Karl Rittner: Die Toten von Wien

Wer diesen Blog einigermaßen regelmäßig verfolgt, weiß, dass ich ein gewisses Faible für historische Kriminalromane aus Wien habe. Glücklicherweise ist die österreichische Hauptstadt neben Berlin einer der beliebtesten Schauplätze dieses Genres, so dass es immer ausreichend Nachschub gibt. In „Die Toten von Wien“ schickt Karl Rittner (das Pseudonym eines österreichischen Schriftstellers und Hochschulprofessors) mit Alexander Baran nun einen neuen Ermittler in den Ring, von dem wir sicher noch öfter hören werden — zumindest riecht das Ende des Buches stark nach Fortsetzung.

Angesiedelt ist die Handlung von „Die Toten von Wien“ im Frühjahr 1922, was sofort an Alex Beers inzwischen fünf Bände umfassende, ebenfalls in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg spielende Reihe um August Emmerich denken lässt. Allerdings sind die Hauptfiguren der beiden Serien äußerst unterschiedlich. Während Beers Protagonist August Emmerich ein eher raubeiniger Typ aus einfachen Verhältnissen ist, der raucht und trinkt und stets nahe der Obdachlosigkeit entlangtaumelt, ist Rittners Alexander Baran Spross eines ungarischen Adelshauses. Die Wirren des Krieges und das damit verbundene Ende der Monarchie haben auch das Leben Barans, der früher Baron Sandor von Baranyi hieß, gehörig auf den Kopf gestellt. Nach Kriegsende heuerte der ehemalige Jurastudent bei der Wiener Polizei an, wo er schnell zum Kriminalkommissär aufstieg. Lustigerweise haben sowohl Alex Beer als auch Karl Rittner ihren Protagonisten jeweils grundverschiedene Gegenparts an die Seite gestellt: Emmerich wird ergänzt von Ferdinand Winter, einem jungen Mann aus gutem Hause, dem beim Anblick von Leichen schnell übel wird. Barans Partner ist Ferdinand Meisel, ein erfahrener Polizist, der seine Fähigkeiten als Boxer gerne auch beruflich einsetzt.

Die Wiener Staatsoper um 1898.

Anders als August Emmerich, der sich oft in den dunkelsten und ärmsten Ecken Wiens herumtreibt, führt „Die Toten von Wien“ Alexander Baran in ein anderes, seiner Herkunft eher entsprechendem Milieu. Allerdings deutet zu Beginn des Romans noch nichts darauf hin, geht es doch zunächst um zwei Todesfälle, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Zum einen wird nahe der Roßauer Lände die misshandelte Leiche einer jungen Tänzerin der Staatsoper gefunden, zum anderen wird ein pensionierter Hofbeamter von einer Tram erfasst und tödlich verletzt. Beim zweiten Fall ist noch nicht einmal klar, ob es sich nicht doch um einen Unfall gehandelt hat, wobei mehrere Zeugen aussagen, der ältere Herr sei vor die Straßenbahn gestoßen worden. Bei den Ermittlungen stellt sich aber natürlich schnell heraus, dass die beiden Morde miteinander zu tun haben. Die Spur führt in die nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinands untergegangene Welt des österreich-ungarischen Adels und nicht zuletzt in Alexander Barans eigene Vergangenheit.

Stellenweise ist „Die Toten von Wien“ ein wenig überladen und es ist nicht immer ganz einfach, den vielen Verästelungen der Handlung zu folgen. Für Freundinnen und Freunde des Genres ist der Roman aber trotzdem eine empfehlenswerte Lektüre, weil Karl Rittner eine ganz andere Seite des historischen Wiens beleuchtet als Alex Beer. Deren schmuddeliges Wien der frühen 1920er Jahre ist für mich zwar ein wenig reizvoller, aber wer weiß, wohin es Alexander Baran in Zukunft noch verschlägt?

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

#SupportYourLocalBookstore — die hier empfohlenen Bücher kauft Ihr am besten bei Eurer Lieblingsbuchhandlung vor Ort!

Im August gelesen

Schon wieder ist ein Monat vorbei und diesmal habe ich es leider verpasst, alle meine Lektüren auf einem Foto festzuhalten. Vielleicht klappt es ja im September wieder — als kleine Gedächtnisstütze sind diese Übersichtsbilder schließlich nicht schlecht.

