Maren Gottschalk: Fräulein Steiff

Die Historikerin und Autorin Maren Gottschalk hat bereits Bücher über Sophie Scholl, Astrid Lindgren, Nelson Mandela und zuletzt Frida Kahlo veröffentlicht. In ihrer neuen Romanbiografie widmet sie sich Margarete Steiff — eine Persönlichkeit, die mich nicht zuletzt deshalb interessiert, weil ich seit jeher ein großer Freund der wunderbaren Stofftiere dieser Marke bin und mich mein treuer Bär auch heute noch auf jeder Reise begleitet.

Schon die erste Szene in „Fräulein Steiff“ ist ganz entscheidend. Im Jahr 1879 näht die 32 Jahre alte Margarete Steiff in ihrer kleinen Werkstatt in Giengen an der Brenz, in der sie Filzwaren im Auftrag einer größeren Stuttgarter Fabrik fertigt, als Geburtstagsgeschenk für ihre Schwägerin Anna ein Nadelkissen in Form eines Elefanten. Allerdings ist vor allem Annas dreijähriger Sohn von dem „Elefäntle“ so sehr hingerissen, dass Margarete eine Idee kommt: Warum nicht Filztiere zum Spielen und Liebhaben für alle Kinder produzieren und damit eine eigene Firma gründen? Trotz einiger Widerstände hält die kreative und kluge Geschäftsfrau an ihrem Plan fest und legt den Grundstein für ein Unternehmen, das auch fast 150 Jahre später weltweit einen exzellenten Ruf genießt.

Der Teddybär, der einem beim Stichwort „Steiff“ sofort in den Sinn kommt, hat es übrigens erst später — um 1900 herum — ins Sortiment geschafft und war zunächst im fernen Amerika ein Verkaufsschlager.

Es ist kein böser Bär, vor dem man Angst haben muss, sondern ein durch und durch lieber Bär, ein Freund. Ein Bär, dem man alles erzählen kann.

Maren Gottschalk: Fräulein Steiff
Mit dem „Elefäntle“ fing alles an.

„Fräulein Steiff“ ist ein kurzweiliger, in einem sympathischen Tonfall und mit viel Zeitkolorit erzählter Roman, der das Leben der Margarete Steiff nachzeichnet, wie es gewesen sein könnte. Neben Details aus der Biografie und der Firmengeschichte sowie echten Personen aus dem Umfeld der Geschäftsfrau gibt es auch eine Reihe fiktiver Begebenheiten und Charaktere, die dazu dienen, das Geschehen lebhafter und die Protagonistin greifbarer zu machen. Mit Erfolg, denn als Leser*in lernt man Margarete Steiff als eine humorvolle, liebenswerte Frau kennen, mit der man zu gerne befreundet gewesen wäre.

Obwohl Margarete nach einer Polio-Erkrankung gelähmt und auf den Rollstuhl sowie fremde Hilfe bei vielen alltäglichen Dingen angewiesen war — im 19. Jahrhundert ein riesiger Makel und eine große Last für die Familie — war sie zeitlebens ein lebhafter, neugieriger Mensch, der unbeirrt seine Pläne und Ziele verfolgte. Statt zur „unnützen Esserin“ zu werden, wie von der oft sehr grausamen Mutter prophezeit, sicherte Margarete Steiff dank ihrer Kreativität und Beharrlichkeit Familienangehörigen und vielen Menschen aus ihrer Heimatstadt — vor allem Frauen, die als Näherinnen eine Anstellung fanden — den Lebensunterhalt und bereitete mit ihren Stofftieren bis heute Millionen eine große Freude. Mit „Fräulein Steiff“ ist Maren Gottschalk eine lesenswerte Hommage an diese außergewöhnliche Frau gelungen.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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Ein Kommentar zu „Maren Gottschalk: Fräulein Steiff

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