Eine kleine Erinnerung: Ab sofort ist in der ZDF-Mediathek der Zweiteiler „Sturm kommt auf“ zu sehen, die Verfilmung (Regie Matti Geschonneck, Drehbuch Hannah Hollinger) von Oskar Maria Grafs Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“.
Zur Einstimmung empfiehlt sich das SZ-Interview (€) mit Sigi Zimmerschied, der neben Josef Hader, Verena Altenberger, Frederic Linkemann, Sebastian Bezzel und Helmfried von Lüttichau eine tragende Rolle in dem exzellent besetzten Film spielt.
Neben dem Pumuckl-Kinofilm dürfte das die interessanteste „bayerische“ Produktion des Jahres sein. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die beiden Heimkinoabende.
Kein goldener Oktober mehr zum Wochenauftakt, dafür trübes Herbstwetter. Auf dem Fahrrad brauchte es am Morgen wieder Handschuhe.
Am Nachmittag Begegnung mit einem der hiesigen Turmfalken; diesmal erstaunlich nah an den Häusern.
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In Salzburg kommt man kaum am Film „The Sound of Music“ vorbei, der dieser Tage sein 60. Jubiläum feiert und jährlich geschätzt 400.000 Besucher*innen vor allem aus Übersee in die Stadt an der Salzach lockt. In Europa dagegen ist der Musical-Film mit Julie Andrews dagegen nur einer Minderheit ein Begriff – nicht nur, weil er in Deutschland unter dem Titel „Meine Lieder – meine Träume“ in den Kinos lief.
Aber wir haben ja schließlich auch unsere eigenen Kitschklassiker – man denke nur an Weihnachten mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Sissi“ in Dauerschleife. Letztere ist natürlich bei den „Sound of Music“-Fans aus dem englischsprachigen Raum völlig unbekannt, wie in diesem hübschen Artikel (€) deutlich wird:
Frage an Connor, unseren irischen Tourguide: Ob er wisse, dass genau hier wiederum Teile der „Sissi“- Filme mit Romy Schneider gedreht wurden. Sissi? Nie gehört.
Wichtiger Handlungsort in „The Sound of Music“: Der Mirabellgarten, hier im Juni 2023.
Zum Abschluss noch ein Linktipp in eigener Sache: Auch in der November-Ausgabe von „bild der wissenschaft“ findet sich wieder eine Sachbuchrezension von mir. Diesmal zu „Aufstieg und Fall der Menschheit“ von Henry Gee – hier online zu lesen.
Kurz gesagt, geht es in dem Roman, der mich zu Beginn durchaus fasziniert hat, um das letzte Aufbäumen einer im Untergang begriffenen Welt. Schauplatz des Geschehens ist das fiktive italienische Bergdorf Vallorgàna, das seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Nur noch knapp 150 Menschen leben in dem Ort, der einst fast 2500 Einwohner*innen zählte – Tendenz weiter sinkend.
Einer der Verbliebenen ist der ungefähr 40-jährige Ich-Erzähler, der letzte Nachkomme der Adelsdynastie der Cimamontes, die jahrhundertelang über Vallorgàna und das umliegende Tal herrschte. Einfluss wie seine Vorfahren hat der „Duca“ nicht, stattdessen betreibt er im bröckelnden Familiensitz Ahnenforschung und streift ein wenig durch die Natur. Eigentlich ein sanftmütiger Typ, der aber völlig aus der Fassung gerät, als er erfährt, dass jemand in seinem Wald Bäume gefällt hat. Verantwortlich ist Mario Fastréda, der es aus einfachen Verhältnissen zum einflussreichen Rinderzüchter, Großbauern und neuem „Herrscher“ Vallorgànas gebracht hat. Aber auch der Stern des alt gewordenen Fastréda ist längst am Verglühen.
Wie sich die beiden wegen einer Lappalie zu Feinden gewordenen Männer in der Bar des Dorfes argwöhnisch beäugen, Allianzen schmieden und die nächsten Schritte abwägen, fand ich großartig. Ständig liegt etwas in der Luft, die große Eskalation scheint stets unmittelbar bevorzustehen. Und dann passiert meistens doch nichts.
