
Mit satten 36,5 Grad wurde am Nachmittag ein weiterer Höchstwert für diesen Sommer erreicht. Da gleichzeitig auch die Innentemperaturen immer weiter steigen und sich der Grenze des gerade noch Erträglichen unaufhaltsam nähern, ist an erholsamen Schlaf momentan kaum zu denken. Der Vorteil des frühen Aufwachens bei geöffnetem Fenster ist allerdings das vielstimmige Vogelkonzert. Wunderbar – so hat alles auch seine erfreulichen Seiten.
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Ausgelesen habe ich derweil „Ein schönes Ausländerkind“ von Toxische Pommes, das mich thematisch an die Bücher von Saša Stanišić, Tijan Sila und Julia Jost erinnert hat. Eine Coming-of-Age-Geschichte mit Balkan-Migrationshintergrund, erzählt vom Verlassen der serbischen Heimat am Vorabend der Jugoslawienkriege bis zum Erhalt der österreichischen Staatsbürgerschaft gut acht Jahre später. Das ließ sich trotz des ernsten Hintergrundes locker und unterhaltsam weglesen. Anrührend fand ich vor allem die Geschichte des Vaters, der anders als Frau und Tochter in Österreich niemals richtig Fuß fasst und nur bei den sommerlichen Urlauben in der alten Heimat aufblüht und er selbst ist.
Was hat uns Österreich gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich?
Meinen Vater.
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Am Abend gab es bei Einbruch der Dämmerung und langsam angenehmer werdenden Temperaturen noch ein Hörspiel nach einem Commissario-Brunetti-Roman von Donna Leon. „Nobiltá“ ist der siebte Band der mittlerweile schier endlosen Reihe. Die Hörspielfassung aus dem Jahr 2000 hat zwar ein wenig Staub angesetzt, lässt sich aber immer noch gut anhören. Verwirrt hat mich allerdings, dass Guido Brunetti hier von Götz Schubert gesprochen wird – für mich klingt der Commissario einfach wie Uwe Kockisch aus den Verfilmungen.
