Eine Reise durch unsere Natur

Vor gut zwei Jahren gelang Jan Haft mit „Die Wiese“ ein Erfolg sowohl im Buchhandel (eine ausführliche Vorstellung findet sich u. a. bei Elementares Lesen) als auch im Kino. Auch „Heimat Natur“, das neue Werk des renommierten Naturfilmers und Biologen, ist als Doppelveröffentlichung angelegt. Ums Buch geht es in den folgenden Zeilen, der Film soll nach aktuellem Stand am 10. Juni in den Lichtspielhäusern anlaufen.

Widmete sich Jan Haft in „Die Wiese“ noch einem kleinen, überschaubaren Lebensraum — dem „Paradies nebenan“, wie es in der Unterzeile des Films heißt — geht es in „Heimat Natur“ nun um eine Bestandsaufnahme der sieben großen Lebensräume in Deutschland: Alpen, Wald, Fluss, Feldflur, Heide, Moor und Küste. Jedem dieser Ökosysteme nähert sich der Autor auf eine ähnliche Weise. Er erklärt, wie sich dieser Lebensraum im Laufe der Zeit — oft Millionen von Jahren — entwickelt hat und welchen Einfluss der Mensch auf diese Entwicklung genommen hat. Etwa, indem Flüsse begradigt und zu Wasserstraßen ausgebaut wurden oder durch die Intensivierung der Wald- und Landwirtschaft.

Selbst, wer die aktuellen Nachrichten nur am Rande verfolgt, weiß natürlich, dass die meisten Naturräume mit erheblichen Herausforderungen vielfältiger Art zu kämpfen haben. Abschmelzende Gletscher, unbeabsichtigter Stickstoffeintrag in die Meere durch den massenhaften Einsatz von Kunstdünger in der Landwirtschaft, Artensterben, Klimaerwärmung, Dürresommer und vieles mehr lassen für die Zukunft nicht allzu viel Gutes erhoffen. All diese Probleme nennt Jan Haft natürlich, vergisst aber nicht, auch auf die positiven Entwicklungen hinzuweisen, die es tatsächlich ebenfalls gibt. So ist das Wasser unserer Flüsse deutlich sauberer und weniger mit Giftstoffen belastet als noch vor ein paar Jahrzehnten. Auch Wälder und Almwiesen werden heute in der Regel nachhaltiger bewirtschaftet als früher und durch aufwändige Wiederansiedlungsprojekte sind bereits fast oder ganz ausgestorbene Arten zurück in ihrem ehemaligen Lebensraum. Ein gutes Beispiel dafür ist die geplante Auswilderung mehrerer Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden.

Noch gibt es da draußen eine wunderbare Vielfalt, und es blüht und zwitschert und summt. Noch ist es für unsere Heimat Natur nicht zu spät.

Jan Haft

So ist „Heimat Natur“ ein Buch, das trotz all der erwähnten Herausforderungen und Probleme auch Hoffnung macht, dass wir die Kurve vielleicht doch noch kriegen und die vielfältigen natürlichen Lebensräume unserer Heimat erhalten. Der sympathische Plauderton und die Begeisterung, mit der Jan Haft unter anderem von grünen Regenwürmern, Gelbbauchunken und „Zombie-Bäumen“ erzählt, ist jedenfalls ansteckend und macht große Lust darauf, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen. Letztlich ist genau das die Voraussetzung dafür, sich selbst für den Erhalt der Natur einzusetzen — nur das, was man kennt und einem am Herzen liegt, kann man schließlich auch schützen.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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  • Der Film „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“ läuft am Donnerstag, 3. Juni, um 14.30 Uhr im BR Fernsehen.

Botanische Weltreise

Vor knapp drei Jahren legten der britische Botaniker Jonathan Drori, ehemals Kurator der Royal Botanic Gardens in Kew, und die französische Illustratorin Lucille Clerc mit ihrem gemeinsamen Buch „In 80 Bäumen um die Welt“ (mehr dazu u. a. bei Elementares Lesen) einen veritablen Weltbestseller hin. Nun hat sich das Duo einmal mehr zusammengetan und mit „In 80 Pflanzen um die Welt“ (deutsche Übersetzung von Bettina Eschenhagen) einen noch farbenprächtigeren Nachfolger verfasst.

