Eine Woche mit dem üblichen Alltagskram in leicht geballter Form, aber einem versöhnlichen Ende mit einem Besuch auf einem Frühjahrsmarkt bei herrlichem Wetter. Die Gläser unten – es gab noch allerlei andere Farben und Größen – haben es mir sofort angetan, aber in Ermangelung eines sinnvollen Verwendungszwecks (mir wollten auf die Schnelle nur langstielige Blumenarrangements einfallen) habe ich dann doch lieber verzichtet.

Stattdessen gab es Kaffee und Rhabarberkuchen, mit nach Hause genommen habe ich ein paar Pflanzen für den Garten.
Nicht auf dem Frühlingsmarkt, sondern im entsprechenden Fachhandel habe ich ein neues Fahrrad gekauft bzw. vorbestellt. In meiner naiven Vorstellung sah ich mich schon fröhlich vom Hof des Radhändlers nach Hause radeln, hatte aber nicht mit einer (bestenfalls) mehrwöchigen Lieferzeit gerechnet. Nun fahre ich eben noch eine Weile mittelfröhlich auf dem quietschenden alten Drahtesel durch die Gegend und tröste mich damit, dass Franz Schröter vermutlich deutlich länger auf sein Hochrad aus England warten musste.
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Gekündigt habe ich vergangene Woche mein Netflix-Abo. Schon die Auswahl der öffentlich-rechtlichen Mediatheken überfordert mich zuverlässig, da braucht es nicht noch ein zusätzliches kaum zu überblickendes Angebot.
Außerdem verstört mich neuerdings sowieso fast alles aus dem Bereich Krimi und Thriller (von Horror brauchen wir erst gar nicht anzufangen) im Bewegtbild. Sogar vermeintlich Harmloses wie die Verfilmung von Daniel Glattauers Roman „Ewig Dein“ mit Julia Koschitz und Manuel Rubey hat mir Albträume bereitet. Weniger Zartbesaiteten kann ich den etwas generischen, aber dennoch packenden Psychothriller durchaus empfehlen.
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Trotzdem ist mir im Zweifel immer noch ein Buch lieber als jede Serie oder jeder Film.
Ausgelesen habe ich „Von Norden rollt ein Donner“ von Markus Thielemann. Titeln von der Long- bzw. in diesem Falle sogar Shortlist zum Deutschen Buchpreis begegne ich in der Regel mit etwas Skepsis, aber dieser hier hat mich sehr positiv überrascht. Endlich ein Dorfroman ohne die ewig gleichen Klischees! Große Lust auf einen Umzug aufs Land macht die Geschichte des jungen Jannes wirklich nicht.
Aus Pflichtbewusstsein und auch mangels Alternativen arbeitet der 19-Jährige als Schäfer auf dem familieneigenen Hof in der Lüneburger Heide und wird diesen aller Voraussicht nach einmal übernehmen. Das bedeutet harte Arbeit für einen bescheidenen Ertrag bei ständiger Unsicherheit und Vernachlässigung eines Soziallebens. Und das in einer Gegend, die abseits aller Heideromantik zwischen Truppenübungsplätzen und gesichtslosen Gewerbegebieten eher trist ist. Die Mystery-Elemente (die auf Geschehnisse rund um das nahe gelegene Konzentrationslager Bergen-Belsen verweisen) hätte es für meinen Geschmack nicht unbedingt gebraucht – der in nüchterner Sprache beschriebene Alltag mit totgeborenen Lämmern und der Rückkehr des Wolfes, die umgehend völkisch gesinnte Zugezogene auf den Plan ruft, ist schon gruselig genug.
Sehr lesenswert!