Verglichen mit dem sehr erfreulichen Lesemonat Juli war der August nicht ganz so ertragreich. Allein schon hinsichtlich der Seitenzahl, aber auch hinsichtlich der Qualität des Gelesenen. Echte Ausreißer nach unten gab es zum Glück keine, aber ob auf der anderen Seite ein großes Highlight dabei war, wird sich erst im September noch herausstellen. Los ging es in den heißen Tagen zu Beginn des Monats mit zwei weiteren Krimis. „Bittersüße Zitronen“, den zweiten Capri-Krimi von Luca Ventura, habe ich recht gern gelesen (sogar lieber als den Vorgänger „Mitten im August“), wobei mich die ganze Machart schon sehr an die von den Öffentlich Rechtlichen produzierten TV-Krimis von diversen touristisch interessanten Orten erinnert hat — hübsche Kulisse und ein bestenfalls halbinteressanter Kriminalfall. (⭐⭐⭐)

Deutlich origineller fand ich da schon „Die Tote im Sturm“, den Auftakt zu einer neuen Schwedenkrimi-Reihe von Kristina Ohlsson. Sympathische Hauptfiguren und ein klug konstruierter Fall zum Miträtseln sind die Pluspunkte des angenehm unblutigen Krimis, den man sicher auch auf weniger als 540 Seiten hätte erzählen können. Getrübt wurde das Lesevergnügen allerdings durch die seltsame Entscheidung des deutschen Verlags, des Rätsels Lösung bereits im Titel auszuplaudern. (⭐⭐⭐1/2)

Nach so viel Mord und Totschlag durfte es dann mal wieder ein Klassiker sein, nämlich Truman Capotes „Die Grasharfe“ aus dem Jahr 1951. Mordopfer gibt es hier keine, wenngleich ein junger Mann bei einem Aufruhr eine Schussverletzung erleidet. Grund für die Auseinandersetzung ist die Besetzung eines Baumhauses durch ein Grüppchen von der Welt (und vor allem von der herrischen Verena Talbo) gegängelter Außenseiter um die kindlich-naive Dolly (Verenas Schwester) und den Waisenjungen Collin (Verenas Neffe). Ein humorvoller Südstaaten-Roman mit ernsthaften Untertönen, aber so recht gepackt hat mich das schmale Buch trotzdem nicht. (⭐⭐⭐)

Als großer Höhepunkt könnte sich schließlich „Papyrus“ herausstellen, Irene Vallejos ausgiebige Reise durch „die Geschichte der Welt in Büchern“. Nach gut 120 von — ohne den umfangreichen Anhang — rund 660 Seiten bin ich sehr angetan von der Lektüre. Die Erzählweise der Spanierin ist fesselnd, dazu erweist sie sich als wahre Meisterin der Abschweifung und des Exkurses. Vielleicht stören der manchmal fehlende Fokus und die kaum zu überblickende Masse an Fakten später noch ein wenig, aber bisher macht das Buch viel Freude. Und meine Lese- und Filmliste ist auch schon wieder ein ganzes Stück länger geworden.

Nach „Papyrus“ widme ich mich in den ersten Tagen des meteorologischen Herbstes dann dem Anfang August leider verstorbenen Jean-Jacques Sempé. Zwei Zusammenarbeiten mit Patrick Süskind habe ich mir herausgesucht, nämlich das wunderbare „Das Geheimnis des Fahrradhändlers“ (Text und Illustrationen von Sempé, deutsche Übersetzung von Süskind) und „Die Geschichte von Herrn Sommer“ (Text von Süskind, Illustrationen von Sempé).

Kristina Ohlsson: Die Tote im Sturm

Mit den Urlaubsorten ihrer Kindheit verbindet viele Menschen eine lebenslange Beziehung — erst recht natürlich, wenn sie das Glück hatten, ihre Ferien Jahr für Jahr am gleichen Ort verbringen zu dürfen. Oft zieht es diese Menschen auch als Erwachsene immer wieder an die liebgewonnenen Plätze ihrer Kindheit zurück. Meist natürlich, um mit ihren eigenen Kindern Urlaub zu machen, manchmal aber auch, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. So wie August Strindberg (nicht der August Strindberg übrigens — „Die Tote im Sturm“ spielt in der Gegenwart und die Namensgleichheit ist einzig und allein der Fantasie der Autorin geschuldet), der nach einem Jahr voller Schicksalsschläge sein altes Leben als Vermögensverwalter in Stockholm hinter sich lässt und sich in einem idyllischen Fischerdörfchen an der schwedischen Westküste, wo seine Großeltern einst ein Sommerhäuschen besaßen, niederlässt. Der Mittvierziger, ein sympathischer Zeitgenosse mit einem Faible für analoge Dinge, hat ein insolventes Bestattungsinstitut (nebst Leichenwagen, den er dank der etwas lebensbejahenderen Optik kurzerhand gelb lackiert) gekauft, in dessen Räumlichkeiten er einen Secondhand-Laden eröffnen und auch wohnen möchte. Bis die entsprechenden Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind, kommt er in einem kleinen Häuschen unter, das er zu einem verdächtig günstigen Preis von einem freundlichen älteren Ehepaar gemietet hat.