Wie der Titel bereits vermuten lässt, ist das Buch ganz ähnlich aufgebaut wie sein Vorgänger, nur dass der Fokus der Weltreise — von Jonathan Droris britischer Heimat bewegt man sich immer in Richtung Osten — nun eben nicht auf Bäumen, sondern auf Pflanzen liegt. Dank der Vielfalt an Formen und Farben sind die entsprechenden, teils ganzseitigen Illustrationen von Lucille Clerc diesmal eine noch größere Augenweide voller kleiner Details. Allein das Blättern in diesem Buch ist die reine Freude. Lesen sollte man die jeweils eine bis knapp drei Seiten langen Porträts der einzelnen Pflanzen natürlich ebenfalls, denn der mit einem feinen Humor gesegnete Drori versteht es bestens, botanische Besonderheiten mit einer kurzen Kulturgeschichte und kuriosen Fakten zu verbinden.

Wer hätte zum Beispiel vorher gewusst, dass die junge, noch unbekannte Marilyn Monroe einst Artischocken-Ehrenkönigin des kalifornischen Städtchens Castroville war, oder dass vornehme Briten im 18. Jahrhundert gerne eine Ananas als Statussymbol mit sich herumtrugen? Auch die Frage, warum die Banane krumm ist, wird hier ein für alle Mal beantwortet (ohne zu viel verraten zu wollen: die Sonne spielt dabei eine wichtige Rolle). Allerdings erfährt man nicht nur Neues über auch in unseren Breiten fast alltägliche Pflanzen, sondern lernt auch ganz neue Gewächse kennen. Etwa den Ibogastrauch aus Gabun mit seinen psychoaktiven Früchten, die bizarre Welwitschie aus Angola oder die Riesenrafflesie, einen in Malaysia vorkommenden Parasiten mit kohlkopfgroßer Knospe.

Am Stück gelesen, enthält „In 80 Pflanzen um die Welt“ fast schon zu viele Informationen. Aber zum schnellen Durchlesen von vorne nach hinten ist dieses wunderbare Buch ja auch gar nicht da. Vielmehr sollte man es als einen dauerhaften Begleiter betrachten, den man immer wieder gerne zur Hand nimmt.

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Auf Entdeckungsreise

Beim Verlag C. H. Beck hat man seit einer Weile ein Herz für Orte, die auf irgendeine Weise besonders oder ungewöhnlich sind. So erschienen von verschiedenen Autoren (aber stets mit Illustrationen von Lukas Wossagk) zuletzt Bücher über „Die seltsamsten Orte der Antike“ und „Die seltsamsten Orte der Religionen“. Pia Volks „Deutschlands schrägste Orte“ (ursprünglich tatsächlich angekündigt als „Die seltsamsten Orte Deutschlands“) reiht sich da trotz des leicht abweichenden Titels nahtlos ein und kommt genau zur richtigen Zeit. Echte Reisen sollten schließlich tunlichst unterlassen werden, aber das Reisen im Lesesessel mit einem Buch vor der Nase ist natürlich uneingeschränkt erlaubt und erwünscht.

Und selbst bei der Entdeckung der Welt von zu Hause aus muss es nicht immer in die Ferne gehen, denn allzu oft findet sich Interessantes und Bemerkenswertes auch in der näheren Umgebung, wie die etwas mehr als 50 von der Autorin ausgewählten und in verschiedene Themengebiete wie „Bizarre Landschaften“, „Obskure Objekte“ oder „Vorstellungswelten“ aufgeteilte Orte beweisen. Um klassische Sehenswürdigkeiten im touristischen Sinne handelt es sich bei den meisten nicht, obwohl einige davon inzwischen ausschließlich Tourismuszwecken dienen. Bestes Beispiel dafür ist die Indoor-Ferienanlage „Tropical Islands“ in Brandenburg. In der riesigen Halle, in der Urlaubshungrige heute künstliche Regenwälder und Sandstrände finden, wollte in den 1990er Jahren eine längst insolvente Firma Luftfrachtschiffe bauen und warten.

Einige der vorgestellten Orte — etwa das Nördlinger Ries — sind von Natur aus so, wie sie sind, die meisten dagegen sind untrennbar mit der wechselvollen Geschichte verbunden. Neben territorialen Verschiebungen, die diverse Enklaven und Exklaven wie Büsingen am Hochrhein oder die sorbischen Dörfer in Sachsen hervorgebracht haben, gehen viele der von Pia Volk ausgewählten „schrägen Orte“ aufs Konto des nationalsozialistischen Größenwahns, der Planungswut der DDR und der „autogerechten“ Umgestaltung der Städte in der Nachkriegszeit oder sind Spätfolgen des Braun- oder Steinkohleabbaus. Allen Orten gemein ist, dass sich hinter ihnen eine spannende Geschichte verbirgt, die es wert ist, erzählt zu werden. Je nachdem, wie viel diese hergibt, erstrecken sich Pia Volks gut recherchierte und in einem sympathischen Tonfall erzählte Reportagen in der Regel über drei bis fünf Seiten.

