Nach den wunderbaren Vorfrühlingstagen ist es seit einem Weilchen wettermäßig eher grau und unentschlossen. Das allein wäre nicht weiter schlimm, wenn da nicht immer dieser unangenehme kalte Wind wäre.
Zwischendurch ist alles aber wie hier am Neuen Museum doch in ein etwas freundlicheres Licht getaucht:

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Ausgelesen habe ich »Berliner Monster« von Jürgen Tietz. Vor allem durch die sehr ansprechende Covergestaltung bin ich im Buchladen auf die im Berlin des Jahres 1947 spielenden Krimis um Kommissar Hans Adler aufmerksam geworden. Letzten Endes hat sich aber einmal mehr die alte Binsenweisheit never judge a book by its cover bewahrheitet. Insofern hatte ich Glück, dass es damals im Laden nur den zweiten Band der Reihe gab; selbstredend wollte ich von vorne anfangen und wurde in der Bücherei fündig.

Die Beschreibung des in jeglicher Hinsicht zerrütteten Nachkriegs-Berlins und seiner nicht minder gebeutelten Bewohnerinnen und Bewohner hat mir gut gefallen, die Schilderung der zunehmenden Spannungen zwischen Sowjets und Amerikanern in der geteilten Stadt fand ich recht interessant. Sogar die als »Bridge of Spies« bekannt gewordene Glienicker Brücke hat einen kleinen, aber nicht unwichtigen Gastauftritt.
Nicht überzeugt hat mich dagegen – und das ist bei einem Kriminalroman ja doch nicht ganz unerheblich – die Krimihandlung um grausam ermordete bzw. verschwundene Kinder. Letzten Endes sind wie in so vielen anderen historischen Krimis auch in »Berliner Monster« die Verbrechen vor allem der Aufhänger, um etwas Dynamik in die Handlung zu bringen, Personen aus unterschiedlichen Milieus auftreten zu lassen und die Hauptfiguren von A nach B zu lotsen. Im speziellen Fall dienen die jungen Opfer in erster Linie als Aufmacher, um auf das Schicksal der zahllosen zu Waisen gewordenen oder in den Wirren um Kriegsende und Vertreibung von ihren Familien getrennten Kindern aufmerksam zu machen, die entweder unter ärmlichsten Bedingungen in Waisenhäusern ihr Dasein fristeten oder sich gar allein auf der Straße durchschlagen mussten.
Zeit- und Lokalkolorit also hervorragend, Krimihandlung allerhöchstens Durchschnitt.
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Ohne Wehmut brachte ich »Berliner Monster« in die Bücherei zurück und nahm dafür »Der letzte Cimamonte« von Matteo Melchiorre mit. Nach dem überschwänglichen Lob beim Kaffeehaussitzer mit entsprechend großen Erwartungen.
Bisher habe ich nur kurz hineingelesen und natürlich sagt das nichts darüber aus, ob mir der Roman als Ganzes gefallen wird, aber gleich auf den ersten Seiten geht es um Krähen, die sich überall und immer unverschämter ausbreiten. Das kenne ich von meinen Spaziergängen, damit kann ich direkt etwas anfangen.
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Wie immer hörenswert: Die neue Folge von eat.READ.sleep., diesmal sogar mit etwas Nürnberg-Bezug im Quiz. Die Frage um die Buchhandlung Korn & Berg konnte ich selbstverständlich problemlos beantworten.