
Schon vor ein paar Jahren hat Axel Hacke ein Buch über eine Tugend geschrieben, die unserer Gesellschaft zunehmend abhanden gekommen zu sein scheint, nämlich den Anstand. Nun widmet er sich in ganz ähnlicher Form (aber bei einem neuen Verlag) der Heiterkeit, die in unserer an Katastrophen jeglicher Art nicht armen Gegenwart ebenfalls nicht gerade Hochkonjunktur hat.
Womit wir schon bei der Eingangsfrage wären, nämlich: Ist es überhaupt angebracht, im Angesicht von Krieg, Klimakatastrophe, Inflation, Pandemie und allerlei anderen Schrecken heiter oder gar optimistisch durchs Leben zu gehen? „Ja, unbedingt“, meint Axel Hacke. Heiterkeit, wie er sie versteht, hat eben nichts mit Oberflächlichkeit oder dem Verleugnen der Realität zu tun, sondern ist vielmehr eine grundsätzliche Haltung dem Leben gegenüber. Ohne eine gewisse Schwere kann es keine Heiterkeit geben – ein gutes Beispiel dafür ist Jean-Jacques Sempé, der nach einer bedrückenden Kindheit im besten Sinne heitere Zeichnungen voller Menschenfreundlichkeit und Hoffnung geschaffen hat. Dinge, an denen es in unserer so ernsten, oft unnachgiebigen und von Wut oder gar Hass geprägten Gegenwart mangelt. Guter Humor ist laut Axel Hacke ein wirksames Gegengift, weil er stets die unangenehmen Phänomene der Zeit aufgreift und ihnen mit Gelassenheit und Selbstironie begegnet.
Man könnte über alles lachen, sogar über sich selbst. Die Welt kann hoffnungslos sein, aber wir können lachen. Alles kann schwer sein, aber wenn wir lachen, können wir schweben. […]
Axel Hacke: Über die Heiterkeit
Heiterkeit hat etwas tief Tröstliches, vor allem, wenn sie in Verbindung mit dem Ernst des Lebens steht, wenn sie mit ihm umgeht und zeigt, wie man ihm entkommen kann.
„Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte“ ist ein kluges, im stets wunderbaren Axel-Hacke-Sound geschriebenes Buch, das weder Ratgeber noch Handlungsanweisung sein möchte, aber gerade deshalb sehr hilfreich ist. Mit vielen Verweisen auf Philosophie, Literatur von Umberto Eco bis Wilhelm Genazino und Großmeister des hintergründigen Humors von Loriot bis Gerhard Polt, ermuntert einen das handliche Büchlein dazu, selbst ein wenig gelassener auf die alltäglichen Zumutungen zu blicken. Ob man deshalb gleich ein heiterer Mensch wird, sei einmal dahingestellt, aber Freundlichkeit, grundsätzlicher Optimismus und wohlwollendes Interesse an seinen Mitmenschen haben schließlich auch noch niemandem geschadet.
Axel Hacke: Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte
Dumont; 224 Seiten; 20 Euro
ISBN: 978-3-8321-6808-7
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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