Überhaupt passiert auf den gut 500 Seiten des Buches erstaunlich wenig – zumindest nicht genug, um einen solchen Umfang ohne enorme Längen und Abschweifungen zu füllen. Im letzten Drittel gibt es zwar einige überraschende Wendungen und eine Art Höhepunkt, aber zum Ende hin musste ich mich dann schon sehr zum Weiterlesen zwingen.
Nicht gerade zur Lesefreude trug auch die auf altertümlich getrimmte Sprache des Buches bei. Der deutschen Übersetzung von Julika Brandestini ist dabei kein Vorwurf zu machen, werden doch einige nicht ganz so geläufige Begriffe wie „Gastalde“ in Fußnoten erklärt.
Streckenweise gelingt es dem Autor zwar, eine wie aus der Zeit gefallen wirkende, fast mystische Atmosphäre zu erzeugen, an anderer Stelle geht es aber völlig daneben. Ob man Kaulquappen in einem abgestandenen Gewässer als „geschwänzte Melusinen“ bezeichnen muss, mag noch Geschmackssache sein. Unfreiwillig komisch wird es aber, wenn über einen vom Sturm verwüsteten großen Rinderstall Folgendes geschrieben wird: „Der Wind hatte tatsächlich diesen Tempel des Fleischviehs geschändet und verunglimpft […]“ – Hilfe!
Ein Buch, das ich demnächst sehr gerne zurück in die Bibliothek bringen werde.
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Schon nach wenigen Seiten deutlich mehr nach meinem Geschmack ist Uwe Timms „Der Mann auf dem Hochrad“. Ich bin aber doch überrascht, wie wenige Details ich von der ersten Lektüre vor sieben oder acht Jahren behalten habe. Ganz grob wird der Inhalt ja dankenswerterweise bereits vom Titel zusammengefasst.
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Sehr gerne gehört habe ich die Tage ein Gespräch mit Josef Hader. Es geht darum ums Eisessen ebenso wie um ernsthafte Dinge – ich musste mehrmals lachen und mindestens genauso oft zustimmend nicken.
Erwähnt wird übrigens auch der unbedingt sehenswerte ZDF-Film „Rosenthal“ – nun also mit Hader-Gütesiegel.
Wie grauslich es momentan ist! Eisige Kälte, leicht unentschlossen wirkender Schneefall – und das alles vor einem sagenhaft tristen Himmel. Es gibt draußen gerade nichts, was die Stimmung heben könnte.
Immerhin passt das Wetter damit hervorragend zur Nachrichtenlage, wobei sich bei der Zeitungslektüre – wenn man lange genug blättert – hin und wieder doch etwas Erfreuliches finden lässt. Zum Beispiel ein hübscher Artikel in der Süddeutschen Zeitung (€) anlässlich des 30. Jubiläums von Literatur Moths in München. Natürlich hat die Buchhändlerin Regina Moths auch einen Rat zum Umgang mit den allgegenwärtigen Krisen: »Lesen ist eine Form von Entlastung von der permanenten Aufgeregtheit, die einen von allen Seiten anfällt.«
Stimmt. Für Ablenkung und Entlastung sorgt bei mir aktuell Patricia Highsmiths »Ripley Under Ground«. Ich bin mir bei diesem Buch noch nicht ganz sicher. Nach einem ziemlich zähen Auftakt macht es mir aber doch einigermaßen Spaß – vor allem, wenn Bezug genommen wird auf Personen, Orte und Ereignisse aus »Der talentierte Mr. Ripley«.
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Neulich ging es hier um wiederkehrende Motive und Elemente in (Fernseh-) Krimis. Auch ein immer gerne bemühtes Trope sind Mordfälle im Umkreis von Adelsfamilien. Deren Angehörige sind immer exzentrisch, haben stets etwas zu verbergen und erfüllen in Sachen Aussehen und Auftreten sämtliche gängige Klischees. Abgesehen vom (in der Regel künstlerisch tätigen) schwarzen Schaf der Familie kombiniert man strenge Hochsteckfrisur zu Kaschmir-Twinset und Perlenschmuck oder fährt in Cordhose und Barbour-Jacke mit der Mercedes G-Klasse ins Jagdrevier. Die Auflösung des Falls findet sich schließlich auch immer im Familienkreis und hat in aller Regel irgendetwas mit Erbschaften zu tun.