Neben der Ankunft August Strindbergs in Hovenäset gibt es am Abend Ende August, an dem die Geschichte des Krimis beginnt, ein weiteres Ereignis. Agnes Eriksson verlässt während eines aufziehenden Sturms das Haus, das sie gemeinsam mit ihrem Mann und dem Sohn im Teenageralter bewohnt, und verschwindet spurlos. Die Suche nach der beliebten Lehrerin wird sofort eingeleitet, bleibt aber erfolglos. Ist Agnes während des Sturms ins Wasser gefallen und ertrunken? Hat sie ihre Familie vorsätzlich verlassen, um ein Geheimnis zu vertuschen, das nicht ans Licht kommen durfte? Oder hat ihr Verschwinden mit einem 30 Jahre alten Mordfall zu tun, der sich just in dem Haus ereignet hat, in dem August nun lebt und das von den Bewohnern Hovenäsets nur „das Eishaus“ genannt wird?

Man weiß es nicht und tatsächlich bleibt fast bis zum Ende des mehr als 500 Seiten starken Romans offen, was an diesem Abend mit Agnes passiert ist. Dass man es aber trotz der von Kristina Ohlsson geschickt konstruierten Handlung doch sehr schnell ahnt, liegt an einer äußerst seltsamen Entscheidung des deutschen Verlags. „Stormvakt“ (zu Deutsch „Sturmwache“) heißt der Krimi im schwedischen Original recht neutral — der deutsche Titel „Die Tote im Sturm“ und der „Mord“, der in roten Lettern hinten auf dem Einband versprochen wird, plaudern da schon deutlich mehr aus. Unverständlich vor allem angesichts einer Geschichte, in der es weniger um die Suche nach einem Mörder geht, sondern eher um die Rekonstruktion von Ereignissen.

Sieht man von dem Spoiler im Titel aber einmal ab, ist dieser August Strindberg eine echte Bereicherung für das Genre des Schwedenkrimis. Sympathische, gut gezeichnete Charaktere, eine ruhige, aber keineswegs langatmige Erzählweise (wobei ein paar Seiten weniger sicher nicht geschadet hätten) und der Verzicht auf blutrünstige Szenen sind die großen Pluspunkte von „Die Tote im Sturm“. Zudem hat Kristina Ohlsson mit dem Thema Familie — in ihrer gelingenden, aber oft auch in ihrer dysfunktionalen Erscheinungsform — einen roten Faden gewählt, der dem Roman eine zusätzliche Ebene und etwas mehr Tiefe gibt.

Nächstes Jahr darf man sich auf den nächsten Krimi um August Strindberg und die Polizistin Maria Martinsson freuen. Bleibt zu hoffen, dass der deutsche Titel dann mit etwas mehr Bedacht gewählt wird.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

#SupportYourLocalBookstore — die hier empfohlenen Bücher kauft Ihr am besten bei Eurer Lieblingsbuchhandlung vor Ort!

Im Juli gelesen

Meine Lektüren im Juli: Passend zur Sommerhitze viel (Krimi-) Unterhaltung und wenig Anspruchsvolles. Erfreulicherweise haben mir drei der vier Bücher gut oder sogar sehr gut gefallen, nur Norbert Scheuers „Mutabor“ fand ich ein wenig rätselhaft. Angesichts des Vorgängers „Winterbienen“, der mich wirklich begeistert hat, leider eine kleine Enttäuschung. (⭐⭐1/2)

Ebenfalls ausführlicher auf dem Blog vorgestellt habe ich Peter Swansons sehr atmosphärischen, erfreulich unblutigen Thriller „Acht perfekte Morde“, der meine Leseliste um einige Klassiker der Kriminalliteratur bereichert hat. (⭐⭐⭐⭐)

Höhepunkte des Monats waren aber die beiden Bücher, die hier bisher nicht erwähnt wurden. Zum einen „Das Buch des Totengräbers“ von Oliver Pötzsch, das Ende des 19. Jahrhunderts in Wien spielt und mich ziemlich an die etwas später angesiedelten, großartigen August Emmerich-Krimis von Alex Beer erinnert hat. Da neben dem jungen Kommissar Leopold von Herzfeldt auch der titelgebende Totengräber und der Wiener Zentralfriedhof eine zentrale Rolle in der Handlung einnehmen, ist der Roman wunderbar morbide und schwarzhumorig — genau nach meinem Geschmack also. Der Nachfolger „Das Mädchen und der Totengräber“ steht bereits weit oben auf meiner Wunschliste. (⭐⭐⭐⭐1/2)

