Das war ein erfreulich angenehmes Frühlingswochenende mit enormen Temperaturunterschieden von Höchstwerten von mehr als 20 Grad bis hinunter zum Gefrierpunkt, dabei aber fast durchgängig sonnig und mit blauem Himmel. In Kombination mit farbenfrohen Blüten wirkte sogar die oft recht graue Stadt sehr freundlich.

Zum ersten Freiluft-Eis des Jahres konnte ich mich allerdings noch nicht durchringen. Ich bezweifle auch, dass es „Halleluja“, die passend zum Heiligen Jahr auf der Eisfachmesse in Rimini zur europäischen Sorte des Jahres gekürte Geschmacksrichtung, bereits in die protestantisch geprägten hiesigen Gefilde geschafft hat. Die Kombination aus gesüßter Kondensmilch, Zucker, Haselnusspaste und Kakao hört sich aber auch nicht völlig innovativ, sondern eher recht pappig an.
Statt Eis gab es neuen Lesestoff, nämlich „Das Schloss der Schrifsteller“ von Uwe Neumahr (aus dem Buchladen meines Vertrauens) und „Von Norden rollt ein Donner“ von Markus Thielemann (aus der Bücherei). Mit Letzterem habe ich bereits begonnen.
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Ausgelesen habe ich wie geplant Uwe Timms „Der Mann auf dem Hochrad“, ein schönes Buch voller Sprachwitz und sanftem Humor. Allerdings ist Franz Schröter, der Onkel des Autors, Tierpräparator und Fahrradpionier im Coburg des ausgehenden 19. Jahrhunderts, auch eine etwas tragische Figur. Während er und seine Gleichgesinnten sich von fortschrittsfeindlichen Gesellen allerlei Gemeinheiten wegen ihrer Radfahrerei gefallen lassen müssen, werden sie selbst wenig später vom Zeitgeist eingeholt und haben ihrerseits vor allem Hohn und Spott fürs neuartige Niederrad übrig.
Kaum in Erinnerung geblieben waren mir von der länger zurückliegenden ersten Lektüre die Szenen, in denen es um Schröters Brotberuf geht. Dabei sind der ausgestopfte Mops der Hofdame von Götze und die herzogliche Dogge, die Jahrzehnte später als Maskottchen auf der Motorhaube eines US-Militärjeeps durch Coburg gefahren wird, herrliche Schnurren.
Sehr ans Herz gewachsen sind mir außerdem die patente Anna Schröter, die sich ihr eigentlich selbstverständliches Recht, als Frau ebenfalls Radfahren zu dürfen, gegen alle Widerstände erkämpft, und die Vision der Velocipedisten von einer besseren Gesellschaft:
Cyclisation: Die Ära des Fahrrads, das ist die neue Zeit mit einer reicheren, weiteren, beweglicheren Zivilisation, ein Zurück zur Natur, das doch alle Vorteile der Kultur mitnimmt.
Schön wärs! Erst neulich war im Guardian zu lesen, dass in Großbritannien vor allem Frauen wegen schlecht ausgebauter Infrastruktur, mangelndem Sicherheitsgefühls und der Rücksichtslosigkeit anderer Verkehrsteilnehmer das Fahrradfahren lieber bleiben lassen.

Gerne gehört habe ich ein Gespräch mit Alexander Solloch, der gerade eine Biographie über den unvergessenen Harry Rowohlt veröffentlicht hat, gerne gelesen einen Artikel über die doch etwas absurden „Dankbarkeits-Tagebücher“ (€).