
Verschwörungserzählungen, Intrigen bis hinauf in die höchsten Staatsämter, kriminelle Machenschaften, Fake News und eine tödliche Pandemie — angesichts der großen Themen, die im Buch verhandelt werden, könnte „Die Verschwörung der Krähen“ durchaus auch in der Gegenwart angesiedelt sein. Allerdings führt uns Markus Gasser in seinem neuen Roman weit zurück, nämlich ins London des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. In dieser Zeit lebt und wirkt der äußerst illustre Daniel de Foe, der Nachwelt natürlich vor allem wegen seines Romans „Robinson Crusoe“ ein Begriff.
De Foe wächst als Kaufmannssohn zwar ohne materielle Not auf, doch seine Kindheit ist geprägt von der Pest, die Mitte der 1660er Jahre knapp ein Fünftel der Londoner Bevölkerung dahinrafft, und dem Großen Brand von London, der zweiten großen Katastrophe dieser Jahre. Später tritt der junge Daniel in die Fußstapfen des Vaters, doch das Dasein als Geschäftsmann reicht ihm längst nicht aus. In Flugblättern wettert er gegen Krone, Kirche und Adel und schafft sich damit mächtige Feinde. Darunter auch Queen Anne Stuart, die Anfang des 18. Jahrhunderts ein Kopfgeld auf De Foe aussetzt und ihn zu einer abenteuerlichen Flucht quer durch Europa bis nach Marokko zwingt. Im gefürchtetsten Gefängnis Londons landet er am Ende trotzdem und vor dem sicheren Tod bewahrt ihn nur ein abenteuerlicher Seitenwechsel. Im Auftrag der Queen forscht er als eine Art Geheimagent mögliche Verschwörer und sonstige Staatsfeinde aus. Zur Rufschädigung unliebsamer Rivalen bedient er sich gerne Fake News, die er in seiner eigenen Zeitung, deren Herausgeber, Verleger und einziger Redakteur er ist, verbreitet.
Nach dem durchschlagenden Erfolg des 1719 erschienenen „Robinson Crusoe“ könnte sich der inzwischen fast 60-jährige Daniel de Foe langsam aufs Altenteil zurückziehen, doch vorher bringt er mit einer List noch den König der Londoner Unterwelt zur Strecke. Ein Erfolg, der weitreichende Konsequenzen hat…
Mit weniger als 240 Seiten ist „Die Verschwörung der Krähen“ für einen historischen Abenteuerroman erstaunlich kurz. Trotzdem ist es Markus Gasser gelungen, die umfangreiche Handlung so zu verdichten, dass sie auf diesem recht knapp bemessenen Raum genug Platz findet. Ganz so atemlos und aufregend, wie sich die Geschichte in der Kurzzusammenfassung anhört, ist sie allerdings leider nicht. Der Roman verlangt seinen Leserinnen und Lesern viel Aufmerksamkeit ab. Einerseits wegen der Zeitsprünge, die der nicht ganz chronologisch erzählten Handlung geschuldet sind, andererseits wegen der oft nicht allzu leicht zu überblickenden Zahl der auftretenden Personen. Für das Personenregister am Ende des Buches ist man jedenfalls einige Male sehr dankbar.
Keine leichte Lektüre also. Dennoch lohnt sich der Roman allein der Parallelen zur Gegenwart wegen. Es ist durchaus tröstlich, einmal mehr davon zu lesen, dass früher eben nicht alles besser war.
- Markus Gasser: Die Verschwörung der Krähen (C. H. Beck Verlag; 238 Seiten; ISBN: 978-3-406-78150-6).
Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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