
Schon wieder der dritte Adventssonntag! Es geht in großen Schritten auf Weihnachten zu, fühlt sich aber nicht so recht danach an. An der Weihnachtsbeleuchtung in der erweiterten Nachbarschaft liegt das Fehlen der festlichen Stimmung aber sicher nicht. Da haben sich einige sehr große Mühe gegeben, wobei manchmal eher auf Quantität als auf Qualität gesetzt wurde. Der auf einem Eisbären reitende Weihnachtsmann zum Beispiel gewinnt sicher keinen Designpreis, aber ich freue mich beim Vorbeigehen dennoch jedes Mal über diese herrliche Geschmacksverirrung.
Es lohnt sich auf jeden Fall, nach Einbruch der Dunkelheit ein kleines Ründchen um den Block zu drehen. Der restliche Sonntag darf dann natürlich gerne im Lesesessel verbracht werden.
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Ich lese momentan »Bread of Angels« von Patti Smith, das ich bisher sehr empfehlen kann. Gerade ist die junge Patti ein Grundschulkind und ich bin sehr begeistert von ihren Erinnerungen an die frühen 1950er Jahre, die zwar noch nicht so schrecklich weit zurückliegen, aber doch wie ein Gruß aus einer längst untergegangen Welt wirken. Auf den Straßen fuhren damals die letzten Pferdefuhrwerke, es gab noch Kühlschränke mit echten Eisblöcken, Polioimpfungen und Leierkastenmänner mit livrierten Äffchen als Begleiter.
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Neu auf die Wunschliste geschrieben habe ich dank der überschwänglichen Begeisterung von Daniel Kaiser in eat.READ.sleep. den Roman »Der Traum des Jaguars« von Miguel Bonnefoy. John Irvings »Königin Esther« dagegen ist nun noch ein Stückchen weiter nach hinten gerutscht.
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Sehr sympathisch fand ich dieses Interview (€) mit dem sowieso großartigen Axel Hacke, lachen musste ich bei einem an sich gar nicht amüsanten Artikel über die Bahn (€):
Wer ist denn noch imstande, etwa den Begriff Nachteilzug korrekt zu betonen – oder wäre die falsche Betonung inzwischen nicht die richtige?
Ich hoffe, das Lachen bleibt mir nicht im Halse stecken, denn zu Beginn der neuen Woche habe ich eine längere Bahnfahrt vor mir. Immerhin ohne Umstieg.
Habt einen schönen dritten Advent!