Was dem Buch allerdings ein wenig fehlt, sind ein paar begleitende Fotografien. Dank der zu Beginn eines jeden Kapitels angegebenen Koordinaten lassen sich die Orte zwar in Windeseile auf der Karte und im Internet finden, aber den Kronleuchter in der Kölner Kanalisation oder Väterchen Timofei und dessen auf dem späteren Olympiagelände in München ohne Baugenehmigung errichtete Kapelle hätte man schon gerne direkt beim Lesen vor Augen gehabt.

Trotzdem weckt „Deutschlands schrägste Orte“ die Lust, sich selbst auf Entdeckungsreise zu begeben. Entweder an den ein oder anderen im Buch vorgestellten Ort oder auf eigene Faust vor der eigenen Haustür. „Schräge Orte“ gibt nämlich überall — man muss nur genau hinschauen.

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Sieben Bücherschau-Fundstücke

Gestern öffnete die diesjährige Münchner Bücherschau ihre (virtuellen) Pforten. Obwohl das haptische Erlebnis und das Gewusel im Gasteig diesmal sehr fehlen, lohnt sich auch die gelungene Online-Variante. Noch bis zum 29. November kann man nach Herzenslust herumstöbern und Entdeckungen machen. Ich werde auf jeden Fall einige weitere Male vorbeischauen — ein paar Lesungen möchte ich „besuchen“ und auch die Sonderausstellungen stehen auf meinem Programm. Einstweilen habe ich mich bereits durch die Angebote der Verlage geklickt und aus der Masse der Veröffentlichungen sechs lohnenswerte Bücher und einen Kalender fürs kommende Jahr herausgepickt.

Vielleicht ist ja etwas für Euch dabei. Und falls nicht: Selbst auf die Suche zu gehen macht ja sowieso am meisten Spaß!

Coverbilder v.l. © Carlsen Verlag, Allitera Verlag, Droemer Knaur

Melanie Garanin: Nils

Den tragischen Tod ihres jüngsten Sohnes verarbeitete die Illustratorin und Comiczeichnerin Melanie Garanin auf eine für sie naheliegende Art und Weise, nämlich zeichnerisch — zuerst für ihren Blog und nun gesammelt als Graphic Novel. Nicht düster (zumindest meistens nicht), sondern mit humorvollen, liebevoll gezeichneten Bildern, die schönen Erinnerungen an die Zeit mit ihrem Jüngsten und dem Willen, weiterzumachen, ebenso viel Platz einräumen wie Trauer, Wut und Verzweiflung. (Carlsen Verlag, ISBN: 978-3-551-76049-4)

Alfons Schweiggert: Karl Valentin. Von der Kunst, so nicht kochen zu können, dass man es nicht essen muss

Obwohl optisch eher der Typ „Skelettgigerl“, war dem großen Karl Valentin Essen und Trinken durchaus wichtig. Dementsprechend oft fand Kulinarisches einen Platz in den Sketchen und Bühnenstücken des komödiantischen Universalgenies — man denke nur an die „Semmelnknödeln“ oder die „Affentaler Spätlese“. Der Valentin-Kenner Alfons Schweiggert hat für sein Buch allerlei Bemerkenswertes rund ums Thema Essen und Trinken in Karl Valentins Werk zusammengetragen und um Anekdotisches sowie vermutlich eher mit Vorsicht zu genießende Rezeptideen ergänzt. (Allitera Verlag, ISBN: 978-3-96233-191-7)

Jim Carrey & Dana Vachon: Memoiren und Falschinformationen

Gut, bei diesem Buch bin ich mir nicht ganz sicher: Vielleicht ist es ein wunderbares Vergnügen, vielleicht aber auch ein rechter Quatsch. Ganz sicher — das verrät schon der Untertitel „Ein (fast) autobiographischer Hollywood-Roman“ — ist es aber nicht die x-te langweilige Autobiographie eines Stars, der sich allzu wichtig nimmt. Überhaupt hat Jim Carrey bei mir einen Stein im Brett, seit er mir vor fast 25 Jahren (damals war ich ein großer Fan von „Ace Ventura“ und „Dumm und dümmer“) einen Autogrammwunsch erfüllt hat, weshalb ich diesem Buch gerne eine Chance gebe. (Droemer Verlag, ISBN: 978-3-426-28258-8)

Coverbilder v.l. © Diogenes Verlag, Hanser Verlag, Insel Verlag

Maria Popova: Findungen

Schon seit Jahren begeistert die Wahl-New Yorkerin Maria Popova mit ihrem Blog „Brainpickings“ und ebenso kenntnis- wie umfangreichen Beiträgen zu Gesellschaft, Literatur, Wissenschaft und Kultur. Immer großartig, aber leider immer auch verbunden mit der Frage, wann man das denn eigentlich alles lesen soll. Ähnlich verhält es sich nun auch mit „Findungen“, das satte 896 Seiten umfasst — bei so viel kluger Lektüre muss man fast froh sein, dass der Corona-Winter ansonsten nur wenig Ablenkung bietet. (Diogenes Verlag, ISBN: 978-3-257-07127-6)