Eine unglaublich triste und traurige, dabei aber auch sehr zärtliche und berührende Familiengeschichte erzählt Chris Whitaker in „Von hier bis zum Anfang“. Die Mischung aus Rache-Western, Roadtrip und Liz Moores ebenfalls sehr empfehlenswertem Roman „Long Bright River“ mit ihren unvergesslichen Charakteren wird mich so schnell nicht loslassen. Ende Juni ist außerdem Chris Whitakers dem Vernehmen nach nach ähnlichem Muster gestrickter Debütroman „Was auf das Ende folgt“ in deutscher Übersetzung erschienen — sicher auch ein lesenswertes Buch. (⭐⭐⭐⭐1/2)

Für den August liegen nun erst einmal zwei weitere Krimis aus Italien und Schweden bereit und dann bin ich gespannt, wohin mich die Leseabenteuer des neuen Monats wohl noch führen. Genießt den Sommer (trotz der gerade enormen Hitze)!

Peter Swanson: Acht perfekte Morde

Bücher, in denen andere Bücher, Buchhandlungen und/oder Bibliotheken eine wichtige Rolle einnehmen, haben schon immer eine besondere Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Kein Wunder also, dass mich bereits der Klappentext von Peter Swansons neuem Thriller „Acht perfekte Morde“ fast magisch angezogen hat. Ein zentrales Element des Buches ist nämlich eine Liste von — man ahnt es vielleicht — perfekten Morden aus der Kriminalliteratur, die Malcolm Kershaw, Buchhändler und Besitzer des „Old Devils Bookstore“ in Boston, einst für den Blog seines Ladens zusammengestellt hat.

Jahre nach der Veröffentlichung der Liste taucht die FBI-Agentin Gwen Mulvey in dem herrlichen Laden auf, in dem ich nur zu gerne selbst einmal herumstöbern und der Angestellten mit der Vorliebe für T-Shirts der Band The Decemberists zu ihrem hervorragenden Musikgeschmack gratulieren möchte, und äußert den Verdacht, dass eine Reihe von Verbrechen in Neuengland im Zusammenhang mit Malcolms Liste stehen könnte. Offenbar treibt ein Täter sein Unwesen, der die Morde aus den erwähnten Krimis mehr oder weniger präzise nachstellt.

Im Buchhandel aktuell erhältlich sind die Romane von Agatha Christie (Atlantik), Patricia Highsmith (Diogenes) und Donna Tartt (Goldmann). Den Rest gibts antiquarisch und sicher auch in der ein oder anderen Bibliothek — viel Spaß beim Stöbern!

Der geschockte Malcolm bietet an, Agent Mulvey bei den Ermittlungen mit seiner Krimi-Expertise zu unterstützen und in den Romanen der Liste nach Hinweisen auf das weitere Vorgehen des Mörders zu suchen. Ganz so überrascht, wie es zu Beginn den Anschein macht, ist der Buchhändler von den Morden und dem Auftauchen des FBI allerdings nicht. Auch hat keineswegs ein irrer Serienmörder zufällig die Liste im Internet entdeckt und als Inspiration für seine grausigen Taten verwendet — Malcolm steckt selbst ziemlich tief in der Sache mit drin, und das schon seit Jahren…

Dass Peter Swanson die Handlung von „Acht perfekte Morde“ aus Sicht seines Protagonisten, der sich dann und wann auch direkt an die Leserschaft wendet, erzählen lässt, erweist sich als grandioser Kunstgriff. Schnell baut man als Leser*in eine Beziehung zum äußerst sympathischen, manchmal etwas schüchtern und unbeholfen wirkenden Malcolm auf und mag ihn auch dann noch gerne, wenn er einem Dinge offenbart, die ganz und gar nicht harmlos sind. Ein wenig erinnert er damit an Patricia Highsmiths Tom Ripley, der ebenfalls trotz seiner diversen Untaten immer ein Sympathieträger bleibt. Auch der Geschichte tut es gut, dass die Wahrheit nur häppchenweise ans Licht kommt. So gibt es in fast jedem Kapitel des ruhig erzählten, erfreulich unblutigen Thrillers eine überraschende Wendung.

Gegen Ende hin entfernt sich „Acht perfekte Morde“ leider ein wenig von seiner Ursprungsidee und die Auflösung wirkt etwas arg weit hergeholt. Trotzdem bleibt der Roman, der in erster Linie von seiner hervorragenden Atmosphäre und den zahlreichen Querverweisen auf Kriminalromane und Filme getragen wird, bis zum Schluss spannend.

Eine große Empfehlung — und wer danach Lust auf weitere Krimis hat, ist nach der Lektüre von „Acht perfekte Morde“ nicht nur dank Malcolm Kershaws Liste mit einer großen Menge an Empfehlungen ausgestattet.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

#SupportYourLocalBookstore — die hier empfohlenen Bücher kauft Ihr am besten bei Eurer Lieblingsbuchhandlung vor Ort!

