Während andere sich fragen, was Helmut Schmidt zur aktuellen Weltlage sagen würde, frage ich mich zuweilen eher, was Loriot (* 12. November 1923) wohl gerade sagen würde. Vermutlich: „Ach was!“
Pünktlich zum 102. Geburtstag wurde bekannt gegeben, dass Loriots gesamter künstlerischer Nachlass als Dauerleihgabe ans Caricatura Museum geht. Da sind sicher noch einige großartige Ausstellungen zu erwarten. ↩︎
Während sich die Weltereignisse nach wie vor überschlagen, hat sich im Kleinen eine Art Frühjahrsmüdigkeit breit gemacht. Ich bin immer noch mit den selben Büchern wie zuletzt beschäftigt und ein nettes Foto zum Herzeigen habe ich auch nicht.
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Traurig gemacht hat mich am Montag die Nachricht vom Tod des Schauspielers Hans Peter Korff, der als Onkel Hellmuth aus Loriots »Pappa Ante Portas« über die Jahre zu einer Art Familienmitglied geworden ist. Gerade in der unvergesslichen Szene im Zug wird er für mich für immer weiterleben – ebenso wie die ebenfalls schmerzlich vermissten Loriot, Evelyn Hamann und Irm Hermann.
Wenigstens Gerrit Schmidt-Foß alias Dieter Lohse ist uns von dem Quintett aus dem Speisewagen erhalten geblieben. Dass er seit langen Jahren als deutsche Stimme von u. a. Leonardo Di Caprio und Jim Parsons zu hören ist, ist mindestens eine so schöne Geschichte wie die des ehemaligen Boxweltmeisters Michael Jackson, der »übermorgen ein Konzert in der Messehalle gibt«.
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Ansonsten Jubiläen, wohin man schaut: Seit 25 Jahren ist der Perlentaucher unverzichtbar für alle Literatur- und Kulturinteressierten. Begründer Thierry Chevrel blickt in der Lesart von Deutschlandfunk Kultur zurück auf das letzte Vierteljahrhundert.
Und dann haben wir ja auch noch fünf Jahre Corona, wobei ich das hier nur erwähne, um auf das Thriller-Debüt des damals sehr präsenten Virologen und Neu-MdB Hendrik Streeck hinzuweisen. Lesen werde ich »Das Institut. Im Schatten der Wissenschaft« aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.
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Als interessante Neuerscheinungen habe ich zuletzt auf meiner Leseliste notiert:
Am 12. November 2023 jährte sich der Geburtstag von Vicco von Bülow alias Loriot zum 100. Mal – Anlass genug für das Caricatura Museum in Frankfurt am Main, dem großen Humoristen unter dem Titel »Ach was! Loriot zum Hundertsten« eine umfangreiche Ausstellung zu widmen. Als langjähriger Fan, der von sich behauptet, ganze Passagen aus Sketchen und den beiden Filmen »Ödipussi« und »Pappa Ante Portas« fehlerfrei mitsprechen zu können, durfte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen.
Die liebevoll aufgemachte Ausstellung erstreckt sich über alle vier Ebenen des schmucken Museums nahe des Doms und bietet einen umfassenden Überblick über Loriots gesamtes künstlerisches Schaffen. Fürs Bewegtbild wurde ein kleines Kino eingerichtet, zu den Highlights unter den sonstigen Exponaten gehören Drehbücher mit handschriftlichen Anmerkungen Loriots, Folien aus dem Sketch »Herren im Bad« und – besonders schön – das Spielzeug-Atomkraftwerk, mit dem Familie Hoppenstedt an Weihnachten so viel Freude hatte (»Puff!« hat es aber leider nicht gemacht).
Vieles, was es zu sehen gab, war mir natürlich schon hinlänglich bekannt (nicht dazu gehörten allerdings die Bühnenmodelle und andere Exponate von Loriots Opern-Inszenierungen), aber es war trotzdem eine große Freude, das alles gesammelt und gut kuratiert an einem Ort zu sehen. Und überhaupt hat das Wiedererkennen und Erinnern am meisten Spaß gemacht – offenbar nicht nur mir, sondern auch den anderen Besucherinnen und Besuchern. Selten habe ich in so kurzer Zeit so viele unterschiedliche Menschen Loriot-Zitate murmeln hören.
Wunderbar, dass Loriot auch heute noch jede Menge Menschen verschiedener Altersgruppen begeistert, wobei ich mit meinen 41 Jahren doch zu den jüngeren Personen im Museum gehörte. Apropos »jede Menge Menschen«: Obwohl ich an einem Dienstagnachmittag dort war, war es wirklich enorm voll in der Ausstellung. Manche Gänge des verwinkelten Museums waren teilweise kaum zugänglich – gelegentlich hätte ich mir etwas mehr Platz gewünscht, um alles mit ein wenig mehr Ruhe betrachten zu können.
Laut der Frau an der Museumskasse soll der Andrang in der Regel gegen 17 Uhr nachlassen – also lieber etwas später kommen. Die Ausstellung wurde bis zum 12. Mai verlängert, das Caricatura Museum (Weckmarkt 17) hat von Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.