischen Tod ihres jüngsten Sohnes verarbeitete die Illustratorin und Comiczeichnerin Melanie Garanin auf eine für sie naheliegende Art und Weise, nämlich zeichnerisch — zuerst für ihren Blog und nun gesammelt als Graphic Novel. Nicht düster (zumindest meistens nicht), sondern mit humorvollen, liebevoll gezeichneten Bildern, die schönen Erinnerungen an die Zeit mit ihrem Jüngsten und dem Willen, weiterzumachen, ebenso viel Platz einräumen wie Trauer, Wut und Verzweiflung. (Carlsen Verlag, ISBN: 978-3-551-76049-4)

Alfons Schweiggert: Karl Valentin. Von der Kunst, so nicht kochen zu können, dass man es nicht essen muss

Obwohl optisch eher der Typ „Skelettgigerl“, war dem großen Karl Valentin Essen und Trinken durchaus wichtig. Dementsprechend oft fand Kulinarisches einen Platz in den Sketchen und Bühnenstücken des komödiantischen Universalgenies — man denke nur an die „Semmelnknödeln“ oder die „Affentaler Spätlese“. Der Valentin-Kenner Alfons Schweiggert hat für sein Buch allerlei Bemerkenswertes rund ums Thema Essen und Trinken in Karl Valentins Werk zusammengetragen und um Anekdotisches sowie vermutlich eher mit Vorsicht zu genießende Rezeptideen ergänzt. (Allitera Verlag, ISBN: 978-3-96233-191-7)

Jim Carrey & Dana Vachon: Memoiren und Falschinformationen

Gut, bei diesem Buch bin ich mir nicht ganz sicher: Vielleicht ist es ein wunderbares Vergnügen, vielleicht aber auch ein rechter Quatsch. Ganz sicher — das verrät schon der Untertitel „Ein (fast) autobiographischer Hollywood-Roman“ — ist es aber nicht die x-te langweilige Autobiographie eines Stars, der sich allzu wichtig nimmt. Überhaupt hat Jim Carrey bei mir einen Stein im Brett, seit er mir vor fast 25 Jahren (damals war ich ein großer Fan von „Ace Ventura“ und „Dumm und dümmer“) einen Autogrammwunsch erfüllt hat, weshalb ich diesem Buch gerne eine Chance gebe. (Droemer Verlag, ISBN: 978-3-426-28258-8)

Coverbilder v.l. © Diogenes Verlag, Hanser Verlag, Insel Verlag

Maria Popova: Findungen

Schon seit Jahren begeistert die Wahl-New Yorkerin Maria Popova mit ihrem Blog „Brainpickings“ und ebenso kenntnis- wie umfangreichen Beiträgen zu Gesellschaft, Literatur, Wissenschaft und Kultur. Immer großartig, aber leider immer auch verbunden mit der Frage, wann man das denn eigentlich alles lesen soll. Ähnlich verhält es sich nun auch mit „Findungen“, das satte 896 Seiten umfasst — bei so viel kluger Lektüre muss man fast froh sein, dass der Corona-Winter ansonsten nur wenig Ablenkung bietet. (Diogenes Verlag, ISBN: 978-3-257-07127-6)

Beatrix Kramlovsky: Fanny oder Das weiße Land

Knapp zehntausend Kilometer liegen zwischen Karl, der seit 1914 in einem sibirischen Kriegsgefangenenlager unter elenden Bedingungen ausharrt und seiner geliebten Fanny in Wien. Erst im Mai 1918 gelingt Karl gemeinsam mit seinem Bruder Viktor die Flucht — ein schier unendlicher Weg voller Gefahren, auf dem den beiden jungen Männern aber immer wieder auch Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft begegnen. Klingt nach einem perfekten Schmöker für kalte Winterabende. (hanserblau, ISBN: 978-3-446-26797-8)

María Isabel Sánchez Vegara: Litte People, Big Dreams

Nicht nur für junge Leser*innen ist die Reihe „Little People, Big Dreams“, die die Lebensgeschichte berühmter Frauen und Männer aus einem kindlichen Blickwinkel erzählt, ganz wunderbar. Die großartigen Illustrationen und der Mut machende Grundgedanke, dass alles Große mit einem Traum beginnt, macht die liebevoll aufgemachten Bücher zu einer lohnenden Lektüre für alle Altersklassen. In diesem Herbst neu erschienen sind unter anderem Bände über Astrid Lindgren, Martin Luther King, Greta Thunberg und Bob Dylan. (Insel Verlag, ISBN (Band zu Astrid Lindgren): 978-3-458-17853-8)

Kalender Lust am Lesen

Coverbild © Ackermann Kunstverlag

Fast genauso schön wie das Lesen an sich ist das endlose Stöbern in Bibliotheken oder Buchläden. Pandemiebedingt kam das dieses Jahr allerdings ein wenig zu kurz — bleibt zu hoffen, dass es 2021 wieder etwas besser wird. Egal, wie es kommt: Der Literaturkalender „Lust am Lesen“ mit seinen großformatigen Fotografien berühmter Büchertempel bietet Monat für Monat eine kleine Flucht vom Alltag. (Ackermann Kunstverlag, ISBN:
978-3-8384-2174-2)

** Nicht vergessen: Alle hier vorgestellten Bücher kauft Ihr am besten direkt in Eurem Lieblingsbuchladen vor Ort! **

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s