Monatsrückblick Februar ’21

📸 Christoph Walter

Die Zeit hatte jetzt starke Rhythmusstörungen, sie ruckte nach vorne, tippelte auf der Stelle, mal blieb sie stehen, mal raste sie und nicht selten tat sie alles zugleich.

Mariana Leky: Die Herrenausstatterin

Auch im zu Ende gehenden Februar hatte die Zeit weiter mit gehörigen Rhythmusstörungen zu kämpfen. Wie es mit dem Leben im Allgemeinen und der Kultur im Besonderen weitergeht, ist nach wie vor kaum abzusehen. Gut gemeinte Initiativen und Vorschläge sind zwar durchaus vorhanden, aber die Kultureinrichtungen liegen größtenteils so verwaist da wie der oben abgebildete Musikpavillon im Februarschnee.
Keine abschließende Antwort auf die Frage „Wie geht es weiter mit der Kultur?“ brachte Mitte des Monats eine Diskussion im Staatstheater Nürnberg. Sehenswert ist das Gespräch mit der Theatermacherin Andrea Maria Erl und dem Schriftsteller Ewald Arenz aber dennoch.

Eine entscheidende Änderung der Gesamtsituation ist wohl auch im März nicht zu erwarten, aber immerhin gibt es doch ein paar Dinge, auf die ich mich freue und die ich gerne empfehle. So erscheint am 25. März mit „Der große Sommer“ ein neuer Roman des bereits erwähnten Ewald Arenz. Am Abend des gleichen Tages steht zudem eine Livestream-Lesung aus dem Münchner Lustspielhaus auf dem Programm — Axel Hacke verspricht nicht weniger als die „lustigsten Texte aus 30 Jahren“. Und in der ARD läuft am 27. März mit „Allmen und das Geheimnis der Erotik“ die inzwischen vierte Verfilmung eines Allmen-Krimis von Martin Suter.

Außerdem lohnt sich jederzeit ein virtueller Besuch bei der Bibliotheca Hertziana, dem Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom. Während des Lockdowns im vergangenen Frühjahr beauftragte die Einrichtung eine Reihe von Fotografen damit, die Stimmung in den nahezu menschenleeren Innenstädten von Rom und Neapel zu dokumentieren. Herausgekommen sind gleichermaßen beeindruckende wie bedrückende Aufnahmen der „Ruhe mitten im Sturm“, wie es die Fotografen Luciano, Matteo und Marco Pedicini beschreiben. –> ZU SEHEN HIER

Im Februar gelesen:

(aktuell: Olli Jalonen — Die Himmelskugel)

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Monatsrückblick Januar ’21

Foto von mir (Archivaufnahme vom September 2018)

„Es fängt an, wie es aufgehört hat“ — dieser Titel eines mehr als zehn Jahre alten Clickclickdecker-Songs drängt sich bei der Rückschau auf den Januar geradezu auf. Wir haben ein neues Jahr, sind aber nach wie vor (wie es in besagtem Song heißt) „versunken im dunklen Einheitsbrei“ von 2020. Selbstverständlich habe auch ich neben den tapfer durchgehaltenen täglichen Spaziergängen bei teils gruseligem Wetter jede Menge Zeit zu Hause verbracht.
Übermäßig viel gelesen habe ich allerdings erstaunlicherweise nicht. Gerade einmal vier Bücher (*), von denen nur der Wisting-Krimi knapp über 400 Seiten hatte, stehen auf der Habenseite. Zwei neuere und zwei, die ich nach langer Zeit wieder gelesen habe, nämlich:

  • Beatrix Kramlovsky: Fanny oder Das weiße Land –> mehr dazu hier
  • Otfried Preußler: Krabat –> mehr dazu hier
  • Jørn Lier Horst: Wisting und der Atem der Angst
  • Stefan Zweig: Schachnovelle

(*) begonnen habe ich außerdem mit „Winterbienen“ von Norbert Scheuer — allerdings liegen da noch einige Seiten vor mir

Bei den „Wiederentdeckungen“ war ich überrascht, dass mir die Grundzüge der Handlung noch zu einem großen Teil präsent waren. Und das, obwohl ich (aber nicht nur ich, wie dieser lesenswerte Artikel von Dorothea Wagner im SZ Magazin beweist) den Inhalt eines Buches oft schon vergessen habe, kurz nachdem ich es nach beendeter Lektüre zur Seite gelegt habe.
Auf der anderen Seite gab es aber auch viele Stellen und Aspekte, die mir nahezu völlig unbekannt vorkamen. In der „Schachnovelle“ hat mir nun die Szene besonders gut gefallen, in der Dr. B. nach mehreren Monaten der Isolationshaft in einem spartanisch eingerichteten Zimmer in einem Verhörraum einen Mantel erspäht, dessen Tasche verdächtig ausgebeult ist:

Ich trat näher heran und glaubte an der rechteckigen Form der Ausbuchtung zu erkennen, was diese etwas geschwellte Stelle in sich barg: ein Buch! Mir begannen die Knie zu zittern: ein BUCH!

Nur der Vollständigkeit halber: Dr. B. kann nicht anders, als dieses Buch zu stehlen und in seine Zelle zu schmuggeln. Wer die „Schachnovelle“ kennt, weiß natürlich, dass es sich bei dem Buch um eine Zusammenstellung berühmter Schachpartien handelt, mit deren Hilfe Dr. B. schließlich zum Schachgenie wider Willen wird…

Was nun der Februar bringen mag? Vermutlich noch mehr Spaziergänge und noch mehr Zeit zu Hause. Vielleicht auch wieder mehr Bücher (der dritte Band von Alex Beers Wien-Krimis liegt schon bereit, außerdem gibt es ein neues Buch von Julian Barnes und mit „Hard Land“ erscheint Ende des Monats der nächste Roman von Benedict Wells) und ganz vielleicht sogar den so lange herbeigesehnten Museumsbesuch. Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg eröffnet am 18. Februar mit „Europa auf Kur. Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos“ eine sehr vielversprechende neue Sonderausstellung — wie schön wäre es, wenn man sich diese „in echt“ ansehen könnte!

#SupportYourLocalBookstore — die hier empfohlenen Bücher kauft Ihr am besten bei Eurer Lieblingsbuchhandlung vor Ort! In Konstanz zum Beispiel bei Homburger & Hepp am Münsterplatz. Das ist die Buchhandlung, die für das Foto in diesem Beitrag Modell stand.