Eine besondere Freundschaft

Für seinen letzten Roman „Offene See“ wurde Benjamin Myers vergangenes Jahr mit dem „Lieblingsbuch“-Preis des unabhängigen Buchhandels ausgezeichnet — eine Ehre, die zuvor unter anderem Dörte Hansen, Mariana Leky und Benedict Wells zuteil wurde. In seinem neuen Werk „Der perfekte Kreis“ erzählt der Brite nun von der Freundschaft zweier Außenseiter und knüpft damit qualitativ nahtlos an den Vorgänger an.

Im Sommer 1989 tauchen in den Getreidefeldern des ländlich geprägten, dünn besiedelten Süden Englands mysteriöse geometrische Muster auf. Niemand weiß, wer diese riesigen, ebenso präzisen wie schönen Kunstwerke zu welchem Zweck geschaffen hat. Schon an der Frage, ob es sich überhaupt um Kunst von Menschenhand handelt, scheiden sich die Geister. Viele der echten und selbsternannten Wissenschaftler und Forscherinnen, New-Age-Jünger, Ufo-Gläubigen und Esoterikerinnen, die sich mit dem Phänomen beschäftigen, sind vielmehr der Ansicht, dass es sich bei den „Kornkreisen“ um Zeugnisse außerirdischen Lebens handeln muss. Vielleicht sind die Muster Botschaften einer hochentwickelten Zivilisation an die Menschen? Oder aber Abdrücke von Raumschiffen, die auf den Feldern gelandet sind?

Zwei, die sich nicht an solchen Spekulationen beteiligen, sind Calvert und Redbone, die beiden Protagonisten des Romans. Müssen sie auch nicht, denn sie wissen es besser. Immerhin sind sie die Schöpfer der faszinierenden Kreise — keine Außerirdischen, aber doch zwei Männer, die in gewisser Weise am Rande der Gesellschaft stehen.

Calvert ist ein ehemaliger Elite-Soldat, der im Falklandkrieg schwer verwundet wurde und seine äußeren wie inneren Narben unter einem dichten Bart und einer auch in der Nacht getragenen Sonnenbrille verbirgt. Ein wortkarger, stets planvoll agierender Einzelgänger, der in einem winzigen Häuschen ein zurückgezogenes Leben führt. Redbone dagegen ist ein wandelnder Widerspruch. Der frühere Punkmusiker ist oft aufbrausend und hat einen Hang zu Alkohol, Schlägereien und komplizierten Frauengeschichten. Eine gescheiterte Dreiecksbeziehung ist schließlich der Grund, warum er in seinem VW-Bus haust und zunehmend verwahrlost. Gleichzeitig ist er aber auch ein feinsinniger, künstlerisch begabter Zeitgenosse — die komplexen Entwürfe der „Kornkreise“ stammen aus seiner Feder — der die Natur, die Tiere und die Sterne mehr liebt als die Menschen.

Auf den ersten Blick haben die beiden Außenseiter nicht viel gemeinsam. Sie reden auch nur das Nötigste miteinander und wissen kaum etwas vom jeweils anderen. Trotzdem ist ihre gemeinsame Leidenschaft die Basis einer tiefen Freundschaft. Jedes Wochenende im Sommer ziehen Calvert und Redbone los und setzen im Schutz der Dunkelheit ihre immer komplexer werdenden Entwürfe in einem sorgsam ausgewählten Feld in die Tat um. Krönender Abschluss der Saison soll die „Honigwabe-Doppelhelix“ werden.

Verbindung zu den großen Themen der Gegenwart

Zwei Männer, deren selbst gewählte Lebensaufgabe darin besteht, „Kornkreise“ zu erschaffen. Einfach so, ohne speziellen Grund. Es geht ihnen nicht um Berühmtheit oder gar um Geld, sondern vielmehr um die Sache an sich und darum, die Dämonen ihrer Vergangenheit im Zaum zu halten und ihre ansonsten gleichförmigen Tage ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten. Das kann man seltsam finden, aber Benjamin Myers macht aus der Freundschaft von Calvert und Redbone eine berührende Geschichte und einen ganz wunderbaren Roman. Alle, die sich schon einmal unverstanden oder fehl am Platz gefühlt haben, werden das ungleiche Duo sofort ins Herz schließen.

