Im Münchner Feuilleton wurde Daniel Mellems Roman kürzlich gemeinsam mit »Grand Hotel Avalon« von Maggie Stiefvater vorgestellt. Eine ganz andere Geschichte, die allerdings ebenfalls in einem luxuriösen Hotel in Bad Nauheim spielt. Auf die Wunschliste ist natürlich auch dieses Buch gewandert.
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Apropos »unabhängige Buchhandlung«: In einer RBB-Doku über den Berliner Savignyplatz wird (ungefähr ab 1:10:00) die Buchhandlung Knesebeck Elf vorgestellt, die man danach dringend besuchen möchte. Zum Beispiel am kommenden Freitag, 20. Februar, zum »Literarischen Schmähquartett«.
Sehr ruhig verläuft der Februar bisher. Deshalb keine aufregenden Neuigkeiten, sondern nur zwei kleine Hinweise vor dem Wochenende:
Im September (gefühlt noch eine Ewigkeit hin, aber wie schnell werden Frühling und Sommer wieder vorbei sein) erscheint »The Gruffalo Granny«, das erste neue Grüffelo-Abenteuer von Julia Donaldson und Axel Scheffler seit 2005. Angesichts der wahren Flut an Grüffelo-Produkten aller Art bin ich etwas überrascht, dass das kommende Buch tatsächlich erst das dritte der Reihe ist. Gute Dinge brauchen eben ihre Zeit.
Ähnlich ist es auch mit Colm Bairéads Verfilmung von Claire Keegans kurzem Roman »The Quiet Girl«, die noch bis zum 5. März in der arte-Mediathek zu sehen ist. Bis sich die junge Cáit (Catherine Clinch) richtig gewöhnt an Eibhlín (Carrie Crowley), die Cousine ihrer Mutter, und deren Mann Seán (Andrew Bennett), bei denen sie die Sommerferien verbringt, dauert es eine ganze Weile. Dafür nimmt sich der ruhige, wortkarge Film in zumeist stimmungsvollen Bildern sehr viel Zeit. Als das Mädchen aus einer Familie, in der Geld ebenso Mangelware ist wie Wärme und Zuneigung, dann aber Vertrauen aufgebaut hat zu dem auf einer schmucken Farm lebenden, liebevollen und vermeintlich kinderlosen Ehepaar (hier schlummert noch ein trauriges Geheimnis) und die Zeit des Abschieds naht, wird es sehr ergreifend. Taschentücher bereithalten – am besten welche aus Stoff mit Blümchenstickerei und Monogramm.
Ich bin so gut wie nie mit Kopfhörern im öffentlichen Raum unterwegs, weil es mir wichtig ist, die Dinge mitzubekommen, die um mich herum geschehen. Das ist weniger einer Übung in Achtsamkeit geschuldet als vielmehr dem Wunsch, nicht überfahren zu werden.
Bei den derzeit herrschenden frostigen Temperaturen mache ich allerdings gerne eine Ausnahme (Straßenverkehr und die sonstige Umgebung behalte ich natürlich dennoch im Blick), da entsprechende Over-Ear-Modelle auch erstaunlich brauchbare Ohrenwärmer sind.
Umso schöner, wenn es zur angenehmen Wärme etwas Interessantes zum Anhören gibt: Zum Beispiel die aktuelle Episode von »Tatort Geschichte« über das mysteriöse Verschwinden des Erfinders Rudolf Diesel von Bord des Passagierdampfers »Dresden« im September 1913. Eine Begebenheit, über die Wes Anderson sicher einen herrlich detailverliebt ausgestatteten Film drehen könnte. Für die Hauptrolle bietet sich Joseph Fiennes an.
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Andere Städte haben Buchmessen, Nürnberg mit der Spielwarenmesse immerhin ein ähnlich sympathisches Aushängeschild mit Holzeisenbahnen, Teddybären und Playmobilmännchen. Dafür wird gerne mit Beflaggung am Frauentorturm geworben – anders als etwa für die Enforce Tac, »Deutschlands Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung« (Schirmherr: Friedrich Merz).
Drei Wochen ist das neue Jahr mittlerweile alt. Der Alltag nach den ruhigen Feiertagen ist zurück und der Zauber des Neuen längst verflogen. Nun ist alles wie immer, nur schlimmer und in schnellerer Abfolge.
Gegen den allgemeinen Wahnsinn hilft – Überraschung! – meistens das Lesen und das damit verbundene Abtauchen in andere Welten. Das ist natürlich keine allzu bahnbrechende Erkenntnis, aber manchmal tut es gut, das ein weiteres Mal zu hören – hier zum Beispiel im Interview mit dem Lehrer und Influencer Bob Blume bei Deutschlandfunk Kultur.
