Alan Bennett: Drei daneben

Spätestens seit dem immensen Erfolg von „Die souveräne Leserin“ und Nicholas Hytners Verfilmung von „The Lady in the Van“ mit der großen Maggie Smith ist Alan Bennett literarisch Interessierten auch hierzulande ein Begriff. Dem Wagenbach Verlag ist es zu verdanken, dass die Werke des britischen Altmeisters seit Jahren zuverlässig in deutscher Übersetzung und in bibliophiler Ausstattung genossen werden können.

„Genuss“ ist das Stichwort, denn ein solcher ist natürlich auch „Drei daneben“ wieder. Dabei ist das dünne Bändchen ein ziemliches Sammelsurium unterschiedlichster Texte. Im Zentrum stehen zwei neue Monologe, die Alan Bennett anlässlich der Neuinszenierung seiner BBC-Serie „Talking Heads“ (ein großer Fernseherfolg in den 1980er und 1990er Jahren) geschrieben hat. In einem davon verliebt sich die Protagonistin in ihren halbwüchsigen Sohn, im anderen pilgert eine Witwe täglich an die Stelle, an der ihr Mann mit dem Motorrad tödlich verunglückt ist und lernt dabei eine ganz andere Seite ihres so biederen Clifford kennen. Wie alles aus der Feder Alan Bennetts sind auch diese beiden kurzen Szenen wunderbar hintersinnig und humorvoll — wofür andere ganze Romane bräuchten, genügen dem brillanten Dramatiker wenige Seiten.

Einen Großteil von „Drei daneben“ nimmt allerdings ein einleitender Essay von Regisseur Nicholas Hytner ein, der erläutert, wie knifflig es war, die Neuinszenierung der zwölf Monologe während des ersten Corona-Lockdowns im März und April 2020 unter der Einhaltung strengster Abstandsregelungen zu realisieren. Zweifellos ein Zeitdokument, dessen wahren Wert man vermutlich erst in ein paar Jahren vollständig zu schätzen weiß.

Aber noch viel, viel mehr hoffe ich, dass irgendjemand eines fernen Tages dieses Buch in einem Antiquariat zur Hand nimmt (mal angenommen, so etwas gibt es dann noch), die Einleitung durchblättert und sich undeutlich daran erinnert, dass es da einst dieses schreckliche Virus gab, das beinahe alles zum Stillstand brachte.

Nicholas Hytner (in Alan Bennett: Drei daneben)

Apropos Corona: Eine Episode um eine Geistererscheinung während einer Zoom-Trauerfeier enthält das schmale, vergnügliche Büchlein ebenso wie eine — erstmals auf Deutsch vorliegende — Erinnerung an die 2003 verstorbene Schauspielerin Thora Hird.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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