Neben Calvert und Redbone hat „Der perfekte Kreis“ aber noch einen dritten Hauptdarsteller, nämlich die Landschaft Südenglands. Auf fast jeder Seite finden sich eindrucksvolle Beschreibungen dieser Gegend, deren urtümlicher Charakter schon im Jahr der Handlung im Verschwinden begriffen ist. Gerade hier gelingt Benjamin Myers die Verbindung zur Gegenwart. Immer wieder ärgern sich Calvert und Redbone über Menschen, die versuchen, aus ihren Werken Profit zu schlagen — die Kritik am Hang des Menschen, alles kommerzialisieren zu müssen, ist heute fast noch aktueller als damals.
Außerdem kann die hinreißend komische nächtliche Begegnung der beiden „Kornkreis-Macher“ mit einem einfältigen Earl, der zu betrunken ist, um zu begreifen, dass auf seinem Land gerade etwas Illegales vor sich geht, als Seitenhieb auf das gegenwärtige politische Personal Großbritanniens verstanden werden. Überhaupt beweist der Autor neben seinen sonstigen Stärken immer wieder ein feines Gespür für Humor. In einer Szene sinniert Calvert zum Beispiel über den drohenden Zusammenbruch der Zivilisation und lässt dabei eine Bemerkung fallen, die einen unweigerlich ans Frühjahr 2020 erinnert:

„Klar ist: Der Planet heizt sich auf, und falls wir nichts verändern, wird das Folgen haben. Du kannst einen Ofen nicht ewig anlassen.“

„Und an welche Vorbereitungen denkst du?“

„Ach, das Übliche. Die wesentlichen Dinge. Nahrung, Wasser, Treibstoff. Waffen, falls nötig. Und natürlich Medikamente. […] Und Klopapier, fällt mir gerade ein.“

Benjamin Myers: Der perfekte Kreis

Kurzum: Ein famoser Roman und eine unbedingte Empfehlung!

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The Final Six

Gestern wurde in der Rezension zu Mary Lawsons lesenswertem Roman „Im letzten Licht des Herbstes“ die Bekanntgabe der Shortlist des diesjährigen Booker Prize erwähnt. Lawson stand (bereits zum zweiten Mal) auf der Longlist, schaffte es aber leider nicht in die Endauswahl.

Folgende Bücher wurden in die „Final Six“ gewählt — wer am Ende das Rennen macht, entscheidet sich am 3. November. Besonders erfreulich: Für drei der Shortlist-Romane ist bereits eine deutsche Übersetzung geplant, zwei davon erscheinen noch in diesem Monat.

Die Finalist*innen im Überblick:

  • Damon Galgut: The Promise
  • Anuk Arudpragasam: A Passage North
  • Patricia Lockwood: No One Is Talking About This (dt. Titel „Und keiner spricht darüber“, ab 8. März 2022 in der Übersetzung von Anne-Kristin Mittag bei btb)
  • Nadifa Mohamed: The Fortune Men (dt. Titel „Der Geist von Tiger Bay“, ab 16. September in der Übersetzung von Susanne Urban bei C. H. Beck)
  • Richard Powers: Bewilderment (dt. Titel „Erstaunen“, ab 29. September in der Übersetzung von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié bei S. Fischer)
  • Maggie Shipstead: Great Circle

Die Schatten der Vergangenheit

Auf der Longlist zum diesjährigen Booker Prize: Morgen entscheidet sich, ob es Mary Lawsons berührendes Kleinstadt-Familiendrama „Im letzten Licht des Herbstes“ auch in die Endauswahl des renommierten Literaturpreises schafft.

Im Herbst 1972 steht die knapp achtjährige Clara am Fenster ihres Elternhauses in der Kleinstadt Solace im Norden Ontarios und hält Ausschau. Nach ihrer 16 Jahre alten Schwester Rose, die nach einem Streit mit den Eltern mal wieder abgehauen ist und im Gegensatz zu den anderen Malen schon seit fast zwei Wochen weg ist. Und nach Mrs. Orchard aus dem Nachbarhaus, die wegen ihrer Herzbeschwerden im Krankenhaus behandelt wird und um deren Kater Moses sich Clara währenddessen kümmert.

Auf einmal taucht ein fremder Mann in Mrs. Orchards Haus auf und fängt an, Kartons mit seinen Sachen aus- und mit den Sachen der alten Dame einzupacken. Was Clara nicht weiß: Mrs. Orchard ist bereits gestorben (eine Information, mit der die Eltern ihre kleine Tochter nicht auch noch belasten wollten) und der Mann ist kein Eindringling, sondern der rechtmäßige Erbe des Hauses. Liam Kane, gescheitert in Ehe, Beruf und der Großstadt, kommt ein Tapetenwechsel im verschlafenen Nest Solace gerade recht, wobei er das geerbte Haus möglichst schnell gewinnbringend loswerden möchte. Immerhin hat er zu dem Gebäude keine Beziehung und auch die letzte persönliche Begegnung mit Mrs. Orchard liegt schon fast dreißig Jahre zurück, so dass die Erinnerung längst verblasst ist.