Beatrix Kramlovsky: Fanny oder Das weiße Land

Knapp zehntausend Kilometer liegen zwischen Karl, der seit 1914 in einem sibirischen Kriegsgefangenenlager unter elenden Bedingungen ausharrt und seiner geliebten Fanny in Wien. Erst im Mai 1918 gelingt Karl gemeinsam mit seinem Bruder Viktor die Flucht — ein schier unendlicher Weg voller Gefahren, auf dem den beiden jungen Männern aber immer wieder auch Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft begegnen. Klingt nach einem perfekten Schmöker für kalte Winterabende. (hanserblau, ISBN: 978-3-446-26797-8)

María Isabel Sánchez Vegara: Litte People, Big Dreams

Nicht nur für junge Leser*innen ist die Reihe „Little People, Big Dreams“, die die Lebensgeschichte berühmter Frauen und Männer aus einem kindlichen Blickwinkel erzählt, ganz wunderbar. Die großartigen Illustrationen und der Mut machende Grundgedanke, dass alles Große mit einem Traum beginnt, macht die liebevoll aufgemachten Bücher zu einer lohnenden Lektüre für alle Altersklassen. In diesem Herbst neu erschienen sind unter anderem Bände über Astrid Lindgren, Martin Luther King, Greta Thunberg und Bob Dylan. (Insel Verlag, ISBN (Band zu Astrid Lindgren): 978-3-458-17853-8)

Kalender Lust am Lesen

Coverbild © Ackermann Kunstverlag

Fast genauso schön wie das Lesen an sich ist das endlose Stöbern in Bibliotheken oder Buchläden. Pandemiebedingt kam das dieses Jahr allerdings ein wenig zu kurz — bleibt zu hoffen, dass es 2021 wieder etwas besser wird. Egal, wie es kommt: Der Literaturkalender „Lust am Lesen“ mit seinen großformatigen Fotografien berühmter Büchertempel bietet Monat für Monat eine kleine Flucht vom Alltag. (Ackermann Kunstverlag, ISBN:
978-3-8384-2174-2)

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Nimm den Zug!

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In seiner Kindheit und Jugend war der Schwede Per J. Andersson viel mit dem Zug unterwegs — zuerst gemeinsam mit seiner Großmutter in der näheren Umgebung, dann mit Interrail kreuz und quer in Europa. Prägende Erlebnisse, aber irgendwann stieg der Autor, wie viele andere Menschen eben auch, aufs Flugzeug um. In erster Linie aus Gründen der Bequemlichkeit, denn gerade als Reisejournalist, der viel unterwegs ist und oft möglichst schnell von A nach B kommen muss, scheint die Eisenbahn doch das Nachsehen zu haben. Seit ein paar Jahren ist Per J. Andersson allerdings wieder bevorzugt mit dem Zug beruflich und privat auf Reisen — teils aus Gründen des Klimaschutzes, teils aus Nostalgie, aber vor allem, weil Zugfahren oft doch praktischer, schneller und viel schöner ist, als manche Vielflieger meinen.

Wir wollen die Liebe zu den Gleisen besingen, die Vertrautheit mit der Lok und das freie, geschmeidige und ungebundene Bahnreisen. Die Förderung von Zugreisen sollte als ein Angriff auf die destruktiven Kräfte unserer Zeit aufgefasst werden. Unser Ziel ist, Auto und Flugzeug zu zwingen, sich dem Zug zu unterwerfen.

Mit „Vom Schweden, der den Zug nahm und die Welt mit anderen Augen sah“ (Deutsch von Susanne Dahlmann) hat der Besteller-Autor (u.a. „Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“) nun ein Loblied auf die Eisenbahn geschrieben, das allerdings auch mit kritischen Tönen nicht geizt. Vor allem die in den letzten Jahrzehnten extrem auf Flug- und Autoverkehr fixierte Verkehrspolitik in vielen Ländern kommt verständlicherweise überhaupt nicht gut weg. Die Folgen davon erlebt Per J. Andersson am eigenen Leib, als er versucht, mit regulär verkehrenden Zügen auf der klassischen Route des Orient-Express von Paris nach Istanbul zu reisen. Von der Pracht, die man unter anderem aus Agatha Christies berühmtem Kriminalroman und dessen Verfilmungen kennt, ist nicht mehr viel übrig geblieben: komplizierte Fahrkartenbuchungen, sechs Umstiege und Fahrten mit zum Teil sehr heruntergekommenen Zügen machen eher wenig Lust, sich selbst einmal auf diese Strecke zu wagen.

