Bücher und Musik für den Wunschzettel

Es ist Adventszeit und obwohl es momentan sehr schwer ist, halbwegs zuversichtlich auf die kommenden Festtage zu blicken, schadet es sicher nicht, sich ein paar Gedanken zu machen, womit man seinen Lieben (oder sich selbst) eine Freude machen kann. Deshalb an dieser Stelle eine kleine Zusammenstellung von Büchern und Schallplatten, die mir im zu Ende gehenden Jahr besonders gut gefallen haben — verbunden mit der Hoffnung, dass sich darunter auch die eine oder andere Anregung für Euch findet.

Für spannende Lesestunden:

Krimis sind immer dann besonders lesenswert, wenn sie über den Tellerrand des zu lösenden (Mord-) Falles hinausblicken und auch etwas über die Zeit und die Gesellschaft erzählen, in der die Handlung spielt. Hervorragend glückt dieser Spagat sowohl Alex Beer in ihrer Reihe um Kommissar August Emmerich (mit „Der letzte Tod“ ist gerade der fünfte Band erschienen) als auch Thomas Mullen mit seiner „Darktown“-Trilogie, die bei DuMont inzwischen komplett als Taschenbuchausgabe vorliegt. Hier das heruntergekommene Wien der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, dort Atlantas erste Schwarze Polizisten in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren — zwei gänzlich verschiedene Welten mit ihren ganz eigenen Problemen, aber doch auch überraschend vielen Gemeinsamkeiten.
Nicht in der Vergangenheit, aber trotzdem in einer für die allermeisten der Leserinnen und Leser fremden Umgebung, nämlich in einem von Drogen und Kriminalität geprägten Problembezirk Philadelphias, spielt Liz Moores „Long Bright River“. Gleichermaßen ein packender Kriminalroman wie auch eine berührende Familiengeschichte.
Eines haben all diese Romane gemeinsam: Man wird bestens unterhalten und ist nach der Lektüre ein klein wenig klüger.

Zeit für Freunde und alte Bekannte:

Die Figuren aus Sven Regeners Romanen rund um Frank Lehmann und dessen Dunstkreis gehören seit vielen Jahren zum eigenen Bekannten-, wenn nicht gar Freundeskreis. In „Glitterschnitter“, angesiedelt im Kreuzberg des Jahres 1980, gibt es nun ein freudiges Wiedersehen. Die ewig gleichen Typen, die immer die gleichen Geschichten erzählen — fast wie Weihnachten in der eigenen Familie.
Etwas komplexer als im mit viel Wortwitz und Situationskomik glänzenden Roman von Sven Regener wird das Thema Freundschaft in Benjamin Myers‘ „Der perfekte Kreis“ und Beatrix Kramlovskys „Fanny oder Das weiße Land“ verhandelt. Der Brite Myers erzählt von zwei Außenseitern, die kaum etwas verbindet außer das mit fast religiösem Eifer verfolgte Unterfangen, den perfekten Kornkreis zu kreieren; bei Kramlovsky flieht ein Grüppchen österreichischer Soldaten im Frühjahr 1918 aus der russischen Kriegsgefangenschaft und macht sich auf den gefährlichen Heimweg ins 12.000 Kilometer entfernte Wien. In beiden Büchern schweißt ein gemeinsames Ziel höchst unterschiedliche Menschen zusammen. Dass Zusammenhalt und Freundschaft gerade in schweren Zeiten unverzichtbar sind und man gemeinsam viel mehr erreichen kann als allein, mögen zwar keine allzu bahnbrechenden Erkenntnisse sein — aber gerade jetzt schadet es nicht, noch einmal daran erinnert zu werden. Am besten natürlich verpackt in solch grandiose Geschichten.

Zum Anhören:

  • Big Red Machine: „How Long Do You Think It‘s Gonna Last?“
    Das zweite Album der Indie-Supergroup um Justin Vernon (Bon Iver) und Aaron Dessner (The National) besticht durch ein beeindruckendes Arsenal an Gaststars von Taylor Swift und Ben Howard bis hin zu Anaïs Mitchell und Robin Pecknold (Fleet Foxes) sowie durch seine überbordende Kreativität und Spielfreude. Eine Platte für die Ewigkeit!
  • Locas In Love: „Winter“
    Ein echter Dauerbrenner ist die bereits 2008 erschienene Platte der leider nach wie vor sträflich unterschätzten Kölner Band. So tröstlich, hellsichtig und mutmachend wie in diesen tristen Pandemiewintern klang „Winter“ allerdings noch nie. Musik wie eine warme Decke.
  • Keaton Henson: „Fragments“
    Ein halbes Dutzend eher nebenbei entstandene Songs reichen dem schüchternen britischen Multitalent Keaton Henson für ein kleines Meisterwerk von herzzerreißender Schönheit. Verschenkt man am besten mit einer Großpackung Taschentücher.
  • The Killers: „Pressure Machine“
    Bombast, hymnische Refrains und Stadionrock — all die Dinge, mit denen man The Killers aus Las Vegas gemeinhin verbindet, findet man auf „Pressure Machine“ nicht. Stattdessen steht das neue Album in der Tradition von Bruce Springsteen und Tom Petty und stellt eindrucksvoll unter Beweis, was für ein hervorragender Geschichtenerzähler Brandon Flowers doch ist. Alles richtig gemacht!

#SupportYourLocalBookstore — die hier empfohlenen Bücher kauft Ihr am besten bei Eurer Lieblingsbuchhandlung vor Ort!

The Final Six

Gestern wurde in der Rezension zu Mary Lawsons lesenswertem Roman „Im letzten Licht des Herbstes“ die Bekanntgabe der Shortlist des diesjährigen Booker Prize erwähnt. Lawson stand (bereits zum zweiten Mal) auf der Longlist, schaffte es aber leider nicht in die Endauswahl.

Folgende Bücher wurden in die „Final Six“ gewählt — wer am Ende das Rennen macht, entscheidet sich am 3. November. Besonders erfreulich: Für drei der Shortlist-Romane ist bereits eine deutsche Übersetzung geplant, zwei davon erscheinen noch in diesem Monat.

Die Finalist*innen im Überblick:

  • Damon Galgut: The Promise
  • Anuk Arudpragasam: A Passage North
  • Patricia Lockwood: No One Is Talking About This (dt. Titel „Und keiner spricht darüber“, ab 8. März 2022 in der Übersetzung von Anne-Kristin Mittag bei btb)
  • Nadifa Mohamed: The Fortune Men (dt. Titel „Der Geist von Tiger Bay“, ab 16. September in der Übersetzung von Susanne Urban bei C. H. Beck)
  • Richard Powers: Bewilderment (dt. Titel „Erstaunen“, ab 29. September in der Übersetzung von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié bei S. Fischer)
  • Maggie Shipstead: Great Circle