Zuletzt gesehen in der neusten Episode des »Steirerkrimis« mit Gastauftritt von Tobias Moretti. Trotz des gelegentlichen Griffs in die Klischeekiste gehört die Reihe mit Anna Unterberger und Hary Prinz zu den besseren Fernsehkrimis. Kein Wunder – Regisseur Wolfgang Murnberger zeichnete schließlich auch schon für die Verfilmung der »Brenner«-Romane von Wolf Haas mit Josef Hader verantwortlich.
Was mir gefällt: Während die Werktage zur Zeit grau und trist sind, wird es zum Wochenende stets zuverlässig sonniger und freundlicher. Da liegt fast ein Hauch von Frühling in der Luft – zumindest, bis einen die nächste eisige Windböe erfasst.
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Bei den Buchempfehlungen des Standard habe ich einen neuen Bildband über Josef Hader auf Tournee entdeckt und mir gedacht, dass das ein hübsches Mitbringsel aus dem Österreich-Urlaub wäre. Auch auf Reisen sind für mich Buchhandlungen eine stets willkommene Anlaufstelle; bevorzugt kaufe ich natürlich Landestypisches, was je nach Urlaubsort eine mehr oder weniger große Herausforderung darstellt.
Nicht nur willkommene Anlaufstelle, sondern vielmehr Anlass einer Reise oder eines Ausflugs sind Museumsbesuche. Demnächst geht es nach Frankfurt ins Städel Museum zu »Rembrandts Amsterdam. Goldene Zeiten?« – das aufwändig gestaltete Digitorial zur Ausstellung steigert die Vorfreude gleich noch ein wenig.
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In der recht kurzweiligen neuen »Wilsberg«-Episode wurde (Vorsicht Spoiler!) einmal mehr die beliebte Fernsehkrimi-Variante von Tschechows Gewehr zum Besten gegeben: Ist im Film irgendwann eine Sauna zu sehen, wird früher oder später jemand darin eingesperrt.
Nachgehört habe ich die aktuelle Ausgabe des »Literarischen Quartetts« und im Anschluss den neuen Roman von Wolf Haas auf der Lesewunschliste noch einmal dick unterstrichen. Neu draufgeschrieben, aber mit einem Fragezeichen versehen (weil Erzählungen, weil seltsam) habe ich »Es werden schöne Tage kommen« von Zach Williams.
Angesichts der allzu überschwänglichen Lobeshymnen von Kollegen wie Jonathan Safran Foer oder Percival Everett zu Williams‘ Erzählband erscheint mir der Plan des US-Verlags Simon & Schuster, Blurbs in Zukunft weniger Bedeutung beizumessen, als durchaus sympathisch.
Worüber empören Sie sich? Über die Empörten. Nein, im Ernst. Ich empöre mich nicht, ich bin eher bekümmert, pessimistisch und ehrlich gesagt viel traurig.
Allerdings gibt es auch Anlass zur Freude, denn auf der Berlinale feiern dieser Tage gleich zwei Filme mit Birgit Minichmayr Premiere, unter anderem Josef Haders neue Regiearbeit »Andrea lässt sich scheiden« – schon den Trailer finde ich äußerst gelungen:
In den deutschen Kinos läuft »Andrea lässt sich scheiden« am 4. April an.
Vom 21. bis zum 24. März findet die diesjährige Leipziger Buchmesse statt. Unter dem Motto »Alles außer flach« sind diesmal die Niederlande und die Region Flandern gemeinsames Gastland. In ihrem Blog Zeichen & Zeiten richtet Constanze Matthes gemeinsam mit der niederländischen Buchhändlerin Julia van Weijen den Blick darauf, was die Literatur Flanderns und der Niederlande ausmacht, wie es um die dortige Literaturlandschaft bestellt ist und was es auf und neben der Messe alles zu entdecken gibt.