Das Positive allerdings überwiegt auf den Reisen, die Per J. Andersson unternimmt und auf sehr sympathische, leicht zu lesende Art beschreibt. In den Bernina-Express möchte man am liebsten sofort einsteigen und die Erlebnisse auf den langen Fahrten durch Indien erinnern an Wes Andersons farbenprächtigen Film „Darjeeling Limited“. Hoffnung macht ebenfalls, dass in immer mehr Ländern längst eingestellte Nachtzugverbindungen ein Revival erleben. Besonders tut sich da die österreichische ÖBB mit ihren „Nightjet“-Zügen hervor. Inwiefern die Corona-Krise Auswirkungen auf viele geplante Bahnprojekte hat, wird die Zukunft zeigen, aber insgesamt ist der Eisenbahnverkehr auf einem durchaus guten Weg.

Zu diesem Fazit kommt man jedenfalls nach der Lektüre von „Vom Schweden, der den Zug nahm und die Welt mit anderen Augen sah“, dieser sehr kurzweiligen Mischung aus Reisereportage, Kulturgeschichte der Eisenbahn von ihren Anfängen bis in die Gegenwart, und Reiseführer (am Ende der einzelnen Kapitel und im umfangreichen Anhang finden sich allerlei Tipps und Links, die bei der Planung eines Urlaubs mit der Bahn — egal, ob in Europa oder in fernen Ländern — enorm hilfreich sind). Außerdem macht sich schon während des Lesens jede Menge Fernweh und Entdeckungslust breit — ein größeres Lob kann man einem Reisebuch eigentlich kaum machen.


Per J. Andersson: Vom Schweden, der den Zug nahm und die Welt mit anderen Augen sah (C. H. Beck Verlag, 379 Seiten, 16,95 Euro).
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* Vielen Dank an den C. H. Beck Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! *


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Der sechste Sinn

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Früher, als die Menschen noch Jäger und Sammler waren, war es für sie überlebenswichtig, die Zeichen der Natur richtig zu deuten. Ein nicht vorhergesehener Wetterumschwung, dem man schutzlos ausgesetzt war, konnte ebenso tödlich enden wie die unerwartete Begegnung mit einem wilden Tier oder ausbleibender Jagderfolg. Dementsprechend hatten unsere Vorfahren ein feines Gespür für kaum wahrnehmbare Veränderungen oder subtile Hinweise, die entscheidend waren für ihr Wohl oder Wehe. Im Laufe der Zeit verkümmerte dieser „sechste Sinn“ allerdings zunehmend — kein Wunder, denn der moderne Mensch muss sich kaum noch ohne Hilfsmittel in der freien Natur orientieren und die Nahrung kommt im Zweifelsfall aus dem Supermarkt.

20200615_140936_2Dass es aber ein großer Gewinn sein kann, dieses immer noch tief in uns verankerte Gespür für die Natur wieder zu aktivieren und zu trainieren, zeigt der Brite Tristan Gooley, in seiner Heimat auch als „Sherlock Holmes der Natur“ bekannt, in seinem lesenswerten Buch „Unsere verborgene Natur“ (deutsche Übersetzung von Jasmine Hofmann). Großartiges Vorwissen oder spezielle Fähigkeiten braucht es gar nicht, um die Zeichen in unserer Umwelt zu erkennen, denn unser Gehirn nimmt diese Hinweise sowieso unbewusst auf. Die Kunst besteht letztlich darin, sie wieder deuten zu können — und zwar am besten intuitiv. Dabei bezieht sich Tristan Gooley in erster Linie auf Daniel Kahnemans Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“.  Als „langsames Denken“ bezeichnet der Kognitionspsychologe Kahneman bewusstes Nachdenken über eine Sache, als „schnelles Denken“ dagegen Prozesse, die quasi von selbst ablaufen. Eine Fahrradfahrerin, die auf ihren Drahtesel steigt und losfährt, wendet also schnelles Denken an, während ein Schüler, der über einer komplizierten Matheaufgabe grübelt, vermutlich eher auf das langsame Denken zurückgreift.