Jan Costin Wagner: Am roten Strand

In seinem ersten Fall „Sommer bei Nacht“ ließ das Ermittlungsteam um Ben Neven bei der Suche nach einem vermissten Fünfjährigen ein Netzwerk von Männern auffliegen, die sich über viele Jahre hinweg des Kindesmissbrauchs in seiner schlimmsten Form schuldig gemacht hatten. Da Jan Costin Wagner in seinem neuen Kriminalroman direkt an die Ereignisse des preisgekrönten Vorgängers anknüpft, ist es durchaus sinnvoll, die beiden Bände nacheinander zu lesen. Nach einer kurzen Orientierungsphase findet man sich aber auch ohne genauere Kenntnis des ersten Falls schnell in „Am roten Strand“ zurecht.

Der Kopf des Missbrauchs-Netzwerks sitzt inzwischen in Untersuchungshaft, nach weiteren Mitgliedern wird fieberhaft gefahndet. Der mutmaßliche Administrator des Chatforums, in dem schrecklichste Bilder und Videos getauscht wurden, wird unmittelbar vor seiner Verhaftung vergiftet, ein anderer Tatverdächtiger beim Joggen in einem Park erstochen. Mehrere Motive sind für die Polizei denkbar: Entweder wollte sich ein inzwischen erwachsenes, ehemaliges Opfer an den Männern rächen, oder ein Mitglied des Netzwerks wollte die beiden zum Schweigen bringen, ehe sie weitere Mittäter enttarnen und belasten. Egal, welche Theorie zutrifft, stecken die Ermittlerinnen und Ermittler in einer Zwickmühle. Sie müssen Männer schützen, die selbst schwere Schuld auf sich geladen haben und vor deren unentschuldbaren Taten sie sich ekeln. Für Ben Neven selbst tut sich aber noch ein ganz anderes Problem auf. Bei der Durchsicht des für andere nur schwer erträglichen Beweismaterials findet er heraus, dass ihn einige der Darstellungen keineswegs so sehr abstoßen, wie sie es eigentlich sollten…

Täter, die zu Opfern werden, Opfer, die zu Tätern werden, Polizisten, die nicht wissen, auf welcher Seite sie eigentlich stehen, unscheinbare Familienväter, die monströse Verbrechen begehen und schwer traumatisierte Betroffene von Kindesmissbrauch: „Am roten Strand“ ist ein Krimi, der seinen Leserinnen und Lesern einiges zumutet. Uneingeschränkt empfehlenswert ist das Buch deshalb nicht unbedingt, denn man muss sich schon genau überlegen, ob man sich auf die bedrückende Thematik einlassen möchte. Falls ja, bekommt man trotz der etwas vorhersehbaren Auflösung einen hervorragenden, dank der kurzen Abschnitte und ständig wechselnden Erzählperspektiven temporeichen Roman zu lesen, mit dem Jan Costin Wagner einmal mehr seinen Ruf als einer der besten deutschen Krimiautoren untermauert. Ein schlichtes Gut-Böse-Schema sucht man in „Am roten Strand“ ebenso wie allzu explizite Gewaltdarstellungen vergebens — vielmehr lauert das Grauen im Hintergrund und nicht zuletzt verborgen hinter dem ersten Anschein nach bürgerlichen Fassaden.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

#SupportYourLocalBookstore — die hier empfohlenen Bücher kauft Ihr am besten bei Eurer Lieblingsbuchhandlung vor Ort!

Kurz rezensiert, Folge 2

J. R. Moehringers Memoir „Tender Bar“ stand mehrere Jahre ungelesen und beinahe vergessen in meinem Regal. Erst George Clooneys Verfilmung (die ich bisher noch nicht gesehen habe) ermunterte mich, den Roman doch endlich einmal zu lesen. Und was soll ich sagen: Es wäre eine Schande gewesen, hätte dieses wundervolle Buch noch länger unbeachtet herumgestanden.

„Tender Bar“ ist in erster Linie ein autobiographischer Coming-of-Age-Roman über den jungen J. R. Moehringer, der in einer etwas chaotischen Patchworkfamilie auf Long Island aufwächst, später in Yale studiert und als Nachwuchs-Reporter bei der New York Times anheuert. Ein beachtlicher Aufstieg, der ihn aber nicht recht glücklich macht. Ein Platz, an dem er sich allerdings immer geborgen fühlt und an dem er mehr über das Leben und sich selbst lernt als an jeder Eliteuni, ist das „Publicans“, die Bar, in der sein Onkel Charlie hinter dem Tresen steht.