Ganz anders sieht es bei Elizabeth Orchard selbst aus, die in einem dritten Handlungsstrang, der ein wenig früher spielt als die beiden anderen — immerhin lebt sie damals noch, ist sich aber ihres nahenden Endes bewusst — erzählt, wie der damals noch keine vier Jahre alte Nachbarsjunge Liam ihren unerfüllten eigenen Kinderwunsch zumindest für eine Weile befriedigte und warum der Kontakt dann auf dramatische Art und Weise endete.

Ruhig, aber dennoch eindringlich erzählt

Ein verschwundener Teenager, ein plötzlich in einer Kleinstadt auftauchender Fremder und ein Geheimnis aus der Vergangenheit. Das könnten glatt Zutaten für einen Thriller sein, aber „Im letzten Licht des Herbstes“ ist alles andere als das — obwohl die Handlung streckenweise so packend ist, dass man sich kaum losreißen kann. Mary Lawson versteht es gekonnt, die Schicksale ihrer drei Hauptfiguren Clara, Liam und Mrs. Orchard einfühlsam miteinander zu verknüpfen und die genauen Verbindungen erst nach und nach zu enthüllen. Das alles gelingt der Kanadierin, die schon seit vielen Jahrzehnten in England lebt, in einem zugänglichen, ruhigen Erzählton und ohne größere Knalleffekte, wobei es dem Buch keineswegs an Dramatik mangelt.

Die Quintessenz von „Im letzten Licht des Herbstes“ ist dabei die Feststellung, dass sowohl ein Zuwenig als auch ein Zuviel an Liebe fatale, langwierige Folgen haben kann. Trotzdem gibt es immer auch Linderung für die Wunden der Vergangenheit — wo, wenn nicht in einem Städtchen, das den Trost (der Originaltitel „A Town Called Solace“ ist da deutlich treffender als der recht beliebige deutsche Titel) bereits im Namen trägt?

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Ein Lächeln wie von Mona Lisa

Zum zweiten Mal schickt Leif Karpe seinen kunstsinnigen Ermittler Peter Falcon von New York nach Europa, um ein kniffliges Rätsel zu lösen. Stand in „Der Mann, der in die Bilder fiel“ noch der Impressionismus im Mittelpunkt, begibt sich „Die Göttin, die von Blüten träumte“ nun an die Schauplätze der Renaissance.

Ein Kunstschatz von womöglich unermesslichem Wert lagert im Berliner Bode-Museum, nämlich eine vermeintlich von Leonardo da Vinci geschaffene Wachsbüste der Göttin Flora. Schon seit vielen Jahren tobt ein erbitterter Streit um die Urheberschaft der keine 70 Zentimeter hohen Büste und die gerade überwundene Corona-Krise (der Roman spielt in einer nahen Zukunft, in der wieder weitgehend Normalität herrscht) bietet für einige Akteure einen willkommenen Anlass, ein für alle Mal zu klären, was tatsächlich Sache ist. Die junge Wissenschaftlerin Laura Petreus hat ein neues Datierungsverfahren entwickelt, unter dessen Einsatz am Teilchenbeschleuniger des Louvre geklärt werden soll, ob es sich bei der Flora mit dem an die Mona Lisa erinnernden Lächeln um ein Werk da Vincis handelt oder ob die Büste von einem weit weniger bedeutenden englischen Künstler des 19. Jahrhunderts geschaffen wurde, wie dessen Nachfahren beharrlich behaupten. Finanziert wird die kostenintensive Datierung vom umstrittenen Chemiegiganten und Glyphosat-Hersteller Mortapes, der mit seinem Engagement um die Kunst ein wenig Greenwashing betreiben möchte.

Sollte sich die Büste als echter da Vinci herausstellen, würde dies natürlich auch für das Bode-Museum einen gehörigen Gewinn an Renommee bedeuten und das große Auktionshaus Chroseby würde ebenfalls von einem nach Corona wieder in Schwung kommenden Kunstmarkt profitieren. Dummerweise kommt es aber gar nicht zu der geplanten Datierung, denn zuerst verschwindet Laura Petreus spurlos und dann wird auch noch die Büste gestohlen — auf ganz ähnliche Weise wie im März 2017 die 100 Kilogramm schwere Goldmünze.

Peter Falcon, der Kunsthistoriker und Comichändler, zu dem „die Bilder sprechen“, soll herausfinden, was passiert ist. Seine Suche führt ihn quer durch Europa, aber vor allem natürlich nach Florenz, die Wiege der Renaissance.

Geschicktes Spiel mit Fakten und Fiktion

Krimis und Thriller mit kunstbeflissenen Ermittlern — da denkt man natürlich sofort an Dan Browns genialen Symbolologen Robert Langdon oder an Martin Suters chronisch klammen Lebemann John von Allmen. Von beiden hat Leif Karpe seinem Peter Falcon etwas mitgegeben, wobei der New Yorker doch deutlich bescheidener und zurückhaltender (manchmal allerdings auch etwas blasser) auftritt als der schier allwissende Langdon oder der allzu luxusaffine Allmen.