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Ein zentrales Anliegen von Gooleys Buch ist es, dass seine Leser*innen in der Natur von langsamen zu schnellen Denkern werden, also Dinge durch Beobachtung einüben, bis sie irgendwann intuitiv wahrgenommen werden. Die Orientierung anhand der Sterne ist zum Beispiel für den Laien extrem kompliziert, weil es erst einmal Mühe bereitet, Sternbilder überhaupt zu erkennen und daraus Schlüsse über die Himmelsrichtungen zu ziehen. Mit viel Übung reicht aber eines Tages ein kurzer Blick in den Nachthimmel, um sofort zu wissen, wo Norden ist. Ähnliche Beispiele gibt Tristan Gooley in seinem anekdotenreichen, im sympathischen Plauderton erzählten Buch in großer Zahl. So erfahren wir, wie wir Bewegungsmuster von Tieren erkennen und vorhersagen können, was der Pflanzenwuchs auf dem Boden über das Alter eines Waldes aussagt, wie wir Vögel schon im Vorbeifliegen richtig zuordnen oder wie wir uns anhand der Form von Bäumen im offenen Gelände orientieren können.

Viele Dinge erscheinen sofort plausibel, andere lassen einen schon beim Lesen zweifeln, ob man sie trotz jahrelanger Übung jemals wird umsetzen können. Letztlich ist das aber egal, denn schließlich geht es nicht darum, einen Wettkampf zu gewinnen, sondern mit wachen Sinnen und großer Lust am Entdecken durch die Natur zu streifen. Die Lust, nach Draußen zu gehen, weckt Tristan Gooley mit „Unsere verborgene Natur“ jedenfalls allemal.


Tristan Gooley: Unsere verborgene Natur. Honig hören, die Himmelsrichtung fühlen, die Dämmerung riechen – Wie wir unser angeborenes Gespür für die Natur wiederentdecken (Ludwig Verlag, 416 Seiten, 22 Euro).
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Die Mannigfaltigkeit der Vogelwelt

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Seit mehr als 40 Jahren beschäftigt sich der Biologe Walter A. Sontag, Associate Scientist am Naturhistorischen Museum in Wien und Schüler des legendären Schweizer Tiergartendirektors Heini Hedinger, mit der Variabilität und der Persönlichkeit von Vögeln. Unter anderem erforschte der Autor schon als junger Wissenschaftler bei einer Gruppe afrikanischer Lappenstare die unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmale der einzelnen Individuen — fast so wie ein paar Jahrzehnte zuvor Len Howard bei den Kohlmeisen in ihrem Cottage.

Von Walter A. Sontags immensem Erfahrungsschatz und seinem schier unerschöpflichen Wissen profitiert nun das schön aufgemachte, kenntnisreiche Buch „Das wilde Leben der Vögel“, das es trotz seines vergleichsweise schmalen Umfangs in sich hat. Im ersten Teil widmet sich der Autor der „überwältigenden Mannigfaltigkeit“ der nach aktuellem Stand rund 11.000 verschiedene Spezies zählenden Vogelwelt, die sich in zahllosen Erscheinungsformen, Lebensräumen und Verhaltensweisen manifestiert. Walter A. Sontag nimmt die Leser*innen mit auf Expeditionen des britischen Evolutionsforschers Alfred Russell Wallace und des begeisterten Hobby-Ornithologen Jonathan Franzen, die sich — wie viele andere — die Frage stellten, wie man am besten eine sinnvolle Ordnung in diese überbordende Vielfalt bringen soll. Die Suche nach der Antwort auf diese Frage wird wohl auch noch viele weitere Generationen von Wissenschaftler*innen beschäftigen und jede Menge neue Erkenntnisse mit sich bringen.

20200520_133915Im zweiten Teil des Buches stehen die Beziehungen der Vögel untereinander und zu anderen Tieren im Mittelpunkt. Wir erfahren von teils gigantischen, bis zu mehrere Millionen Individuen umfassenden Zusammenschlüssen von Krähenvögeln und Staren, Kooperationen unterschiedlicher Vogelarten, komplexen Kommunikationsformen und nicht zuletzt Schmarotzertum — vom Brutparasitismus des Kuckuck bis hin zu Raben, die sich an der Beute von Wölfen „bedienen“.

Ähnlich vielfältig wie die unterschiedlichen Erscheinungsformen der Vögel sind auch Partnerwahl, Fortpflanzung und Brutpflege — ein Thema, dem Walter A. Sontag ein weiteres ausführliches Kapitel widmet. Besonders interessant ist der darauf folgende Abschnitt über die Sinne der Vögel, da es in diesem Teilgebiet der Ornithologie nach wie vor eine Vielzahl offener Fragen gibt, die Raum lassen für hitzige Kontroversen in der Fachwelt und bahnbrechende Entdeckungen. So ist zum Beispiel nach wie vor nicht geklärt, wie der „innere Kompass“ funktioniert, der es Zugvögeln ermöglicht, immense Strecken zu bewältigen, und auch der bislang eher vernachlässigte Geruchssinn der Vögel ist erst in letzter Zeit stärker in den Fokus der Forschung gerückt.

