
Ausgelesen habe ich „Der letzte Cimamonte“ von Matteo Melchiorre. Leider war das ein klassischer Fall von „stark angefangen und dann stark nachgelassen“.
Kurz gesagt, geht es in dem Roman, der mich zu Beginn durchaus fasziniert hat, um das letzte Aufbäumen einer im Untergang begriffenen Welt. Schauplatz des Geschehens ist das fiktive italienische Bergdorf Vallorgàna, das seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Nur noch knapp 150 Menschen leben in dem Ort, der einst fast 2500 Einwohner*innen zählte – Tendenz weiter sinkend.
Einer der Verbliebenen ist der ungefähr 40-jährige Ich-Erzähler, der letzte Nachkomme der Adelsdynastie der Cimamontes, die jahrhundertelang über Vallorgàna und das umliegende Tal herrschte. Einfluss wie seine Vorfahren hat der „Duca“ nicht, stattdessen betreibt er im bröckelnden Familiensitz Ahnenforschung und streift ein wenig durch die Natur. Eigentlich ein sanftmütiger Typ, der aber völlig aus der Fassung gerät, als er erfährt, dass jemand in seinem Wald Bäume gefällt hat. Verantwortlich ist Mario Fastréda, der es aus einfachen Verhältnissen zum einflussreichen Rinderzüchter, Großbauern und neuem „Herrscher“ Vallorgànas gebracht hat. Aber auch der Stern des alt gewordenen Fastréda ist längst am Verglühen.
Wie sich die beiden wegen einer Lappalie zu Feinden gewordenen Männer in der Bar des Dorfes argwöhnisch beäugen, Allianzen schmieden und die nächsten Schritte abwägen, fand ich großartig. Ständig liegt etwas in der Luft, die große Eskalation scheint stets unmittelbar bevorzustehen. Und dann passiert meistens doch nichts.
Überhaupt passiert auf den gut 500 Seiten des Buches erstaunlich wenig – zumindest nicht genug, um einen solchen Umfang ohne enorme Längen und Abschweifungen zu füllen. Im letzten Drittel gibt es zwar einige überraschende Wendungen und eine Art Höhepunkt, aber zum Ende hin musste ich mich dann schon sehr zum Weiterlesen zwingen.
Nicht gerade zur Lesefreude trug auch die auf altertümlich getrimmte Sprache des Buches bei. Der deutschen Übersetzung von Julika Brandestini ist dabei kein Vorwurf zu machen, werden doch einige nicht ganz so geläufige Begriffe wie „Gastalde“ in Fußnoten erklärt.
Streckenweise gelingt es dem Autor zwar, eine wie aus der Zeit gefallen wirkende, fast mystische Atmosphäre zu erzeugen, an anderer Stelle geht es aber völlig daneben. Ob man Kaulquappen in einem abgestandenen Gewässer als „geschwänzte Melusinen“ bezeichnen muss, mag noch Geschmackssache sein. Unfreiwillig komisch wird es aber, wenn über einen vom Sturm verwüsteten großen Rinderstall Folgendes geschrieben wird: „Der Wind hatte tatsächlich diesen Tempel des Fleischviehs geschändet und verunglimpft […]“ – Hilfe!
Ein Buch, das ich demnächst sehr gerne zurück in die Bibliothek bringen werde.
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Schon nach wenigen Seiten deutlich mehr nach meinem Geschmack ist Uwe Timms „Der Mann auf dem Hochrad“. Ich bin aber doch überrascht, wie wenige Details ich von der ersten Lektüre vor sieben oder acht Jahren behalten habe. Ganz grob wird der Inhalt ja dankenswerterweise bereits vom Titel zusammengefasst.
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Sehr gerne gehört habe ich die Tage ein Gespräch mit Josef Hader. Es geht darum ums Eisessen ebenso wie um ernsthafte Dinge – ich musste mehrmals lachen und mindestens genauso oft zustimmend nicken.
Erwähnt wird übrigens auch der unbedingt sehenswerte ZDF-Film „Rosenthal“ – nun also mit Hader-Gütesiegel.
Kommt gut durch die Woche!