Mit etwas mehr als 200 Seiten ist „Die Göttin, die von Blüten träumte“ deutlich schmaler als vor allem Browns umfangreiche Thriller und auf Actionszenen verzichtet der Roman nahezu gänzlich. Stattdessen glänzt Karpe vor allem mit einer geschickten Mischung aus Fakten und Fiktion. Von Botticelli bis zum „Decamerone“, das im Verlauf der Handlung eine wichtige Rolle spielt, bekommt man als Leserin oder Leser einen kleinen, kenntnisreichen Crashkurs in Sachen Renaissance und auch viele andere Begebenheiten und Personen in Karpes Buch sind zumindest an Tatsachen angelehnt. Das und der kurzweilige, humorvolle Erzählstil machen „Die Göttin, die von Blüten träumte“ zu einer lohnenden Lektüre für kunstinteressierte Krimifreundinnen und -freunde mit einem Faible für Italien.

Einzig ein etwas aufmerksameres Lektorat hätte man dem Roman gewünscht. So heißt der Chemiekonzern „Mortapes“ an einer Stelle auf einmal „Montarpes“ und auch ansonsten haben sich immer wieder kleinere (aus dem Komponisten Edvard Grieg zum Beispiel wird ein Herr „Krieg“) oder größere („Meine Herren, es ergibt doch keinen Sinn, wenn wir hier uns hier gegenseitig belauern. Ich schlage vor, wie setzen uns und legen die Karten auf den Tisch“, heißt es etwa auf Seite 141 der 1. Auflage) Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen. Kein Drama zwar, aber doch ärgerlich!

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Teuflischer Spuk auf hoher See

Nach dem bei den Costa Book Awards 2018 mit dem Preis fürs beste Debüt ausgezeichneten „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ liegt nun auch der zweite Roman des Briten Stuart Turton in deutscher Übersetzung vor. Mit mehr als 600 Seiten ist „Der Tod und das dunkle Meer“ ähnlich umfangreich wie der Vorgänger, wagt sich aber auf ein ganz anderes Terrain. Ob es sich lohnt, bei dieser abenteuerlichen Lesereise an Bord zu gehen, erfahrt Ihr im Folgenden.

Im Jahr 1634 macht sich im Hafen von Batavia, dem heutigen Jakarta und damaligen Hauptquartier der Niederländischen Ostindien-Kompanie, eine Flotte von sieben Schiffen bereit für die lange Reise nach Amsterdam. Hauptschauplatz ist die Saardam, an deren Bord sich der machthungrige Generalgouverneur Jan Haan nebst seiner Entourage, einem phantastischen Schatz und einem ganz besonderen Gefangenen befindet. Samuel Pipps, ein Mann von scharfem Verstand und der Kombinationsgabe eines Sherlock Holmes, hatte dem Generalgouverneur einst wertvolle Dienste geleistet, ist dann aber in Ungnade gefallen, weshalb er nun in Amsterdam hingerichtet werden soll.

Schon vor dem Ablegen steht die fast zehnmonatige Reise allerdings unter keinem günstigen Stern. Ein in Lumpen gehüllter Aussätziger stößt noch am Kai düstere Drohungen gegen das Schiff aus, bevor seine Kleidung in Flammen aufgeht und er qualvoll verbrennt. Schnell spricht sich unter den Passagieren und der Mannschaft das Gerücht herum, ein auf Rache sinnender Dämon (kurioserweise — aber durchaus passend zum oft recht augenzwinkernden Grundton des Buches — trägt er den nicht unbedingt einschüchternden Namen „der Alte Tom“) hätte von einer auf dem Schiff befindlichen Person Besitz ergriffen. Ist es tatsächlich ein teuflischer Spuk oder bringen trotz der merkwürdigen Ereignisse an Bord ganz andere, keineswegs übersinnliche, sondern allzu menschliche Konflikte die Saardam und ihre Besatzung in höchste Gefahr? Unterstützt von Pipps‘ scharfsinnigen Ferndiagnosen macht sich dessen rechte Hand Arent Hayes gemeinsam mit Sara Wessels, der von ihrem Gatten mehr als genervte Ehefrau des Generalgouverneurs, sowie deren blitzgescheiter Tochter Lia auf Spurensuche an und unter Deck.