Zum Abschluss seines anspruchsvollen Buches, das sich vor allem an Vogelbegeisterte richtet, die gerne etwas tiefer in die Materie einsteigen und sich einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung verschaffen möchten, wirft Walter A. Sontag einen Blick in die Zukunft. Welche Auswirkungen hat das Anthropozän mit all seinen Auswüchsen wie Verstädterung, Abholzung riesiger Waldflächen oder intensiver Landwirtschaft wohl auf die Entwicklung der Vogelvielfalt? Die Antwort auf diese Frage ist hinlänglich bekannt und leider sehr ernüchternd — allerdings gibt es auch hier einige Punkte, die Hoffnung machen auf eine positive Wende.

Letzten Endes gilt: Je mehr man von etwas weiß, desto eher ist man bereit, es zu schützen und zu bewahren. Insofern leistet „Das wilde Leben der Vögel“ einen großen Beitrag zum Erhalt der faszinierenden, vielfältigen Welt der Vögel.


Walter A. Sontag: Das wilde Leben der Vögel (C. H. Beck Verlag, 240 Seiten, 23 Euro).
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Ein anderes Miteinander

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Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist eines der Spezialgebiete der Philosophin und Autorin Eva Meijer. Bereits in ihrem Roman „Das Vogelhaus“ über die Ornithologin Len Howard hat sich die 1980 geborene Niederländerin auf literarische Art und Weise mit diesem Thema beschäftigt; der Essay „Was Tiere wirklich wollen“ (deutsche Übersetzung von Hanni Ehlers), der zum großen Teil auf den Gedanken von Eva Meijers Dissertation basiert, setzt sich wissenschaftlicher und theoretischer damit auseinander — Len Howard und „ihre“ Kohlmeisen kommen aber auch in diesem Text wieder vor.

Eva_MeijerDie Annahme, nur Menschen seien dazu in der Lage, politisch zu handeln, ist bereits mehrere Jahrtausende alt. Schon Aristoteles vertrat diese Ansicht, die nun gerade von der politischen Philosophie jedoch zunehmend angezweifelt wird. Das liegt zum einen daran, dass neuere wissenschaftliche Erkenntnisse die Trennlinie zwischen Mensch und Tier immer mehr verschwimmen lassen, zum anderen aber auch daran, dass Menschen und Tiere in zunehmend vielfältigen Beziehungen zueinander stehen. Politische Entscheidungen und Handlungen der Menschen haben oft unmittelbaren Einfluss auf das Leben und Sterben von Tieren, etwa durch den Beschluss, einen neuen Schlachthof zu eröffnen oder einen Wald für ein Gewerbegebiet abzuholzen. Solche Beispiele kennen sicher alle Leser*innen aus ihrem direkten Umfeld — deutlich komplexer und abstrakter wird es jedoch, wenn Eva Meijer erklärt, dass umgekehrt auch Tiere „politisch“ handeln, indem sie durch ihr Verhalten Einfluss auf das Leben des Menschen nehmen. Eine nicht unumstrittene These, zumal nicht geklärt ist, inwiefern diese Handlungen bewusst und gezielt sind.

Auch die Forderung, Tieren politische Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, mag sich zunächst etwas seltsam anhören, aber die mit vielen Beispielen und weiterführenden Literaturhinweisen versehenen Erläuterungen Eva Meijers sind sehr anschaulich und schlüssig. Gesteht man Tieren einen geschützten Lebensraum zu oder räumt ihnen unantastbare Grundrechte ein (zum Beispiel das Recht, nicht geschlachtet und verzehrt zu werden), hat dies eine politische Dimension, die mit der, die wir als Bürger*innen eines Staates gewohnt sind, vergleichbar ist.

Letztlich ist „Was Tiere wirklich wollen“ in erster Linie ein sehr anregendes Plädoyer für eine Abkehr vom Anthropozentrismus, also der Auffassung, der Mensch sei eine herausragende, den Tieren überlegene Art. Dass ein neues, klügeres und faireres Miteinander von Mensch und Tier im Interesse aller ist, zeigt nicht zuletzt die Corona-Krise (in diesem Zusammenhang empfiehlt sich auch die Lektüre dieses Artikels von Judith Schalansky):

Die Welt, in der wir leben, gewinnt an Farbe und Kontur, wenn wir besser auf Tiere hören, sie besser wahrnehmen.

Einem ganz ähnlichen Thema wie Eva Meijer in ihrem Essay widmet sich übrigens auch die französische Philosophie-Professorin Corine Peluchon in ihrem „Manifest für die Tiere“, das im Oktober bei C. H. Beck erscheint.