Von den liebenswerten, ebenso schrägen wie lebensklugen Gestalten, die die Bar bevölkern, kann man auch als Leser*in jede Menge lernen, so dass es am Ende schwerfällt, diesen warmherzigen, bittersüßen und humorvollen Roman aus der Hand zu legen.

Jedes Buch ist ein Wunder. Jedes Buch repräsentiert einen Augenblick, in dem jemand ruhig – und diese Ruhe ist zweifellos ein Teil des Wunders – dasaß und versucht hat, dem Rest von uns eine Geschichte zu erzählen.

J. R. Moehringer: Tender Bar

***

Die Bücher des Norwegers Jørn Lier Horst gehören seit ein paar Jahren zu meinen bevorzugten Kriminalromanen aus dem hohen Norden. Zum einen, weil sie mit Kommissar William Wisting einen sehr sympathischen Protagonisten haben, der keineswegs ohne Fehler ist, sich aber nicht in die Riege der zynischen, vom Leben schwer gebeutelten Persönlichkeiten einreiht, die sonst gerne in skandinavischen Krimis ermitteln. Zum anderen, weil sie so gut geschrieben und klug aufgebaut sind, dass sie ganz ohne bizarre Ritualmorde und drastische Gewaltszenen jede Menge Spannung aufbauen.

„Eisige Schatten“, im Original 2013 erschienen und nun neu aufgelegt (deutsche Übersetzung von Andreas Brunstermann), gehört zu den stärksten Bänden der Reihe. Mehr oder weniger durch einen Zufall kommt die Polizei einem seit fast 20 Jahren abgetauchten amerikanischen Serienmörder auf die Spur, der sich in Norwegen im Leben eines Anderen „eingenistet“ und lange völlig unbemerkt weitergemordet hat. Neben der dramatischen, fintenreichen Jagd auf den Täter beschäftigt sich der Roman auch mit gesellschaftlichen Fragen. Wie kann es zum Beispiel sein, dass Menschen zwar mitten unter uns leben, aber so einsam und für andere unsichtbar sind, dass niemand ihr Verschwinden bemerkt? Eine große Leseempfehlung!

Kurz rezensiert, Folge 1

Was für ein literarisches Debüt im zarten Alter von 73 Jahren! Der renommierte Schauspieler Edgar Selge erzählt in seinem autofiktionalen Roman „Hast du uns endlich gefunden“ von seiner Kindheit in den 1950er und frühen 1960er Jahren. Der Vater, ein Jurist und Gefängnisdirektor, gefällt sich in der Rolle des schöngeistigen, musikbegeisterten Bildungsbürgers, ist aber zugleich ein äußerst impulsiver und jähzorniger Zeitgenosse. Die feinfühlige, gesundheitlich angeschlagene Mutter opfert sich auf für die von einigen Schicksalsschlägen gebeutelte Familie, obwohl Ehe und Kinderkriegen nie ihr großer Traum waren. Außerdem sind die dunklen Schatten der noch nicht allzu lange vergangenen NS-Zeit nach wie vor allgegenwärtig, was immer wieder zu Konflikten zwischen den älteren Söhnen und dem Vater führt — der störrische Edgar versteht es gekonnt, diese Streitigkeiten mit gezielten Sticheleien weiter anzufachen.

Das ganze Leben ist eine zerbrechliche Konstruktion, das wissen wir jetzt und dürfen uns darüber wundern, dass wir das immer wieder vergessen.

Edgar Selge: Hast du uns endlich gefunden

„Hast du uns endlich gefunden“ ist ein großartig geschriebenes, ebenso erschütterndes wie zärtliches und humorvolles Buch über das Erwachsenwerden, die Schicksalsgemeinschaft einer Familie und späte Versöhnung. Unbedingt lesen!

***

Thomas Mullens „Darktown“-Trilogie gehört zweifelsohne zu den interessantesten Krimireihen der letzten Jahre. Weniger, weil die gelösten Fälle so spektakulär sind (spannend und voller Wendungen sind sie natürlich trotzdem), sondern vor allem, weil die Bücher großartige Porträts einer Zeit voller Umbrüche sind. „Darktown“, der erste Band, setzt im Jahr 1948 ein, als in Atlanta gerade die ersten Schwarzen Streifenpolizisten ihren Dienst antreten und sich mit korrupten weißen Polizeibeamten, offen zur Schau getragenem Rassismus und Vorbehalten aus der eigenen Community auseinandersetzen müssen.