Seemannsgarn für Abenteuerlustige

„Kriminalroman“ heißt es zwar auf dem Cover, aber „Der Tod und das dunkle Meer“ ist noch viel mehr: Abenteuergeschichte, Schauermärchen, Thriller und – zumindest in seiner Auflösung – tatsächlich ein klassischer Krimi im Stile Agatha Christies. Unabhängig von Genreschubladen spinnt Stuart Turton jede Menge Seemannsgarn — mit allem, was dazugehört zu einer solchen Geschichte. Kapitale Stürme, Geisterschiffe, Musketiere im besten Mantel-und-Degen-Stil, sagenhafte Schätze, Pirateninseln, verschlagene Seeleute, ränkeschmiedende Adlige und natürlich Papageien. Fehlen eigentlich nur noch das ein oder andere Holzbein und ne Buddel voll Rum.

Obwohl also alles angerichtet ist für ein rasantes und spannungsgeladenes Vergnügen, dauert es doch eine ganze Weile, bis die Handlung so richtig in Fahrt kommt und die Leserinnen und Leser in ihren Bann schlägt. Zu Beginn ist der Roman überraschend gemächlich und das anfangs noch etwas unüberschaubare Personentableau erschwert es zusätzlich, sich zurechtzufinden. Im Verlauf des Buches ändert sich das aber zum Glück und Stuart Turton zieht das Tempo mit überraschenden Wendungen immer mehr an. Kleine, oft beiläufig eingestreute Hinweise ermutigen einen außerdem zum Mitraten während des Lesens.

Wer schon immer ein Faible für Abenteuerromane hatte, „Die Schatzinsel“ begeistert verschlungen und mit dem Piratenschiff von Playmobil gespielt hat, wird großen Spaß mit den vielen Rätseln und den liebevoll gezeichneten Helden dieses Buches haben. Alle anderen könnten allein vom schieren Umfang von „Der Tod und das dunkle Meer“ erschlagen werden und mehr als einmal drauf und dran sein, die Segel vorzeitig zu streichen. Dranbleiben lohnt sich aber auch in diesem Fall, denn am Ende gibt es noch einige echte Überraschungen.

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Ali Smith: Sommer

Brexit, die Buschfeuer in Australien, das zweite Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump und eine neuartige Viruserkrankung, die sich von China aus langsam ihren Weg um die Welt bahnt — das, was Ali Smith auf den ersten Seiten von „Sommer“, dem letzten Teil ihres vielfach preisgekrönten Jahreszeitenquartetts, beschreibt, ist noch gar nicht so lange her, fühlt sich aber schon sehr weit weg an. Trotzdem sind natürlich all diese Dinge, wenn auch auf eine veränderte Art und Weise, nach wie vor Teil unserer Gegenwart, was „Sommer“ zu einem sehr aktuellen Roman macht, der dennoch etwas Allgemeingültiges, Zeitloses hat.

Wie immer in den Jahreszeiten-Romanen von Ali Smith gibt es auch diesmal mehrere Handlungsstränge, die meisterhaft miteinander verwoben sind — letztlich hängt bei der Schottin alles mit allem zusammen. In der Gegenwart treffen wir auf Grace Greenlaw, eine ehemals hoffnungsvolle Schauspielerin und nun von ihrem Ehemann wegen einer Jüngeren sitzengelassene alleinerziehende Mutter zweier Teenager-Kinder, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die 15-jährige Sacha könnte man wohl mit dem Adjektive „woke“ gut umschreiben; sie interessiert sich für gesellschaftliche Entwicklungen, sorgt sich wegen des Klimawandels und kümmert sich um Obdachlose in ihrer Heimatstadt Brighton. Der zwei Jahre jüngere Robert, ein hochintelligenter Einstein-Bewunderer, gefällt sich dagegen in der Rolle des Querulanten und eckt gerne mit rassistischen und sexistischen Kommentaren an (die Gründe für seine Wut werden im Lauf der Handlung klar — letzten Endes ist er Täter und Opfer zugleich). Neben dieser Familiengeschichte aus dem Post-Brexit-England gibt es einen zweiten Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt. Hier begegnen wir dem heute 104 Jahre alten, damals jungen Lebensmittelhändler Daniel Gluck, der im Sommer 1940 ebenso wie sein Vater wegen seiner deutschen Abstammung von der britischen Regierung als „Feindstaatenausländer“ in einem Lager interniert wird. Kurioserweise finden sich unter den Mithäftlingen viele deutschstämmige Juden, die den Briten als Nazis oder zumindest als deren Sympathisanten gelten. Als Bindeglied zwischen den Figuren der beiden Stränge fungieren die Blogger Charlotte und Art, die für ihre Webseite „Art in Nature“ stets auf der Suche nach kuriosen Geschichten von gesellschaftlichem Belang sind, die revolutionäre Kraft ihres Wirkens aber doch arg überschätzen.

Sommer ist, eine Straße wie die hier entlangzugehen, Licht und Dunkel vor sich. Denn Sommer ist nicht bloß eine fröhliche Geschichte. Weil es fröhliche Geschichten nicht gibt ohne das Dunkle.