Eva Meijer: Was Tiere wirklich wollen (btb Verlag; 160 Seiten; 20 Euro).
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📷 großes Foto von Matthias Zomer via pexels.com, Coverfoto von mir

Mit Adele Brand bei den Füchsen

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Bereits als Kind entdeckte Adele Brand ihre Leidenschaft für Füchse und hielt ihre Beobachtungen in einem Tagebuch fest. Später leitete die britische Ökologin Forschungsprojekte in verschieden Ländern, zog verwaiste Fuchswelpen groß und kümmerte sich um verletzte Exemplare. Klar, dass man sich von solch einer Expertin nur allzu gerne mitnehmen lässt zu „unseren wilden Nachbarn“, wie es im Untertitel des von Beate Schäfer ins Deutsche übersetzten Buches „Füchse“ so treffend heißt.

Wie viele Wissenschaftler*innen gerade aus dem angloamerikanischen Raum beherrscht es auch Adele Brand äußerst gekonnt, Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse auch für Laien verständlich darzustellen und nicht zuletzt mithilfe persönlicher Anekdoten sowie einer leichtgängigen Sprache für eine ebenso kurzweilige wie lehrreiche Lektüre zu sorgen. Der zentrale Punkt ist für die Autorin dabei vor allem die Beziehung zwischen Fuchs (das Buch dreht sich fast ausschließlich um den nahezu weltweit verbreiteten Rotfuchs, lat. vulpes vulpes) und Mensch, die gerade in den letzten Jahren immer näher aneinandergerückt sind. Sogar durch die Millionenmetropole London streifen zahlreiche Füchse und nutzen als blinde Passagiere mitunter Sightseeing-Busse oder die U-Bahn.

Dieses Buch will vor allem eine Frage ergründen: Wie hat es der Rotfuchs, ein Wildtier, das sich vorzeiten in unberührten Wäldern entwickelt hat, geschafft, sich derart erfolgreich an die moderne Welt anzupassen?

Trotz dieser konkreten Fragestellung und des eher schmalen Umfangs von weniger als 200 Textseiten bringt Adele Brand den Leser*innen den Fuchs auf umfassende Art und Weise näher. Neben einer kurzen Kulturgeschichte des Fuchses, der in Fabeln, Märchen und der Mythologie vieler Kulturkreise eine Rolle spielt, geht es um Grundlegendes wie eine Einordnung des Fuchses, der trotz seiner katzengleichen Bewegungen zu den Caniden (also den Hundeartigen) gehört, ins Tierreich oder um die Frage, warum der Rotfuchs an verschiedenen Orten mit ganz unterschiedlichen Bedingungen problemlos überleben kann. Es ist die vergleichsweise geringe Spezialisierung des Fuchses, die ihn extrem anpassungsfähig macht — sowohl an die Bedingungen der indischen Thar-Wüste als auch an den Bialowieza-Urwald in Polen oder die Prärie Südkanandas und das 1.300-Seelen-Dorf der Autorin in der englischen Grafschaft Surrey.

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Neben allerlei Fakten fehlt auch Kurioses nicht, wie etwa die Vermutung, dass Füchsen bei der Jagd ein am Magnetfeld der Erde orientierter „innerer Kompass“ zugute kommt, oder der Umstand, dass bei der Londoner Polizei jede Woche mehrere Notrufe von besorgten Bürger*innen eingehen, die Fuchsschreie mit den Hilferufen von Verbrechensopfern verwechselt haben. Zum Ende ihres Buches rät Adele Brand ihrer Leserschaft, selbst aktiv zu werden und gibt allerlei Tipps zum Beobachten und Fotografieren von Füchsen, zum Führen eines Naturtagebuchs und — wohl eher für diejenigen, die ganz tief in die Materie einsteigen wollen — Anregungen für Forschungsprojekte und Dissertationen.

Einziger Kritikpunkt an diesem ansonsten empfehlenswerten Buch ist der Umstand, dass die Ausführungen zur zentralen Frage „Beziehung zwischen Mensch und Fuchs“ sehr auf Großbritannien bezogen sind. Gerade in London scheint es in den letzten Jahren einige Vorfälle gegeben zu haben, die — befeuert von Berichten in der Boulevardpresse und Diskussionen in den Sozialen Medien — zu erbitterten Schlagabtauschen zwischen „Fuchshassern“ und Tierschützer*innen geführt haben. Solch emotional geführte Debatten kennt man in Deutschland wohl eher beim Wolf…


Adele Brand: Füchse. Unsere wilden Nachbarn (C.H. Beck Verlag; 208 Seiten mit 28 Abbildungen; 22 Euro). #supportyourlocalbookstore

Zum Weiterlesen und -entdecken empfiehlt sich auch Adele Brands Blog „A Walk with Wildlife“, in dem es nicht ausschließlich um Füchse geht.


📷 Fuchsbild von monicore via pexels.com, Coverfoto von mir