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Bücher helfen also, wobei ich auch da inzwischen immer öfter den Eindruck habe, dass sich alles mehr oder weniger wiederholt. Womöglich ein Phänomen des zunehmenden Alters, womöglich aber hin und wieder einfach dem Umstand geschuldet, dass sich der Inhalt eines umfangreichen Werks nur unzureichend in einem Klappentext widergeben lässt.
Arthur Opp, ehemaliger Literaturprofessor, wiegt 250 Kilo und hat sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen.
[…]
«Der andere Arthur» ist ein Roman über zerbrochene Lebensentwürfe, echte Freundschaften und unerwartete Neuanfänge, in dem Liz Moore zwei Außenseiter zu Helden einer tief berührenden Geschichte macht.
Ist das nicht zumindest in Grundzügen die selbe Geschichte wie die des von Darren Aronofsky mit einem großartigen Brendan Fraser in der Hauptrolle verfilmten Theaterstücks »The Whale« von Samuel D. Hunter? Wer weiß – womöglich ist der Roman ja ganz anders.
Nun ist fast schon wieder eine Woche vorbei und zumindest wettertechnisch hatte sie von tiefstem Winter über drohendes Blitzeis (es blieb bei den gewohnt alarmistischen Warnungen) bis hin zu Regen und beinahe vorfrühlingshaften Temperaturen ein breites Spektrum zu bieten. In den dunklen, schattigen Ecken finden sich sogar nach wie vor ein paar traurige braungraue Schneereste.
Auf einer Zugfahrt von Wien nach München sitzt der Erzähler, ein recht bekannter mittelalter Autor von Liebesromanen in der Schaffenskrise, einer jüngeren Frau schräggegenüber (also nicht etwa direkt gegenüber, wie der etwas pedantisch wirkende Protagonist mehrfach bemerkt). Zuerst befürchtet er, sie könnte ihn erkennen und ihn auf seine Arbeit und seine Bücher ansprechen – solche Gespräche findet er höchst anstrengend und unangenehm. Als sie ihn tatsächlich anspricht, weil sie ihn fälschlicherweise für ihren ehemaligen Englischlehrer hält, ist er in seiner Eitelkeit aber auch ein wenig gekränkt. Sie hätte ihn, den berühmten Schriftsteller, schon ruhig erkennen und würdigen können!
Diese Auftaktszene fand ich recht amüsant. Danach ging es aber schnell bergab. Zwischen dem Autor und der Frau – sie ist Psycho- und Physiotherapeutin – entspinnt sich ein Gespräch über Liebe und Beziehungen, das von der Realität aber nicht weiter entfernt sein könnte. Ich bin mir zu 99,98 Prozent sicher, dass es unter zwei sich zufällig schräg oder sonstwie gegenübersitzenden Zugreisenden niemals einen auch nur annähernd ähnlichen Dialog gegeben hat. An den Haaren herbeigezogen, das alles!
Aber ganz so spontan, wie es auf den ersten Blick den Anschein machen soll, ist das Gespräch zwischen den beiden Hauptfiguren am Ende tatsächlich nicht. Daniel Glattauer hat nämlich einen Kniff eingebaut, der gegen Ende für etwas Spannung sorgte und mich trotz allerlei zäher Exkurse (etwa über Alkohol, KI und Autofahrer) sowie des Auftritts einer vor Klischees nur so strotzenden Karikatur eines Italieners bis zur Endstation am Münchner Hauptbahnhof halbwegs interessiert dabeibleiben ließ. Die Auflösung aber wieder: an den Haaren herbeigezogen!
Und noch dazu diese ständigen Wiederholungen – unten ein Extrembeispiel, aber in abgeschwächter Form kommt so etwas auf jeder dritten Seite vor:
»In einem Zug« mag einige nette Momente haben, aber wenn eine der beiden Hauptfiguren in Amstetten oder spätestens Salzburg aus- bzw. umgestiegen wäre, hätte das auch nicht geschadet.
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In einem SZ-Interview (€) spricht der geschätzte Julian Barnes über sein soeben erschienenes, vermutlich letztes Buch »Abschied(e)«. Barnes wird dieser Tage 80 Jahre alt und ist krank; überhaupt sind viele Menschen – ob prominent oder aus meinem persönlichen Umfeld -, die ich sehr schätze, entweder alt und/oder mehr oder weniger gesundheitlich angeschlagen. Das mag der Lauf der Dinge sein, aber so deutlich wie in den letzten Wochen ist mir das bislang noch nicht aufgefallen. Mir gefällt das nicht.
Auch schon 80, aber augenscheinlich erfreulich rüstig ist John Fogerty, mit dem es ein neues und hervorragendes NPR »Tiny Desk Concert« gibt. Nebenwirkung: tagelang »Have You Ever Seen the Rain« als Ohrwurm.