Ali Smith: Sommer

Streckenweise ist „Sommer“, das kein „typisches“ Sommerbuch ist (ebenso wenig waren die drei Vorgänger Frühlings-, Herbst- oder Winterbücher, wenn es so etwas überhaupt gibt), wütend und pointiert, ohne dabei aber ins Zynische zu kippen. Daraus, dass Ali Smith die gegenwärtigen Verhältnisse auf der Welt und erst recht in Großbritannien nicht gefallen, macht sie keinen Hehl. Trotzdem überwiegt aber das Hoffnungsvolle. Die Beschäftigung mit der Kunst, der Literatur, dem Film und nicht zuletzt der Wissenschaft — das ist die Essenz dieses großartig geschriebenen, anspielungsreichen Romans — hat die Kraft, uns selbst durch die dunkelsten Zeiten zu tragen. Und genau dazu leistet auch „Sommer“ seinen nicht unerheblichen Beitrag.

[Bonus-Tipp: Im Buch wird mehrmals die Filmemacherin Lorenza Mazzetti erwähnt. Friedemann Fromms berührender Dokumentarfilm „Einsteins Nichten“ über sie und ihre Schwester Paola ist unbedingt sehenswert.]

  • Ali Smith: Sommer (aus dem Englischen von Silvia Morawetz; Luchterhand Verlag; ISBN: 978-3-630-87581-1).

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Graham Greene: Die Reisen mit meiner Tante

Sommerzeit ist Urlaubs- und damit Reisezeit. Da größere Reisen angesichts grassierender Virus-Varianten auch in diesem Jahr eine eher schlechte Idee sind, empfiehlt es sich, den Liegestuhl im eigenen Garten oder zumindest irgendwo in der Nähe aufzustellen und lesend in die Ferne zu schweifen. Geeignete Urlaubslektüren stelle ich ab sofort hier in loser Folge vor.

Henry Pulling, der Protagonist von Graham Greenes „Die Reisen mit meiner Tante“ (im Original 1969 erschienen), führt ein sehr übersichtliches und unspektakuläres Leben. Seit seiner vorzeitigen Pensionierung als Bankangestellter widmet sich der Mittfünfziger in erster Linie den Dahlien in seinem Garten — Aufregung oder Abenteuer: Fehlanzeige. Das ändert sich schlagartig, als er auf dem Begräbnis seiner Mutter erstmals seiner ihm zuvor nur vom Hörensagen bekannten Tante Augusta begegnet. Die alte Dame ist das komplette Gegenteil des biederen Henry und strotzt trotz ihrer 75 Jahre nur so vor Lebensfreude, was ihren Neffen schnell in unangenehme Situationen bringt. Zuerst versteckt Augustas Hausfreund Wordsworth Haschisch in der Urne von Henrys Mutter, dann überredet die Tante den passionierten Stubenhocker Henry, sie auf allerlei Reisen zu begleiten. Es geht nach Brighton, mit dem Orientexpress von Paris nach Istanbul, auf den Spuren von Henrys früh verstorbenem Vater nach Boulogne und schließlich nach Südamerika, zu dieser Zeit ein wahres Paradies für Schmuggler und Glücksritter aller Art.

Während der Reisen gibt Augusta allerlei Anekdoten aus ihrem bewegten Leben als ehemalige Animierdame zum Besten, beeindruckt mit ihren zahllosen Männerbekanntschaften und lässt immer wieder durchklingen, dass sie es nicht ganz so genau mit den Gesetzen nimmt. Anfangs ist Henry natürlich erschüttert von all diesen Geschichten, aber schon bald findet er durchaus Gefallen am Lebenswandel seiner Tante.

Obwohl die Figuren viel unterwegs sind und die Reisen schon im Titel stecken, ist Greenes Roman kein typisches Reisebuch. Überhaupt animieren die Beschreibungen der besuchten Städte und vor allem des Orientexpress, der in den 1960er Jahren offenbar schon viel von seinem ehemaligen Glanz eingebüßt hatte (die noblen Speisewägen, die man etwa von Agatha Christie kennt, sind verschwunden, stattdessen läuft die Verpflegung über mobile Imbisswägelchen, denen man heute noch in vielen Zügen begegnet), nicht unbedingt dazu, schnell die Koffer zu packen.

Ein wenig hat der Zahn der Zeit schon an „Die Reisen mit meiner Tante“ genagt, aber insgesamt ist das Buch noch immer eine vergnügliche Lektüre für Daheimgebliebene, die über ein paar Längen hinwegsehen bzw. -lesen können.

