
Es ist Frühling. Meteorologisch, kalendarisch und auch in Sachen Literaturbeilagen. Die der ZEIT werde ich mir an diesem Wochenende vornehmen, wobei ich nach wie vor dem Sonderheft der vergangenen Tage hinterhertrauere. Umgehend versöhnt hat mich aber das Interview mit der Bischöfin Mariann Edgar Budde, die sagt:
Mut ist nichts Lautes, nichts Plötzliches. Mut ist ein leiser Muskel, den wir täglich trainieren. Bleiben, wenn Gehen einfacher wäre. Verzeihen, wenn jede Faser nach Vergeltung schreit. Eine Hand reichen, trotz Verletzung.
Verzeihen und Versöhnung wären auch für die in Matteo Melchiorres faszinierendem Roman »Der letzte Cimamonte« geschilderten Konflikte eine sehr gute Lösung. So, wie es gerade aussieht, läuft aber alles auf Konfrontation hinaus. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und hoffe, in den nächsten Tagen ein ganzes Stück voranzukommen mit dem Buch.
Und die nächsten Lesevorhaben stehen auch schon fest – siehe unten.
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Uwe Timms »Der Mann auf dem Hochrad« habe ich vor vielen Jahren mit Vergnügen gelesen. Anlässlich des 85. Geburtstag des Autors am 30. März ist das Buch jüngst in einer Neuausgabe erschienen.
Dass der Titelheld im Hauptberuf Tierpräparator ist, ist mir seit der Lektüre allerdings komplett entfallen. Coburg als Handlungsort und die Schwierigkeiten beim Absteigen von einem Hochrad sind hängengeblieben, aber vom Beruf habe ich erst wieder in einem Radiogespräch mit Uwe Timm gehört, in dem auch ein präparierter Mops erwähnt wird.
Beim Stichwort »Tierpräparator« tut sich gleich eine interessante Parallele zu Uwe Timms autobiographischem Buch »Alle meine Geister« auf, in dem der Autor von seiner Kürschnerlehre in Hamburg erzählt. Ein Handwerk, das man aus heutiger Sicht nicht unbedingt gut finden muss, das aber ein herrlich aus der Zeit gefallenes Sammelsurium an Fachbegriffen zu bieten hat.
Von besagter Parallele habe ich bei der ersten Lektüre von »Der Mann auf dem Hochrad« freilich noch nichts geahnt – noch ein Grund mehr, den kurzen Roman demnächst wieder einmal in die Hand zu nehmen.
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Der öffentliche Bücherschrank, an dem ich auf meiner regelmäßigen Abendrunde vorbeikomme, erweist sich momentan als echte Fundgrube. Zuletzt mitgenommen habe ich eine sehr gut erhaltene Hardcover-Ausgabe von Ingrid Nolls »Der Mittagstisch«.
Zehn Jahre ist der Roman inzwischen alt, aber zumindest das Covermotiv ist in gewisser Hinsicht brandaktuell. Zu sehen ist ein Ausschnitt des Gemäldes »David und Bathseba« von Lucas Cranach dem Jüngeren, dem ein neulich in Bettbrunn bei Eichstätt aufgetauchtes Jesus-Bild zugeschrieben wurde. Dummerweise stellte sich bei genauerer Betrachtung der Signatur heraus, dass da ja gar nicht »L. C.« steht, sondern »L. G.«, womit der Urheber nicht Lucas Cranach der Jüngere oder gar der Ältere ist, sondern ein gewisser Lattanzino Gambara. Ungünstig!
Was das alles mit dem Buch zu tun hat? Vermutlich gar nichts, aber trotzdem ist das eine schöne Geschichte, finde ich.