Es war ein Dezember der Krähen. Derartig viele hatte man noch nie gesehen. In schwarzen Schwärmen versammelten sie sich draußen vor der Stadt, drangen dann ins Zentrum vor, hüpften durch die Straßen, legten die Köpfe schief und hockten sich frech auf jeden Aussichtspunkt, an dem sie Gefallen fanden, um Aas zu erspähen und sich unerschrocken auf alles Essbare zu stürzen, bevor sie nachts ihre Schlafplätze in den riesigen alten Bäumen rund um das Kloster aufsuchten.

Abgesehen vom Kloster beschreibt diese Passage aus Claire Keegans »Kleine Dinge wie diese« ziemlich exakt das, was ich (nicht nur im Dezember) auf meiner abendlichen Spazierrunde beobachte – und Jahr für Jahr werden es mehr Krähen.
Doch nicht nur wegen dieses Anknüpfungspunkts an meinen Alltag hat mir dieser schmale Roman außerordentlich gut gefallen. Eine zugleich warmherzige und hoffnungsvolle, aber auch bedrückende (Weihnachts-) Geschichte aus dem Irland der 1980er Jahre.
Mehr zum Roman erzählt Marion bei Schiefgelesen, zum Weiterschauen und Sich-Gruseln über die Scheinheiligkeit der katholischen Kirche in Irland (die so ziemlich das genaue Gegenteil von christlicher Nächstenliebe verkörpert) empfehle ich Stephen Frears‘ großartigen Film »Philomena« mit Judi Dench und Steve Coogan.
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Apropos Filmempfehlung: Mit »Prange – Man ist ja Nachbar« mit Bjarne Mädel, Katharina Marie Schubert und Olli Dittrich findet sich in der ARD-Mediathek einer der gelungensten TV-Jahresendfilme seit ganz langer Zeit. Wer nicht genug bekommen kann von den beiden Nachbarn Ralf Prange und Horst Rohde, kann gleich weiterhören oder die beiden (mir zuvor völlig unbekannten) Romane von Peter Altenburg lesen.