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Miika Nousiainen: Quality Time

Nach Olli Jalonens „Die Himmelskugel“ ist „Quality Time“ bereits die zweite Neuerscheinung eines finnischen Autors, die in diesem Jahr den Weg in mein Blog gefunden hat. Anders als der recht sperrige Historienschinken seines Landsmannes ist Miika Nousiainens Roman eine locker und humorvoll erzählte Geschichte um sehr gegenwärtige Probleme — Nick Hornby lässt grüßen!

Hauptfigur von „Quality Time“ ist der Enddreißiger Sami aus Helsinki, der sich sehnlichst eine eigene Familie wünscht, sich bei der Wahl der richtigen Partnerin aber äußerst ungeschickt anstellt und zuverlässig in jedes Fettnäpfchen tappt, das ihm auf seinem Weg begegnet. Eine seiner Fehlentscheidungen bringt ihm sogar Ärger mit einer Rockergang ein — ein Running Gag, der sich durch die gesamte Handlung zieht.
Neben Sami selbst kommen außerdem vier weitere zentrale Figuren zu Wort, die allesamt Verwandte oder enge Freunde des Protagonisten sind. Samis Schwester Hanna teilt das Schicksal der ungewollten Kinderlosigkeit mit ihrem Bruder. Zwar ist sie verheiratet, aber dummerweise liegt genau darin das Problem. Sehr zum Verdruss ihrer und Samis Mutter Asta, die nach dem Tod ihres Mannes unter großer Einsamkeit leidet und unbedingt bald Oma werden möchte, was sie ihren Kindern bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase reibt. Ganz anders sieht es bei Markus aus, der seit Kindertagen mit Sami befreundet ist und sich als alleinerziehender Vater dreier Töchter zwar redlich bemüht, aber gelegentlich unter der Last zusammenbrechen zu droht. Der bedauernswerte Pechvogel Nojonen dagegen, ein anderer Kumpel von früher, hat seine eigenen Bedürfnisse schon lange zurückgestellt, um seine schwer kranken Eltern zu pflegen.

Zu Beginn der Romanhandlung begegnen wir all diesen Figuren an Wendepunkten in ihrem Leben. Momenten, die nach einer Entscheidung verlangen, weil es so wie bisher einfach nicht weitergehen kann. Selbstredend sind nicht alle der folgenden Entscheidungen wohlüberlegt und machen nicht selten alles nur noch schlimmer. Erst recht, wenn sie auf Basis von Ratschlägen einer scheinbar perfekten und glücklichen Lifestyle-Bloggerin (auf diesen fiktiven Blog bezieht sich übrigens auch der Titel des Buchs) getroffen wurden. Wie die Motorradgang taucht auch die Bloggerin immer wieder auf und in beiden Fällen ist am Schluss nichts so, wie es anfangs scheint. Da entpuppen sich die harten Kerle als Typen mit dem Herz am richtigen Fleck und die Nervensäge mit den Motivationssprüchen ist eine ganz normale, nette Frau mit völlig alltäglichen Problemen.

Miika Nousiainen begegnet seinen keineswegs fehlerfreien, aber durchweg liebenswerten Charakteren mit viel Empathie und einem guten Gespür für Situationskomik. Obwohl „Quality Time“ insgesamt ein heiterer Roman ist, gibt es doch immer wieder Szenen, die ernsthaft, traurig und einem aus eigener Erfahrung nur allzu bekannt sind. Dass alles auf ein Happy End zusteuert, zeichnet sich zwar sehr früh ab, trübt den Lesespaß aber nur minimal — immerhin gönnt man Sami und den anderen ihr Glück von Herzen.

In Sachen literarischer Anspruch mag „Quality Time“ zwar nicht der ganz große Wurf sein, dafür ist Miika Nousiainen aber ein äußerst kurzweiliger und sympathischer Feelgood-Roman gelungen, den man mit viel Freude liest. Unbedingt empfehlenswert!

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Martin Suter: Allmen und der Koi

Sommerzeit ist Urlaubs- und damit Reisezeit. Da größere Reisen angesichts grassierender Virus-Varianten auch in diesem Jahr eine eher schlechte Idee sind, empfiehlt es sich, den Liegestuhl im eigenen Garten oder zumindest irgendwo in der Nähe aufzustellen und lesend in die Ferne zu schweifen. Geeignete Urlaubslektüren stelle ich ab sofort hier in loser Folge vor.

