Ein Glöckchen über einer Tür und das Bimmeln, das es von sich gibt. Ein Verkäufer und eine Leiter und ein warmes, goldenes Licht, und dann: genau das richtige Buch, genau zur rechten Zeit.
~ Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
Dieses Zitat aus einer meiner Januar-Lektüren hat mich besonders begeistert. Welche Bücherfreundin, welcher Bücherfreund kennt nicht den Zauber, eine schöne Buchhandlung zu betreten und etwas Neues, Aufregendes auf den Tischen oder in den Regalen zu entdecken?
Trotzdem: allzu oft habe ich diesen Zauber im zugleich turbulenten (hinsichtlich des Weltgeschehens) wie ruhigen (das kalte, oft verschneite und trübe Winterwetter hat mich nicht im Übermaß vor die Tür gelockt) ersten Monat des Jahres 2026 nicht erlebt. Zweimal war ich kurz in einer Buchhandlung, aber der Funke wollte nicht so recht überspringen. Dementsprechend habe ich in diesem Jahr tatsächlich noch kein Buch gekauft – der gefasste Entschluss, auch in den kommenden elf Monaten ausschließlich Bücher aus unabhängigen Verlagen käuflich zu erwerben, hat natürlich weiter Bestand.
Zwei der vier gelesenen Januar-Romane habe ich aus der Bibliothek ausgeliehen, eines war ein Weihnachtsgeschenk und das letzte vor langer Zeit ein Geburtstagsgeschenk.

Miguel Bonnefoy: Der Traum des Jaguars
Eine magisch-realistische, ein Jahrhundert umspannende Familiensaga aus Venezuela. Wie Miguel Bonnefoy all die Personen, Handlungsstränge und Ereignisse auf weniger als 300 Seiten unterbringt, ist einerseits große Kunst. Anderseits hätte er einigen seiner schillernden Nebenfiguren gerne etwas mehr Platz einräumen dürfen.
Einen ausführlicheren Beitrag zum Buch findet Ihr HIER.
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Bernhard Jaumann: Der Turm der blauen Pferde
Ein vielversprechender Auftakt der Krimireihe um die »Kunstdetektei von Schleewitz«. Es geht um Provenienzforschung, NS-Raubkunst und die Schattenseiten des Kunstmarktes. Erzählt in einem lässigen, an »München Mord« erinnernden Tonfall, überzeugt das Buch eher mit seiner Stimmung und den realen Hintergründen der Geschichte als mit einem hochspannenden Kriminalfall.
Mehr zum Buch HIER, zum Ausklang des Januars geht es weiter mit »Caravaggios Schatten«, Teil zwei der Reihe.
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Daniel Glattauer: In einem Zug
Abgesehen von seinen gelungenen ersten Seiten eine ziemliche Enttäuschung. Eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte, witzlose Exkurse und zahllose Wiederholungen machen diesen immerhin erfreulich kurzen Roman zu einer echten Herausforderung.
Mehr zum Buch HIER.
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Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
Eine bibliophile Schnitzeljagd, mit allem was dazugehört: eine staubige, verwinkelte Buchhandlung mit einem kauzigen Besitzer, eine Geheimgesellschaft, die sich in einem unterirdischen Lesesaal trifft, und chiffrierte Bücher voller uralter Geheimnisse.
Vor mehr als zehn Jahren habe ich den Roman mit großer Begeisterung gelesen und auch beim zweiten Mal wurde ich (mit etwas weniger Begeisterung allerdings) sehr gut unterhalten. Die Geschichte an sich hat nach wie vor viel Charme, das ständige Loblied auf Google und die Errungenschaften des Tech-Konzerns dagegen wirken im Jahr 2026 etwas seltsam.

