
Vergangene Woche bin ich aufs Dach des Frankfurter Städel Museums gestiegen. Natürlich nicht ganz rauf aufs Dach und selbstverständlich auch nicht klammheimlich, sondern »nur« auf die über dem Haupteingang liegende Dachterrasse, die Besucherinnen und Besuchern mit Museumsticket bei entsprechenden Wetterbedingungen während der Öffnungszeiten frei zugänglich ist.

Das Dach ist über die 50 Stufen einer Wendeltreppe zu erreichen. Eigentlich sind es zwei Treppen – auf der einen geht es hinauf, auf der anderen hinab. Man soll sich auf der doch ziemlich engen Treppe ja nicht in die Quere kommen. Allerdings möchte ich lieber nicht wissen, wie viele Spezialisten (in der Regel sind es ja wirklich Männer, weshalb die weibliche Form hier vernachlässigt werden darf) unter Missachtung aller Hinweis- und Einbahnstraßenschilder trotzdem die falsche Treppe benutzen.
Mit ihrem modernen, sehr minimalistischen Design ist die Wendeltreppe allein optisch ein gelungener Kontrast. Der Weg zu Treppe und Dachterrasse führt nämlich über die Etage mit den Alten Meistern und direkt vorbei an Gemälden von Frans Hals. Was er wohl zum Blick über die Skyline gesagt hätte?

Ich konnte mich jedenfalls kaum losreißen vom spektakulären Blick über den Main und die Frankfurter Innenstadt. Bei Temperaturen von knapp über null Grad und ohne Jacke (die hatte ich in der Garderobe gelassen) wurde es aber doch irgendwann Zeit, wieder den Weg nach unten anzutreten.
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Kurz innezuhalten und die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, lohnt sich immer. Wenn man eine fremde Stadt erkundet sowieso, aber auch, wenn man versucht, Sichtweisen nachzuvollziehen, die einem selbst völlig fremd sind und die man ablehnt.
Menschen mit solchen Sichtweisen begegnet man in letzter Zeit gefühlt immer öfter und nicht allen von ihnen kann man immer aus dem Weg gehen. Keine geeignete Lösung ist außerdem das gegenseitige Anschreien in den sogenannten Sozialen Medien.
Einer, dem es auf konstruktive Art und Weise gelingt, auch mit denen zu reden, deren Ansichten einen herausfordern und womöglich gar wütend machen, ist der Autor und Filmemacher Stephan Lamby. Hier zu hören in einem klugen Gespräch bei Deutschlandfunk Kultur.
Prompt auf meine Leseliste gewandert ist Stephan Lambys neues Buch »Dennoch sprechen wir miteinander«.
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Im letzten Eintrag ging es unter anderem um Patricia Highsmiths Roman »Ripley Under Ground« – ins Deutsche übertragen wurde die aktuellste Ausgabe von Melanie Walz. Jüngst hat sich die vielfach ausgezeichnete Übersetzerin mit »David Copperfield« von Charles Dickens einen schwergewichtigen Klassiker vorgenommen. In der Nachtbibliothek findet sich eine ausführliche Würdigung des Romans und seiner Neuübersetzung.
Apropos literarische Übersetzungen: Wie lässt sich asiatische Literatur angesichts der großen kulturellen Unterschiede und der Sprachen an sich treffend ins Englische oder ins Deutsche übersetzen und wie viel vom Originaltext bleibt »lost in translation«? Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung (€) macht sich auf die Spurensuche.