Der letzte Teil der Reihe, „Lange Nacht“, spielt im Jahr 1956 und dreht sich um den Mord am Verleger der größten Schwarzen Tageszeitung Atlantas, bei der Tommy Smith (in den ersten beiden Bänden ist er noch als Gesetzeshüter auf den Straßen unterwegs) inzwischen als Reporter angeheuert hat. Die Jim-Crow-Gesetze spielen bei der Aufklärung des Falles ebenso eine Rolle wie die Kommunistenverfolgung der ausgehenden McCarthy-Ära. Außerdem wird die dank Martin Luther King und dem Busboykott von Montgomery langsam größer werdende Bürgerrechtsbewegung thematisiert, am Rande werden das auch von Bob Dylan besungene Schicksal des jungen Emmett Till und das aus dem gleichnamigen Film bekannte „Green Book“ erwähnt. Schade, dass „Darktown“ mit „Lange Nacht“ endet, denn auch aus den folgenden Jahren hätte es noch viel zu erzählen gegeben.

Mord beim Winterball

Die Feiertagssaison neigt sich zwar langsam ihrem Ende entgegen, aber es bleiben noch viele lange und dunkle Winterabende, die mit kurzweiliger Lektüre gefüllt werden wollen. Zum Beispiel mit „16 Uhr 50 ab Ellingen“ von Sigrun Arenz. Im aktuellen Roman der in Fürth lebenden Autorin, Übersetzerin und Lehrerin (und jüngeren Schwester von Ewald Arenz) treffen Agatha Christie, Jane Austen und ein prächtiges Schlosshotel im Fränkischen Seenland aufeinander.

Auf einen kniffligen Kriminalfall deutet zu Beginn der Geschichte eigentlich gar nichts hin. TV-Journalist Markus Wieland und Kamerafrau Elif Aydin sollen für die „Sport und Hobby“-Serie ihres Senders einen Beitrag über Regency Dancing in Franken drehen. Passendes Bildmaterial dafür bietet sich beim Winterball im Schlosshotel Ellingen, auf dem vorwiegend weibliche Jane-Austen-Fans von nah und fern zusammenkommen und für einen Abend in mehr oder weniger historisch korrekten Outfits im Flair des frühen 19. Jahrhunderts schwelgen.
Schon bald bemerken Markus und Elif gewisse Spannungen und Eifersüchteleien unter den Gästen, ahnen aber noch nichts von der Tragödie, die sich später am Abend ereignen soll. Karoline Behrens, ein wegen ihrer Detailversessenheit gleichermaßen bewundertes wie gefürchtetes Mitglied der historischen Tanzszene, wird tot im Rosengarten des Hotels gefunden — alles deutet darauf hin, dass sie ermordet wurde.
Während die Polizei eher halbherzig ermittelt, versuchen Markus und Elif, das Rätsel auf eigene Faust zu lösen. Ein eindeutiges Mordmotiv lässt sich zwar nicht erkennen, aber einige der Anwesenden verhalten sich höchst verdächtig. War Karoline Behrens in eine Intrige verstrickt oder musste sie sterben, weil sie ihre Nase in Angelegenheiten gesteckt hat, die sie nichts angingen?

Rivalisierende Tanzlehrer*innen, Familienstreitigkeiten, toxische Beziehungen, Drogen, krumme Geschäfte mit Antiquitäten — nahezu alle Figuren in „16 Uhr 50 ab Ellingen“ haben etwas zu verbergen. Genug Gelegenheiten für falsche Fährten und plötzliche Wendungen. Die Auflösung präsentieren die beiden Hobby-Ermittler am Ende stilecht vor versammelter Mannschaft im Speisesaal des Schlosshotels. Ganz überraschend fällt diese zwar nicht aus, aber dennoch ist Sigrun Arenz ein lesenswerter Cosy-Krimi gelungen, der viel Vergnügen bereitet. Ein stimmungsvoller Handlungsort, schrullige Figuren und mit Markus Wieland und Elif Aydin zwei sympathische Protagonist*innen, denen man gerne wieder einmal begegnen möchte — die perfekten Zutaten für ein paar gemütliche winterliche Leseabende.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

#SupportYourLocalBookstore — die hier empfohlenen Bücher kauft Ihr am besten bei Eurer Lieblingsbuchhandlung vor Ort!

Bücher und Musik für den Wunschzettel

Es ist Adventszeit und obwohl es momentan sehr schwer ist, halbwegs zuversichtlich auf die kommenden Festtage zu blicken, schadet es sicher nicht, sich ein paar Gedanken zu machen, womit man seinen Lieben (oder sich selbst) eine Freude machen kann. Deshalb an dieser Stelle eine kleine Zusammenstellung von Büchern und Schallplatten, die mir im zu Ende gehenden Jahr besonders gut gefallen haben — verbunden mit der Hoffnung, dass sich darunter auch die eine oder andere Anregung für Euch findet.