Zum Auftakt nimmt uns Martin Suter in „Allmen und der Koi“, dem mittlerweile sechsten Fall für John von Allmen, den chronisch klammen Lebemann und Experten für das Aufspüren verschwundener Kunstgegenstände, mit nach Ibiza (*). Um ein Kunstobjekt im eigentlichen Sinne geht es — das verrät schon der Titel — diesmal zwar nicht, wohl aber um etwas, das Liebhabern beträchtliche Summen wert ist. Allmen und seine rechte Hand Carlos werden im Auftrag des schwerreichen Percy Garrett auf die Insel gerufen. Der gebrechliche Musikproduzent und leidenschaftliche Koi-Fan ist verzweifelt, weil sein Liebling „Boy“ verschwunden ist. Der mehr als eine Million Dollar teure, fast perfekte Tancho wurde aus dem wohltemperierten Außenpool geraubt, um dessen kostspielige Bewohner sich zwei eigens aus Japan eingekaufte Fischpfleger kümmern. Allmen und Carlos begeben sich in den teils geschmackvollen, teils protzigen Fincas der Insel-Society auf Spurensuche nach „Boy“ und finden heraus, dass es unter den betuchteren Bewohnern Ibizas einige Koi-Fanatiker gibt, die für einen seltenen Karpfen nicht nur bereit sind, hohe Summen in die Hand zu nehmen, sondern auch über Leichen gehen.

Wer mit Martin Suters Allmen-Reihe vertraut ist, weiß, dass die Krimihandlung zugunsten augenzwinkernder Ausflüge in die Welt der Reichen und vermeintlich Schönen gerne einmal etwas in den Hintergrund rückt. Bei „Allmen und der Koi“ ist das nicht anders. Die Suche nach dem verschwundenen Koi nimmt ähnlich viel Raum ein wie mondäne Partys auf diversen Fincas, erlesenes Essen (passend zur Romanhandlung kommt eine raffinierte spanisch-japanische Fusionsküche auf den Tisch) nebst passender Getränkebegleitung und Ratschläge, wie man sich auch bei großer Sommerhitze zu jedem Anlass angemessen kleidet. Das liest sich locker und vergnüglich weg, wobei ein wenig mehr Spannung der Geschichte nicht geschadet hätte. Immerhin wartet das Buch am Ende, nachdem der recht konventionell gestrickte Fall um den Diebstahl bereits aufgeklärt ist, noch mit einer überraschenden Wendung auf.

Hält man sich ein wenig ran mit der Lektüre, schafft man das nur etwas mehr als 200 Seiten dünne Büchlein an einem Nachmittag. Gute Unterhaltung, die einen nicht allzu sehr fordert — Liegestuhllektüre im besten Sinne also.

(*) Martin Suter verbringt seit langer Zeit einen Teil des Jahres auf Ibiza, wo er vor einigen Jahren das SALON Magazin empfing.

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Erzählungen für Eingeweihte

Rund um den Friedhof der vergessenen Bücher, einen mythenumrankten Ort irgendwo in bzw. unter Barcelona, hat Carlos Ruiz Zafón seit seinem 2001 veröffentlichten Weltbestseller „Der Schatten des Windes“ einen faszinierenden Kosmos geschaffen. Wer weiß, wie viele spannende und schauerliche Geschichten uns noch erwartet hätten, wäre der spanische Autor mit Wohnsitz Los Angeles nicht im vergangenen Juni leider viel zu früh verstorben.

Im hübsch aufgemachten Band „Der Friedhof der vergessenen Bücher“ (deutsche Übersetzung von Lisa Grüneisen und Peter Schwaar) sind nun elf Erzählungen versammelt, wobei unter anderem die mit gut 50 Seiten deutlich längste Geschichte „Der Fürst des Parnass“ vor einigen Jahren schon einmal als eigenständiges Büchlein erschienen ist. Da sieben Erzählungen erstmals auf Deutsch vorliegen, gibt es aber dennoch genug Neues zu entdecken. Vor allem natürlich für Fans von Carlos Ruiz Zafón, die in den Geschichten zahlreiche Motive aus und Anspielungen auf „Der Schatten des Windes“ und die darauf folgenden Romane finden. Auch hier wimmelt es wieder nur so vor geheimnisvollen Büchern, verwunschenen Häusern, seltsamen Gestalten und unerhörten Begebenheiten — das alles vor der prächtigen, aber leicht heruntergekommenen Kulisse eines Barcelona, das kaum etwas gemein hat mit der heutigen Overtourism-Metropole. Zudem treffen versierte Leserinnen und Leser auf viele vertraute Namen wie Martín, Sempere, Corelli und Romero de Torres.

Obwohl sich die Qualitäten des wunderbaren Erzählers auch in der kurzen Form zeigen, war der ausufernde Roman mit immer neuen Wendungen und verschlungenen, fast labyrinthischen Handlungssträngen doch die wahre Paradedisziplin von Carlos Ruiz Zafón. So bleibt „Der Friedhof der vergessenen Bücher“ in erster Linie eine lesenswerte Ergänzung für Eingeweihte. Wer das Werk des Spaniers erst noch entdecken will, beginnt am besten mit dem nach wie vor herausragenden „Der Schatten des Windes“.

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