Für spannende Lesestunden:

Krimis sind immer dann besonders lesenswert, wenn sie über den Tellerrand des zu lösenden (Mord-) Falles hinausblicken und auch etwas über die Zeit und die Gesellschaft erzählen, in der die Handlung spielt. Hervorragend glückt dieser Spagat sowohl Alex Beer in ihrer Reihe um Kommissar August Emmerich (mit „Der letzte Tod“ ist gerade der fünfte Band erschienen) als auch Thomas Mullen mit seiner „Darktown“-Trilogie, die bei DuMont inzwischen komplett als Taschenbuchausgabe vorliegt. Hier das heruntergekommene Wien der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, dort Atlantas erste Schwarze Polizisten in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren — zwei gänzlich verschiedene Welten mit ihren ganz eigenen Problemen, aber doch auch überraschend vielen Gemeinsamkeiten.
Nicht in der Vergangenheit, aber trotzdem in einer für die allermeisten der Leserinnen und Leser fremden Umgebung, nämlich in einem von Drogen und Kriminalität geprägten Problembezirk Philadelphias, spielt Liz Moores „Long Bright River“. Gleichermaßen ein packender Kriminalroman wie auch eine berührende Familiengeschichte.
Eines haben all diese Romane gemeinsam: Man wird bestens unterhalten und ist nach der Lektüre ein klein wenig klüger.

Zeit für Freunde und alte Bekannte:

Die Figuren aus Sven Regeners Romanen rund um Frank Lehmann und dessen Dunstkreis gehören seit vielen Jahren zum eigenen Bekannten-, wenn nicht gar Freundeskreis. In „Glitterschnitter“, angesiedelt im Kreuzberg des Jahres 1980, gibt es nun ein freudiges Wiedersehen. Die ewig gleichen Typen, die immer die gleichen Geschichten erzählen — fast wie Weihnachten in der eigenen Familie.
Etwas komplexer als im mit viel Wortwitz und Situationskomik glänzenden Roman von Sven Regener wird das Thema Freundschaft in Benjamin Myers‘ „Der perfekte Kreis“ und Beatrix Kramlovskys „Fanny oder Das weiße Land“ verhandelt. Der Brite Myers erzählt von zwei Außenseitern, die kaum etwas verbindet außer das mit fast religiösem Eifer verfolgte Unterfangen, den perfekten Kornkreis zu kreieren; bei Kramlovsky flieht ein Grüppchen österreichischer Soldaten im Frühjahr 1918 aus der russischen Kriegsgefangenschaft und macht sich auf den gefährlichen Heimweg ins 12.000 Kilometer entfernte Wien. In beiden Büchern schweißt ein gemeinsames Ziel höchst unterschiedliche Menschen zusammen. Dass Zusammenhalt und Freundschaft gerade in schweren Zeiten unverzichtbar sind und man gemeinsam viel mehr erreichen kann als allein, mögen zwar keine allzu bahnbrechenden Erkenntnisse sein — aber gerade jetzt schadet es nicht, noch einmal daran erinnert zu werden. Am besten natürlich verpackt in solch grandiose Geschichten.

Zum Anhören:

  • Big Red Machine: „How Long Do You Think It‘s Gonna Last?“
    Das zweite Album der Indie-Supergroup um Justin Vernon (Bon Iver) und Aaron Dessner (The National) besticht durch ein beeindruckendes Arsenal an Gaststars von Taylor Swift und Ben Howard bis hin zu Anaïs Mitchell und Robin Pecknold (Fleet Foxes) sowie durch seine überbordende Kreativität und Spielfreude. Eine Platte für die Ewigkeit!
  • Locas In Love: „Winter“
    Ein echter Dauerbrenner ist die bereits 2008 erschienene Platte der leider nach wie vor sträflich unterschätzten Kölner Band. So tröstlich, hellsichtig und mutmachend wie in diesen tristen Pandemiewintern klang „Winter“ allerdings noch nie. Musik wie eine warme Decke.
  • Keaton Henson: „Fragments“
    Ein halbes Dutzend eher nebenbei entstandene Songs reichen dem schüchternen britischen Multitalent Keaton Henson für ein kleines Meisterwerk von herzzerreißender Schönheit. Verschenkt man am besten mit einer Großpackung Taschentücher.
  • The Killers: „Pressure Machine“
    Bombast, hymnische Refrains und Stadionrock — all die Dinge, mit denen man The Killers aus Las Vegas gemeinhin verbindet, findet man auf „Pressure Machine“ nicht. Stattdessen steht das neue Album in der Tradition von Bruce Springsteen und Tom Petty und stellt eindrucksvoll unter Beweis, was für ein hervorragender Geschichtenerzähler Brandon Flowers doch ist. Alles richtig gemacht!

#SupportYourLocalBookstore — die hier empfohlenen Bücher kauft Ihr am besten bei Eurer Lieblingsbuchhandlung vor Ort!